Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Artur Mann greift am Samstag in Südafrika nach seinem ersten Weltmeistertitel. Ein warnendes Beispiel für den Deutschen ist Box-Legende Lennox Lewis.

Er besiegte Vitali Klitschko, Mike Tyson, Evander Holyfield. Aber Südafrika konnte er nicht bezwingen.

Die Karriere des britischen Box-Superstars Lennox Lewis hat nicht viele Makel, sein missglücktes Gastspiel in einem Casino-Resort in Brakpan aber gehört dazu.

Schwergewichts-Champion Lewis verlor dort am 22. April 2001 seine WM-Titel-Sammlung gegen den US-Amerikaner Hasim Rahman.

Anzeige

Die Geschichte dieser überraschenden Pleite ist ein warnendes Beispiel für den deutschen Cruisergewichtler Artur Mann, der am Samstag in Johannesburg nach dem IBO-Weltmeister-Gürtel von Kevin Lerena greift (Der Box-Abend aus Johannesburg ab 21 Uhr LIVE im TV und LIVESTREAM)

Meistgelesene Artikel

Lewis zieht Hollywood-Dreh vor

Lewis war als klarer Favorit in den Kampf gegangen, der damals aus der Not geboren war. Ein Kampf gegen Tyson war eigentlich Lewis' großer Plan für das Jahr, eine dreimonatige Doping-Sperre für "Iron Mike" wegen eines positiven Marihuana-Tests durchkreuzte den Fight jedoch.

Lewis wählte stattdessen den weithin unbekannten Rahman als Gegner. Die Buchmacher sahen ihn als 20:1-Außenseiter, auch Lewis schien ihn auf die leichte Schulter zu nehmen.

Vor allem aber nahm Lewis die Rahmenbedingungen des Kampfs auf die leichte Schulter.

Brakpan, eine 73.000-Einwohner-Stadt im Nordosten des Landes, liegt rund 1600 Meter über dem Meeresspiegel. Rahman war darauf vorbereitet, nahm sich fast einen Monat Zeit, um sich in dieser Höhenlage zu akklimatisieren, reiste bereits am 27. März an.

Lewis dagegen? Ließ sich zwei Wochen länger Zeit, trainierte bis dahin stattdessen in Las Vegas (610 Höhenmeter), auch weil er bei einem dort gedrehten Hollywood-Film mit George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon eine Gastrolle übernahm. In "Ocean's Eleven" spielte er sich selbst, bestritt einen fiktiven Kampf mit Co-Star Wladimir Klitschko.

Hohn und Spott nach Niederlage gegen Rahman

Mit Bedenken, dass er nicht ausreichend vorbereitet war auf "Thunder in Africa", wurde Lewis durchaus konfrontiert. Er schlug sie in den Wind. "Ich glaube nicht alles, was die Wissenschaftler über das Thema Höhenunterschied sagen", sagte er Journalisten allen Ernstes: "Das wird kein Problem sein. Rahman sollte sich um das Thema weniger Sorgen machen, sondern mehr um mich."

Lewis' Einstellung fiel ihm auf die Füße: Nachdem er die ersten drei Runden relativ dominierte, geriet er danach in die Defensive, schien aus der Puste zu geraten. Die Wissenschaft hatte wohl doch recht.

In Runde 5 griff Lewis bereits zur Brechstange, versuchte einen K.o. zu erzwingen - und wurde stattdessen mit einer Rechten ausgekontert, landete auf den Brettern, kam nicht mehr hoch. Rahman hatte die Sensation geschafft.

Für Lewis war Hohn und Spott die Folge. "Er ist in Ocean's 11 versunken", hielt Kommentator Larry Merchant beim US-Sender HBO spitz fest.

Seine Leichtfertigkeit hätte Lewis fast viele Millionen Dollar gekostet, manch ein Experte mutmaßte, dass er sich von der Blamage nicht mehr erholen würde.

Schwierige Ausgangslage für Mann

Lewis allerdings erstritt sich einen Rückkampf gegen Rahman im vertrauten Nevada und gewann ihn. Der Weg war frei für den lukrativen Fight gegen Tyson, den Lewis ebenfalls für sich entschied. Nach einem nicht unumstrittenen Triumph über den aufstrebenden Vitali Klitschko trat er 2003 zurück.

Die Geschichte des Lewis-Rahman-Fights verdeutlicht, wie groß die Herausforderung ist, vor der Mann am Samstag in dem noch höher gelegenen Johannesburg (1750 Meter) steht.

Der 29-Jährige hat auch nur rund eineinhalb Wochen Zeit, sich auf die Bedingungen einzustellen - und so oder so ist der in Johannesburg geborene Lerena weit besser an sie gewöhnt.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image