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Eddie Guerrero entthronte Brock Lesnar 2004 als WWE-Champion - und starb 2005
Eddie Guerrero entthronte Brock Lesnar 2004 als WWE-Champion - und starb 2005 © WWE
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München - Heute vor 15 Jahren wurde Eddie Guerrero WWE-Champ - und starb 21 Monate später. Als Athlet, Entertainer und Mensch wird er bis heute schmerzlich vermisst.

Vor 15 Jahren bewegte er Millionen Wrestling-Fans, als er den Gipfel seiner WWE-Karriere erklomm.

Heute blutet ihnen das Herz, wenn sie zurückdenken an den 15. Februar 2004, an dem Eddie Guerrero im Hauptkampf der Veranstaltung No Way Out Brock Lesnar besiegte und WWE-Champion wurde.

Denn keine zwei Jahre Jahre später starb der Publikumsliebling, der als einer der besten Showkämpfer aller Zeiten galt - mit nur 38 Jahren. Todesursache war eine nicht diagnostizierte Herzkrankheit, die durch jahrelangen Raubbau am eigenen Körper verschlimmert worden war.

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Guerrero wurde am 13. November 2005 von seinem Neffen und Kämpfer-Kollegen Chavo Guerrero (Jr.) leblos in einem Hotelbadezimmer aufgefunden. Es war das plötzliche und tragische Ende eines dramatischen Athletenlebens, das eigentlich eine Wende zum Guten genommen hatte.

Wissenswertes zum Thema Wrestling

Eddie Guerrero - ein Regelbrecher mit Charme

Eduardo Gory Guerrero Llanes, jüngster Sohn der mexikanisch-amerikanischen Wrestling-Legende Gory Guerrero, galt schon als Ausnahmekönner, lange bevor er bei WWE zum Champion aufgestiegen war.

Herausragende Ringleistungen in Mexiko und Japan ebneten ihm Mitte der Neunziger den Weg in die größeren US-Ligen, erst ECW, dann WCW und schließlich WWE.

Guerrero stieg dort zum Main Eventer auf, nachdem er sich dort auch als Charakter entscheidend weiter entwickelte: Den Durchbruch feierte er, als er sich zusammen mit Chavo ein paradoxes Motto auf den Lieb schrieb: "We lie, we cheat, we steal - but at least we're honest about it" (Wir lügen, stehlen und betrügen - aber wir sind dabei wenigstens ehrlich.)

Der mit Latino-Klischees spielende Guerrero wurde vom bösen "Heel" zum Liebling, der die Regeln weiterhin brach, aber so liebevoll-verschmitzt, dass er das Publikum auf seine Seite zog. Kurz vor seinem Tod verlieh Guerrero seiner Rolle nochmal eine neue Ebene, als er zu einem psychopathischen Schurken wurde, durch den sein Spitzbuben-Charme noch immer effektvoll durchschimmerte.

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Drogensucht kostete ihn zwischenzeitlich den WWE-Job

Guerrero wird nicht nur wegen seiner Leistungen vor der Kamera schmerzlich vermisst: Er wurde als äußerst herzliche und fürsorgliche Person beschrieben, der in einem von vielen Egoismen geprägten Gewerbe keinen einzigen Feind hatte - außer sich selbst, zu bestimmten Zeiten.

Zu Guerreros Geschichte gehörten auch jahrelange Drogenprobleme, die ihn zwischenzeitlich seinen Job bei WWE gekostet hatten. Nach seiner Entlassung 2001 bekam er sein Leben auf die Reihe, kehrte zur weltgrößten Showkampf-Liga zurück und wurde erfolgreicher als je zuvor.

Kurz vor seinem Tod hatte Guerrero eine Autobiographie über seinen Kampf gegen die Sucht fertiggestellt: "Cheating Death, stealing Life". Den Tod betrügen, Leben stehlen.

Obwohl er seine Alkohol- und Schmerzmittelabhängigkeit hinter sich gelassen hatte, belastete das intensive Wrestler-Leben seine Gesundheit jedoch auch nach seiner Rückkehr: Guerrero bestritt in seinen letzten dreieinhalb Karriere-Jahren 500 Matches quer über den Globus, setzte sich großen körperlichen Strapazen aus, auch mental soll ihm der Druck als Headliner der Liga zugesetzt haben.

Sports Illustrated enthüllte nach seinem Tod zudem, dass Guerrero noch 2005 Steroide und andere Medikamente zum künstlichen Muskelaufbau erworben hatte.

Freund Chris Benoit wurde zum Mörder

WWE zog Konsequenzen aus Guerreros Todesumständen, die Promotion führte die so genannte "Wellness Policy" ein, die sowohl die (Wieder-)Einführung von Anti-Dopingtests beinhaltete als auch einen massiven Ausbau der medizinischen Diagnostik und Versorgung ihrer Kämpfer. Auch ist es heute üblich geworden, verdienten Stars ab Mitte 30 einen erleichterten Tourplan und mehr Ruhezeit zu gewähren.

Die Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass Guerreros gesundheitlich ebenfalls schwer geschädigter Weggefährte Chris Benoit 2007 unter noch schockierenderen Umständen starb: Der 40-Jährige beging Suizid, nachdem er zuvor seine Frau Nancy und seinen Sohn Daniel ermordet hatte.

Benoit war kurz nach Guerreros Titelgewinn selbst zum Champion aufgestiegen, gewann 2004 bei WrestleMania XX den gleichrangigen World Title und feierte in einer emotionalen Zeremonie mit Guerrero. Eineinhalb Jahre danach brach Benoit er der WWE-Tributshow für Guerrero in Weinkrämpfe aus.

Ein bleibendes Vermächtnis

Einen tragisch frühen Todesfall gab es übrigens auch am Anfang von Guerreros Karriere. "Love Machine" Art Barr, sein Partner in Mexiko, starb 1994 mit nur 27 Jahren, anscheinend drogenbedingt.

Zu Barrs Ehren übernahm Guerrero dessen technisch anspruchsvollen Finishing Move: den Frog Splash, bei dem Guerrero vom Seil auf seinen Gegner sprang und dabei im Flug wie ein Frosch Arme und Beine an- und abwinkelte.

Nach Guerreros Tod wiederum übernahmen zahlreiche Wrestler den Frog Splash oder seine Suplex-Serie "Three Amigos", um ihn zu ehren. Unter anderem zitier(t)en ihn Neffe Chavo, Freund und Rivale Rey Mysterio, Christian, Kevin Owens, Sasha Banks, Seth Rollins, sogar Brock Lesnar - stets unter "Eddie! Eddie!"-Rufen der Fans.

Guerreros Vermächtnis wird noch lange in Ehren gehalten werden.

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