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München - Lazio Rom bricht mit dem Sieg gegen Neapel den eigenen Vereinsrekord. Selbst die Meisterschaft scheint für den Klub von Ciro Immobile in diesem Jahr möglich.

Mit geballter Faust stand Ciro Immobile vor den Fans von Lazio Rom in der Curva Nord des Olympiastadions in Rom und ließ sich von seinen Mitspielern feiern.

Gerade eben hatte der Stürmer Neapel-Torhüter David Ospina angelaufen, unter Druck gesetzt und schließlich den Ball abgeluchst. Aus der Drehung heraus drosch er diesen in Richtung des Gästetors, wo Giovanni Di Lorenzo den scharfen Schuss nur noch ins eigene Tor abfälschen konnte.

Das 20. Saisontor des einstiegen BVB-Flops acht Minuten vor dem Ende der Partie machte dabei nicht nur den 1:0-Sieg seiner Mannschaft zwei Tage nach dem 120. Geburtstag des Klubs perfekt, sondern sorgte zugleich für einen neuen Vereinsrekord. Zehn Siege feierte Lazio inzwischen in Serie, seit 13 Partien ist man ungeschlagen.

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Lazio träumt von erster Meisterschaft seit 20 Jahren

"Wir haben zusammen Geschichte geschrieben. Wir brauchen nicht auf die Tabelle zu schauen, unser Ziel ist es, die Ruhe zu bewahren, denn bis zum Ende der Meisterschaft haben wir noch einen langen Weg vor uns", wird der Matchwinner auf der vereinseigenen Homepage zitiert.

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Mit sechs Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Juventus Turin, allerdings bei einem Spiel weniger, liegen die Adler in der Tabelle momentan auf dem dritten Platz. Der Traum von der dritten Meisterschaft nach 1974 und 2000 scheint aktuell tatsächlich greifbarer denn je. (Tabelle der Serie A)

"Ich werde der Mannschaft gratulieren und sie bitten, an das nächste Spiel zu denken. Im Moment sind wir fast dran, den Scudetto zu holen. Wir brauchen ein bisschen Glück, Verletzungen sind zu vermeiden", sagte Trainer Simone Inzaghi dem Corriere dello Sport nach dem Sieg gegen Neapel.

Große Ausgeglichenheit zwischen Defensive und Offensive

Großen Anteil am Aufschwung der Römer hat zweifelsohne Immobile, doch den Erfolg in dieser Saison einzig am italienischen Nationalstürmer festzumachen, wäre zu einfach. Vor allem die Ausgewogenheit zwischen Offensive und Defensive ist bei der Società Sportiva in diesem Jahr Trumpf.

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Mit nur 17 Gegentoren stellt man hinter Inter Mailand (16) die zweitbeste Defensive der Liga, kommt doch mal ein Schuss auf das Gehäuse, ist Torwart Thomas Strakosha zumeist zur Stelle. Der Albaner verpasste in dieser Spielzeit noch keine Minute und blieb gegen Neapel bereits zum sechsten Mal ohne Gegentor, im Spiel gegen Lecce glänzte er zudem mit einem gehaltenen Strafstoß.

Im Mittelfeld zieht Sergej Milinkovic-Savic die Fäden, erzielte bereits drei Treffer und legte fünf weitere auf. Seit Jahren steht der in Spanien geborene Serbe bei den internationalen Top-Klubs auf dem Zettel, zuletzt sollen unter anderem Juventus Turin, Paris Saint-Germain und Manchester United ihr Interesse bekundet haben. Dennoch verlängerte er seinen Vertrag im Oktober 2018 vorzeitig bis 2023.

Angriff das Prunkstück von Lazio 

Prunkstück im Kader von Inzaghi bleibt aber der Angriff. Lediglich Atalanta Bergamo (49) hat in dieser Spielzeit mehr Tore erzielt als die Biancocelesti (41).

Gemeinsam mit dem aktuell verletzten Joaquín Correa (6 Saisontore) bildet Immobile das gefährlichste Sturmduo der Serie A, noch vor Inters Traumsturm mit Romelu Lukaku (14) und Lautaro Martínez (10). Im Kampf um den Goldenen Schuh für den besten Torjäger Europas liefert sich der frühere Dortmunder in dieser Saison ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Robert Lewandowski.

In Luis Alberto hat man zudem den besten Vorbereiter der Liga (12) im Kader, von der Bank kommend knipste Felipe Caicedo bereits viermal und ist damit gemeinsam mit Atalantas Luis Muriel der Top-Joker der Serie A.

Olympiastadion entwickelt sich zur Festung

Hinzu kommt, dass sich das Olympiastadion in dieser Saison als echte Festung erwiesen hat. Lediglich bei den beiden Unentschieden gegen Erzrivale AS Rom (1:1) und Atalanta (3:3) musste Lazio vor heimischem Publikum Punkte abgeben. (Spielplan der Serie A)

Dabei war gerade das Spiel gegen Bergamo rückblickend der große Wendepunkt in dieser Saison. Mit 0:3 lag man damals zur Pause im Rückstand, doch Immobile und Correa mit einem Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten und erneut der frühere Dortmunder mit einem verwandelten Elfmeter in der dritten Minute der Nachspielzeit sorgten noch für den Ausgleich und leiteten damit die im Anschluss beginnende Siegesserie ein.

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"In der Umkleidekabine schauten wir uns nach der ersten Hälfte alle gegenseitig in die Gesichter und versuchten, den Kopf im Spiel zu behalten. Atalanta ist sehr stark, sie hatten drei Tore gegen uns geschossen, aber wir glaubten daran, dass wir das Zeug dazu haben, zurückzuschlagen. Das taten wir und jetzt glauben wir immer bis zum letzten Moment an das, was wir tun", fasste Mittelfeldspieler Danilo Cataldi den entscheidenden Moment in dieser Saison jüngst in der Gazetta dello Sport zusammen.

Sieben weitere Siege brauchen die Römer nun noch, um den Liga-Rekord von Inter Mailand aus der Saison 2006/2007 zu brechen. Die Nerazzurri krönten sich damals am Ende zum Meister. 

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