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Lamine Diack ist der frühere Präsident des Leichtathletik-Verbandes IAAF
Lamine Diack ist der frühere Präsident des Leichtathletik-Verbandes IAAF © Getty Images
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Der ehemalige Präsident des Leichtathletik-Weltverbands Lamine Diack wird angeklagt. Dem Senegalesen werden Korruption und Geldwäsche vorgeworfen.

Lamine Diack, ehemaliger Präsident des Weltverbandes IAAF, wird im Zuge des Doping- und Korruptionsskandals in der Leichtathletik der Prozess gemacht. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Der 86 Jahre alte Senegalese und sein Sohn Papa Massata Diack müssen sich wegen "Korruption" und "Geldwäsche" vor Gericht verantworten, zudem werden vier weitere Personen angeklagt.

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Diack, der den Weltverband von 1999 bis 2015 führte, steht derzeit in Frankreich unter Hausarrest. Ein Pariser Berufungsgericht hatte festgestellt, dass bei ihm ein "erhöhtes Risiko" bestehe, sich den französischen Behörden mit einer Ausreise zu entziehen. Diese ermitteln seit 2015 gegen Diack, der damals von dem Briten Sebastian Coe an der IAAF-Spitze abgelöst worden war.

Einfluss auf Olympia-Vergabe?

Diack wird vorgeworfen, als IAAF-Präsident Bestechungsgelder für vertuschte positive Dopingtests erpresst zu haben. Zudem soll er mit seinem Sohn Einfluss auf die Stimmenabgabe afrikanischer Länder bei der Wahl von Rio de Janeiro und Tokio als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele genommen haben.

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"Das Einfrieren der Sanktionen im Austausch für Schmiergelder wurde von Lamine Diack mit Walentin Balachnitschew, dem Präsidenten des Russischen Leichtathletik-Verbandes und IAAF-Schatzmeister, ausgehandelt", erklärte das dreiköpfige Richter-Gremium unter Vorsitz von Renaud Van Ruymbeke. Balachnitschew, der wie Diack angeklagt wird, musste seine Posten im Zuge des Skandals räumen. Außerdem auf der Anklagebank: Alexej Melnikow, Russlands ehemaliger Cheftrainer, Gabriel Dolle, ehemaliger Direktor des Anti-Doping-Programms der IAAF sowie Habib Cisse, ein ehemaliger Berater von Diack.

Diack droht weitere Anklage

Ein von der Staatsanwaltschaft untersuchter Fall rund um Diack betrifft Marathon-Läuferin Lilia Schobuchowa. Diese hatte Ende 2014 in der ARD-Reportage "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" erklärt, dass sie sich durch eine Zahlung von umgerechnet 450.000 Euro ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London erkauft hatte.

Zudem droht Diack in den Korruptionsermittlungen rund um die Vergabe der anstehenden WM an Doha/Katar eine Anklage. Im Kern geht es offenbar um zwei Zahlungen in einer Gesamthöhe von 3,5 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro) aus dem Jahr 2011, die an eine Sportvermarktungsfirma von Papa Massata Diack gegangen sein sollen. Damals bewarb sich Doha um die WM 2017, die letztlich an London vergeben wurde. 2014 erhielt die Hauptstadt Katars aber den Zuschlag für die WM 2019 (27. September bis 6. Oktober).

Papa Massata Diack, ehemaliger Marketingberater der IAAF, steht seit Dezember 2015 auf der Fahndungsliste von Interpol und soll sich in Dakar aufhalten. Die senegalesische Regierung weigert sich aber, ihn nach Frankreich auszuliefern.

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