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Boxtalent Ivry Hall steht unter Mordverdacht
Boxtalent Ivry Hall steht unter Mordverdacht © Imago
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München - Der 20 Jahre alte Nachwuchsboxer Ivry Hall entwickelte sich vom Kriminellen zur Vorzeigefigur. Nun steht er unter Verdacht, einen Mord begangen zu haben.

Ein Junge aus schwierigen Verhältnissen gerät schon in jungen Jahren auf die schiefe Bahn.

Er besinnt sich nach einem Schicksalsschlag, beginnt erfolgreich ein neues Leben, wird zum Jahrgangsbesten an der Schule, einem Einser-Studenten und herausragenden College-Sportler, einem Vorbild.

Die Geschichte des Box-Talents Ivry Hall aus Chicago war eine "Feelgood Story" - die nun eine dunkle Wendung zu nehmen scheint.

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Der 20-Jährige wurde am vergangenen Freitag verhaftet. Der furchtbare Verdacht: Er soll einen Kommilitonen der Alabama State University ermordet haben.

Studienkollege von Ivry Hall erschossen

Vier Tage vorher war die Leiche des 22 Jahre alten Adam Dowdell gefunden worden. Bei den Ermittlungen, wie Dowdell erschossen wurde, geriet Hall unter dringenden Tatverdacht. Aktuell sitzt er im Montgomery County Jail in Untersuchungshaft - während Weggefährten über die Motive rätseln.

"Ich kenne die Person nicht, die so etwas begangen haben soll", wird der Chicagoer Pfarrer Michael Pfleger, der als Mentor Halls galt, in der Chicago Tribune zitiert.

Stattdessen ist ihm nur die Seite vertraut, die Hall in den vergangenen Jahren zu einer lokalen Berühmtheit in der Stadt gemacht hatten.

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Boxen half in neues Leben nach krimineller Kindheit

Hall war nach eigenen Angaben schon als kleiner Junge kriminell geworden: Mit acht hätte er sich einer Gang angeschlossen, mit neun geraucht und mit Drogen gedealt. Mit zwölf hätte er Raubüberfälle begangen und auf Menschen geschossen.

Seine alleinerziehende Mutter hätte Probleme gehabt, die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen, er hätte es sich auf diesem Wege geholt.

Der Tod der Mutter, als Hall zwölf Jahre alt war, sei ein Schlüsselerlebnis gewesen: Er wandte sich an soziale Einrichtungen, kam weg von der Straße, steckte seine Energie in die Schule - und ins Boxen, wo er lernte, seine Aggressionen zu kanalisieren. "Wenn ich nicht geboxt hätte, wäre ich nicht so intelligent geworden", sagte Hall der Tribune, als die ihn 2017 porträtierte.

Weggefährten über mutmaßlichen Mord schockiert

Alles schien sich auszuzahlen: Als Primus seiner Abschlussklasse an der Tilden Career Academy verdiente sich Hall ein Stipendium, als Boxer gewann er in seiner Gewichtsklasse das lokale "Golden-Gloves"-Turnier in Chicago.

Hall war ein Vorzeige-Mitglied seiner Community: Bei einem Wohltätigkeitsturnier boxte er vor den Baseballern der Chicago Cubs, seine Lebensgeschichte stand im Zentrum von Zeitungsporträts und einer Mini-Doku.

Umso größer ist nun der Schock bei seinen Vertrauten. "Ich kenne Ivry als guten Jungen und edlen Geist, gläubig in der Kirche und ehrgeizig in der Schule", sagt Reverend Pfleger: "Das ist der Ivry, den ich kenne und an den ich glaube."

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Verhaftet wegen häuslicher Gewalt

Dass Hall auch eine andere Seite hat, legte kurz zuvor aber schon ein anderer Vorfall nahe: Schon im Sommer war er in Chicago verhaftet worden, ihm wurde häusliche Gewalt gegen seine Freundin vorgeworfen.

Laut Polizeibericht hatten sich die beiden im Auto gestritten, weil Hall dem Mädchen vorwarf, ihn zu betrügen. Er hätte durch ihr Handy scrollen wollen, als der Streit dann zu einem Unfall geführt hätte, soll er ihr auch einen Faustschlag an den Arm verpasst haben. Das Verfahren war vorläufig eingestellt worden.

Ist Hall auch ein Mörder? Sein Mentor Pfleger hofft noch auf eine Wende in den Ermittlungen: "Ich gebe niemanden auf. Und ich werde jetzt nicht damit anfangen."

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