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Ezio Vendrame (l.) mit dem italienischen Filmregisseur Marco Giusti
Ezio Vendrame (l.) mit dem italienischen Filmregisseur Marco Giusti © dpa
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München - Ezio Vendrame, der mit George Best verglichen wurde, ist am Samstag gestorben. Einige seiner spektakulären Aktionen gingen in die italienische Fußballgeschichte ein.

Der Name Ezio Vendrame dürfte hierzulande kaum jemandem ein Begriff sein - und doch landete am Samstag sein Name in den Titeln der italienischen Sportzeitungen, die den Tod des einstigen Fußballers betrauerten.

Der Mittelfeldspieler hatte in den 1970er-Jahren für Lanerossi Vicenza und SSC Neapel in der Serie A gespielt. Ein Treffer in 49 Serie-A-Spielen zeugt dabei nicht gerade von einer ruhmreichen Karriere, seine Meriten auf dem Platz hielten sich in Grenzen.

Und doch war Vendrame jemand, der tiefe Spuren hinterließ, weit über die italienische Fußballszene hinaus. Mit seinem radikalen Auftreten auf und neben dem Platz wurde er zeitlebens mit George Best verglichen. Vendrame trug die Haare schulterlang, ihm eilte der Ruf des Rebells voraus.

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Solo gegen die eigenen Mitspieler

Wie der nordirische Fußballstar verkörperte Vendrame einen exzessiven Lebensstil, scherte sich nicht um Konventionen und trieb seine Trainer reihenweise zur Weißglut. Dafür liebten ihn die eigenen Fans für sein natürliches Talent und für die Show, die er selbst in den unansehnlichsten Spielen bot.

Legendär wurde eine Aktion während des Drittliga-Spiels zwischen Padova und Cremonese, als sich Vendrame den Ball schnappte und, beginnend vom gegnerischen Strafraum, reihenweise seine eigenen Mitspieler umkurvte. Als er am eigenen Sechzehner ankam, tat er so, als wolle er das spektakulärste Eigentor der Fußballgeschichte schießen. 

Vendrame holte zum Schuss aus, ließ seinen eigenen Torwart in eine Ecke fliegen - hielt dann doch inne und spielte weiter, als sei nichts gewesen. "Es gab keinen einzigen Torschuss im ganzen Spiel, es passierte überhaupt nichts. Deshalb wollte ich meine Mitspieler aufrütteln", lautete seine eigenwillige Begründung für die unglaubliche Aktion.

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Als ihn eine Saison später Fans seines Ex-Klubs Udine im Spiel gegen Padova vor einem Eckball bepöbelten, kündigte er ihnen an, den Ball direkt ins Tor zu schießen - und tat es tatsächlich.

Tunnel gegen Idol Gianni Rivera

Überhaupt hatte er im Trikot von Padova seine legendärsten Auftritte. Einmal unterbrach er das Spiel, nur um einen Freund, den Songwriter Piero Ciampi, auf der Tribüne zu grüßen. Im Alter von 32 Jahren beendete Vendrame seine Karriere, mit nur einem Bedauern: Er hatte es gewagt, sein großes Idol Gianni Rivera zu tunneln, was er später bereute.

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Anschließend widmete er sich der Schriftstellerei und brachte es auch hier zu beachtlichen Erfolgen. "Wenn Sie mich auf die Tribüne schicken, werde ich mich freuen", heißt eines seiner Bücher - und es beschreibt am besten seine nonkonformistische Ader, die er bis zu seinem Tod behielt. 

"Wenn ich mit Idioten reden muss, sterbe ich lieber an Einsamkeit", sagte er bei seinem letzten Interview im vergangenen Jahr. Am Samstag erlag Ezio Vendrame im Alter von 72 Jahren einem Tumor.

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