Lesedauer: 2 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - In Nicaragua wird trotz der Coronakrise vor Zuschauern gekämpft. Ein deutscher Boxer fordert dagegen vergeblich Geisterkämpfe.

Das Nummerngirl zeigte Bauch - ihr Lächeln aber nicht. Das verschwand hinter einer Maske, so viel Coronaschutz hatten sich die Veranstalter des Box-Abends in Managua dann doch überlegt.

Auch die Zuschauer trugen den Atemschutz, am Eingang wurden zudem ihre Hände desinfiziert und ihre Temperatur gemessen. Auf den Stühlen und der Tribüne mussten die mehreren Hundert Besucher den Mindestabstand wahren - aber das galt für den Boxring natürlich nicht.

Die Boxer prügelten aufeinander ein, sie verschnauften in den Armen des anderen, die verschwitzten Körper prallten immer wieder aneinander. Die Bilder, die im Sportsender ESPN am Samstag aus der Hauptstadt des mittelamerikanischen Nicaragua zu sehen waren, wirkten angesichts des fast weltweiten Verbots von Sportevents gewöhnungsbedürftig.

Anzeige

Brähmer fordert Kampf ohne Zuschauer

Bei Jürgen Brähmer dürften sie auch ein wenig Neid auslösen. Der Ex-Weltmeister verhandelt mit der Politik und den Verbänden bislang vergeblich über die Erlaubnis für einen Kampf ohne Zuschauer, den er aus seinem Schweriner Gym heraus im Internet streamen will. Seine geplante Verteidigung des IBF-Interconti-Titels im Supermittelgewicht wäre "ein Schritt zurück zur Normalität", argumentiert der 41-Jährige.

Meistgelesene Artikel

Brähmer fürchtet um seine berufliche Existenz - die Boxer in Nicaragua sogar um ein wenig mehr. "Wenn wir nicht arbeiten", sagte Leichtgewichtler Freddy Fonseca bei ESPN, "können wir nicht essen." Für Rosendo Alvarez, Promoter des Boxabends mit insgesamt acht Kämpfen, war die Veranstaltung deshalb auch ein Akt der Menschlichkeit: "Wenn die Boxer nicht kämpfen, bekommen sie kein Geld, denn sie haben kein monatliches Einkommen. Also waren wir bereit, mit ihnen zu arbeiten."

Drei Corona-Tote

Die Regierung Nicaraguas legte dem Promoter keine Steine in den Weg, anders als in fast allen anderen Ländern auf der Welt steht der Profisport im Sechs-Millionen-Einwohner-Staat nicht still. Gemäß offizieller Zählungen soll es in dem Land zwischen Pazifik und Karibik bis zum vergangenen Wochenende nur zwölf bestätigte Corona-Fälle gegeben haben, drei davon verliefen tödlich.

Doch die weltweiten Maßnahmen gegen die Virus-Ausbreitung sind natürlich auch bis nach Nicaragua durchgedrungen. Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Box-Gala in Managua waren für nicaraguanische Verhältnisse außergewöhnlich, selbst die Boxer trugen beim Aufwärmen und bei den anschließenden Interviews Atemschutzmasken. "Die ganze Nacht war ein bisschen ungewöhnlich", stand auf der Internetseite von ESPN, "aber es könnte der neue Normalzustand für die jetzige Zeit sein."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image