Experten-Streit um Abrahams Sieg
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München - Arthur Abraham feiert bei seinem Comeback einen umstrittenen Sieg. Wie geht es für den Ex-Weltmeister weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Es hätte das triumphale Comeback des Arthur Abraham werden sollen. Doch nach einem umstrittenen Sieg gegen Patrick Nielsen überwiegen die Zweifel.

Im Kampf um den "International Title" des Verbandes WBO stand am Ende ein Punktsieg. Zwei Kampfrichter werteten den Fight zugunsten von "King Arthur", der dritte sah dagegen den Dänen vorne.

Auch die SPORT1-Experten äußerten Kritik am Urteil. Regina Halmich attestierte Abraham bei der Entscheidung der Ringrichter "Glück", deutlich schärfere Töne schlug dagegen Graciano "Rocky" Rocchigiani an.

"Das macht keinen Spaß mehr. Das hat mit Boxen nichts mehr zu tun. Arthur hat den Kampf klar verloren. Das Urteil ist nicht vertretbar. Das kotzt mich an", kommentierte der frühere Weltmeister bei SPORT1.

In der Folge legte Rocchigiani Abraham sogar einen Rücktritt nahe: "Da ist nichts mehr bei Arthur. Das ist ja auch nicht schlimm. Aber das soll er auch mal sagen und nicht weiter die Leute verarschen."

So wüst lief Abrahams Comeback-Fight

Arthur Abraham ist 38. Drei WM-Titel konnte er im Laufe seiner Karriere gewinnen. Das Niveau vergangener Tage erreicht der Supermittelgewichtler aber nicht mehr.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft von "King Arthur".

Macht ein Rückkampf Sinn?

Direkt nach der für ihn unverständlichen Niederlage forderte Nielsen einen Rückkampf - und Abraham sagte prompt zu. Manager Nisse Sauerland äußerte sich dagegen zurückhaltender: "Wenn es Druck in Richtung eines Rückkampfs gibt, werden wir das machen."

Theoretisch wäre diese Option denkbar, beide Boxer stehen beim selben Promoter unter Vertrag. Es stellt sich aber immer die Frage, wie sinnhaft ein solcher Kampf wäre.

Abraham hat für den Herbst seiner Karriere den Gewinn eines WM-Titels als Ziel ausgegeben. Ein Rückkampf bringt ihm diesem Ziel kein Stück näher. Nielsen könnte sich mit einem Sieg dagegen beweisen und für größere Gegner empfehlen.

Kann ein WM-Kampf zustande kommen?

Das Ziel WM-Titel ist für Abraham glasklar. "Ich möchte so schnell wie möglich um eine WM boxen - egal gegen wen. Dann den Titel zwei- oder dreimal verteidigen und mich anschließend ganz entspannt verabschieden", schilderte er nach dem Fight gegen Nielsen seine Pläne.

Mit Sicherheit würde sich ein Weltmeister finden, der einer Titelverteidigung zustimmen würde. Abraham hat in der Boxwelt immer noch einen guten Namen. WBO-Champion Gilberto Ramirez käme dabei mit Sicherheit genauso in Frage wie die WBA-Weltmeister George Groves und Tyron Zeuge.

Aber: Macht ein WM-Kampf für den 38-Jährigen überhaupt Sinn?

Regina Halmich äußert daran Zweifel. "Soll er sich das wirklich antun und gegen einen der starken Weltmeister antreten? Ich würde es an seiner Stelle nicht tun", warnte die frühere Weltmeisterin: "Ich glaube nicht, dass er da mithalten kann."

Abraham ist immer noch ein solider Boxer, das Potential vergangener Tage kann er aber nur noch schwerlich abrufen. "King Arthur" bringt die Schläge nicht mehr mit derselben Härte ins Ziel wie früher. Auch Steigerungsmöglichkeiten gibt es nur noch wenige.

Trainer Ulli Wegner sieht das ähnlich. "Arthur hat nach wie vor Qualität. Aber er zeigt sie nicht", erklärte der Kult-Trainer: "Wenn er noch einmal um eine WM boxen will, muss er sehr hart arbeiten. Ich denke, er ist klug genug, dies zu erkennen."

Abraham selbst ist ebenfalls kritisch: "Für eine WM war es diesmal noch nicht das, was es braucht. Da muss es besser werden."

Kommt ein Rücktritt in Frage?

Obwohl viele Experten Abraham einen Rücktritt nahe legen, aufhören wird der 38-Jährige wohl kaum. Der frühere Weltmeister ist ein Kämpfer.

Er möchte noch einmal Weltmeister werden, dieses Ziel will er unbedingt erreichen. Mindestens einen Kampf wird Abraham aller Voraussicht nach noch bestreiten.

Was ist seine beste Option?

Am ehesten kommt für den Supermittelgewichtler wohl ein deutsch-deutsches Duell in Frage. Tyron Zeuge ist der einzige Landsmann mit WM-Titel. Ein Duell gegen den 25-Jährigen wurde auch von Manager Sauerland ins Gespräch gebracht.

Einfach wäre ein Kampf gegen Zeuge aber nicht. Der WBA-Champion ist schnell und überzeugt mit guter Beinarbeit.

Realistischer wäre ein Stall-internes Duell mit Vincent Feigenbutz. Der Youngster boxt mit offenem Visier, für Abraham würden sich deutlich mehr Chancen ergeben.

Nach einem erfolgreichen Kampf gegen Feigenbutz könnte er eventuell sogar noch einmal um einen WM-Titel boxen.

Bei einer Niederlage würde aber wohl auch Wegner dazu raten, die Boxhandschuhe endgültig an den Nagel zu hängen.

SPORT1 zeigt dieses Jahr 20 Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz.

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