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Christin Hussong jubelt über EM-Gold in Berlin
Christin Hussong jubelt über EM-Gold in Berlin © Getty Images
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Speerwerferin Christin Hussong gewinnt in überlegener Manier Gold im Speerwerfen. Ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte beträgt über sechs Meter.

Christin Hussong sank noch auf der Anlaufbahn auf die Knie, schlug die Hände vor das Gesicht und konnte ihren Goldcoup nicht fassen: 24 Stunden nach dem Doppelerfolg von Olympiasieger Thomas Röhler und Andreas Hofmann hat die deutsche Meisterin bei der Heim-EM in Berlin für die nächste Speer-Party gesorgt.

Mit einem Traumwurf auf die persönliche Bestleistung von 67,90 m feierte die 24-Jährige den größten Erfolg ihrer Karriere - und gewann das dritte Gold für die deutschen Leichtathleten in Berlin.

Dabei war sie "vor dem Wettbewerb unfassbar nervös", wie Hussong auf SPORT1-Nachfrage sagte. "Ich habe beim Einlaufen ins Stadion gezittert", gab sie nach ihrem einmaligen Erlebnis zu. Doch dann, bei ihrem goldenen ersten Versuch, habe "technisch alles perfekt gepasst, auch der Wind." 

Die Atmosphäre vor den 50.000 Zuschauern im Olympiastadion ließ auch Hussong nicht kalt: "Das Stadion war wirklich ein Kessel, ich glaube so einen Herzschlag hatte ich noch nie in meinem Leben", schilderte sie anschließend (Der Medaillenspiegel der EM).

Hussong mit Rekordwurf

Dass es gleich Gold werden würde, "kann ich kaum glauben. Gestern hab ich schon Lust bekommen, auch auf dem Treppchen zu stehen. Dass ich es mache wie Thomas, ist umso schöner", sagte Hussong in der ARD.

Mit dem Meisterschaftsrekord verwies sie Nikola Ogrodnikova (Tschechien/61,85) und Liveta Jasiunaite (Litauen/61,59) auf die Plätze zwei und drei. Hussong ist mit ihrem Wurf nun die drittbeste deutsche Speerwerferin der Geschichte. Es ist ihr großer Durchbruch Der Zeitplan der EM).

Hussong setzte damit auch die eindrucksvolle Erfolgsserie deutscher Speerwerferinnen bei Europameisterschaften fort. Zuletzt stand 1969 keine deutsche Athletin auf dem Podest. Vor zwei Jahren hatte Linda Stahl Silber gewonnen, 2010 in Barcelona sorgte sie auch für den bis dato letzten deutschen EM-Titel.

Hussong schockt die Konkurrenz

Im Olympiastadion ließ Hussong ihrer Konkurrenz keine Chance. Gleich in ihrem ersten Versuch setzte sie ein Ausrufezeichen, ihr Speer segelte und segelte - und landete erst weit hinter der eingezeichneten 65-Meter-Linie. Das Stadion tobte - und ihre Gegnerinnen konnten nicht mehr kontern.

Es war eine Medaille mit Ansage. Denn bereits in der Qualifikation hatte Hussong eine dicke Warnung an die Konkurrenz gesendet. Gleich mit ihrem ersten Wurf hatte sie eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt. Ihre 67,29 m waren eine klare Ansage: Mit dieser Weite hätte sie bei den vergangenen fünf Europameisterschaften Gold gewonnen.

"Der Wurf war super, zeigt mir, dass ich topfit bin und macht mir Mut für morgen", hatte sie erklärt und betont: "Ich kann um die Medaillen mitwerfen." Sie tat es eindrucksvoll. Schon 2015 hatte Hussong erstmals auf sich aufmerksam gemacht.

Bei der WM in Peking wurde sie Sechste, konnte diese Leistung aber bei den Olympischen Spielen in Rio und der WM 2017 nicht bestätigen. Doch in diesem Jahr läuft es. "Es war bisher die beste Saison meiner Karriere. Wir haben einfach die technischen Fehler aus dem letzten Jahr geändert, sodass ich die Power konstant auf den Speer bringen kann", sagte sie im Vorfeld der EM.

Ein weiterer Grund: Im Winter suchte sie bewusst die Nähe zu den deutschen Speer-Männern um Röhler, arbeitete mit ihnen zusammen, suchte auch Rat beim deutschen Speerwurf-Chef Boris Obergföll. Mit Erfolg.

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