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München - Turin hat drei der vier Spiele ohne Cristiano Ronaldo nicht gewonnen. Trainer Pirlo, der deswegen in der Kritik steht, dürfte die Rückkehr von CR7 sehnlichst erwarten.

Es war durchaus eine überraschende und vor allem weitreichende Erkenntnis, die Andrea Pirlo am Mittwochabend im Juventus Stadium zum Besten gab. 

"Wir müssen noch arbeiten, bis wir auf dem Level von Barcelona sind", sagte der Coach von Juventus Turin nach der 0:2-Pleite gegen den FC Barcelona. Wohlgemerkt gegen ein zuletzt kriselndes Team der Katalanen, das noch wenig mit dem glorreichen FC Barcelona des letzten Jahrzehnts zu tun hat. 

Zwar erzielte Alvaro Morata gleich drei Tore, die alle wegen Abseits zurückgepfiffen wurden. Allerdings war der italienische Serienmeister über weite Strecken trotzdem chancenlos. Bester Mann war Keeper Wojciech Szczesny. Barca hatte zudem oftmals erfolglos versucht, den Ball ins Tor zu tragen. 

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Pirlo räumte nach dem schwachen Spiel seiner Mannschaft ein, dass der Matchplan nicht aufgegangen sei. Viele Fans und Experten dürften sich mittlerweile aber fragen, ob die Spielmacherlegende überhaupt einen Plan hat - zumindest wenn Juventus ohne Superstar Cristiano Ronaldo auskommen muss. 

Diese Zeit ist allerdings bald vorbei. Denn nach 19 Tagen erhielt CR7 die erlösende Nachricht, seine COVID-19-Infektion endlich überstanden zu haben. Am Freitagabend wurde der Portugiese erstmals wieder negativ getestet, seine knapp dreiwöchige Quarantäne ist damit aufgehoben.

Ronaldo-Comeback gegen La Spezia?

Ob der 35-Jährihge seinem Team aber schon am Sonntag in der Serie A bei Aufsteiger La Spezia zur Verfügung steht, ist noch offen. (Serie A: La Spezia - Juventus Turin, So., ab 15 Uhr im LIVETICKER).

Doch sollte Ronaldo auch nur einigermaßen fit sein, dürfte er im Kader der Bianconeri stehen. 

Der CHECK24 Doppelpass u.a. mit RB Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche via Live-Schalte am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Denn von den vier Partien, die Ronaldo seit seinem positiven Coronatest während der letzten Länderspielperiode verpasst hat, konnte Juventus nur ein einziges gewinnen - im ersten Spiel der Gruppenphase gab es einen 2:0-Erfolg bei Dynamo Kiew.

Demgegenüber stehen in der Serie A zwei enttäuschende Remis beim FC Crotone (1:1) und gegen Hellas Verona (1:1), nun auch noch die klare Königsklassen-Pleite gegen Barcelona. 

Nun ist es normal, dass ein Team in gewisser Weise von einem der besten Spieler der Welt abhängt, vor allem bei einem Blick auf die Zahlen: Ronaldo erzielte in der vergangenen Spielzeit 31 Tore in 33 Einsätzen. Auch in dieser Saison legte er gut los, traf beim 3:0-Auftaktsieg gegen Sampdoria Genua und schnürte beim 2:2 bei der AS Roma einen Doppelpack.

Die Art und Weise, wie die Alte Dame des italienischen Fußballs zuletzt auftrat, gab allerdings zu denken. In Italien wird Trainer Pirlo - als Spieler immerhin Weltmeister - daher zunehmend kritisch beäugt.

Pirlo spielt auf Zeit

"Wir waren zu ängstlich", räumte Pirlo nach der Pleite gegen Barca ein, ließ aber gleich Erklärung und Hoffnung folgen: "Das war ein Spiel, das nützlich für uns sein kann, um uns in Zukunft zu verbessern." Spätestens seit dieser Aussage ist klar: Der 41-Jährige spielt auf Zeit. 

Zum einen meint der 116-malige Nationalspieler Italiens, dass sich alles bessern werde, wenn sich das Defensiv-Lazarett lichtet: Momentan sind Matthijs de Ligt, Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini und Alex Sandro verletzt. 

Außerdem erklärte Pirlo jüngst, dass Juve gerade am Anfang einer Ära stehe, mit vielen jungen Spielern - aber eben keinem fertigen Team. Ganz unrecht hat er damit nicht, mit Talenten wie dem 20 Jahre alten Dejan Kulusevski hat Juventus durchaus eine vielversprechende Basis für die Zukunft. 

Champions-League-Titel ohne Ronaldo nicht drin

Die Botschaft, die Pirlo verbreitet, ist allerdings auch durchaus problematisch, da Ronaldo mit seinen 35 Jahren wohl nicht mehr allzu lange auf absolutem Top-Niveau spielen kann, und sich die Fans von seiner Zeit in Turin nicht weniger als den Titel in der Champions League erhoffen. 

Ohne Ronaldo - so viel steht wohl nach Saisonbeginn fest - wäre dieses Ziel für das Team einige Nummern zu groß. Sogar die immer eingeplante Meisterschaft in Italien scheint alles andere als sicher. 

Dass sich Pirlos Truppe für die Zukunft finden soll, wenn sie doch so abhängig von einem 35 Jahre alten Superstar ist, wirft Fragen auf. 

Pirlo wird sie lieber früher als später beantworten müssen. Denn Juve braucht einen klaren Plan. 

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