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Malaika Mihambo holte bei der Leichtathletik-WM in Doha die Goldmedaille im Weitsprung
Malaika Mihambo holte bei der Leichtathletik-WM in Doha die Goldmedaille im Weitsprung © Getty Images
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München - Bei der Leichtathletik-WM 2019 holte Malaika Mihambo Gold im Weitsprung. Bei SPORT1 spricht sie über ihren Erfolg, Olympia 2020 und die Chance auf den Weltrekord.

Mit ihrem WM-Titel im Weitsprung hat Malaika Mihambo Anfang Oktober für einen der Höhepunkte aus deutscher Sicht gesorgt.

Die 25-Jährige hob mit ihrem Sprung auf 7,30 Meter in eine neue Dimension ab und deklassierte die Konkurrenz um Längen. Seit einem Monat bereitet sie sich nun auf die neue Saison vor, die möglichst mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gekrönt werden soll. Sie ist zudem am Sonntag eine heiße Kandidatin auf die Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres.

Bei SPORT1 spricht Mihambo über die Drucksituation in Doha, den Weltrekord und einen möglichen Doppelstart in Tokio.

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SPORT1: Vor zwei Monaten standen Sie strahlend auf dem Siegertreppchen in Doha und wurden in Deutschland gefeiert. Wie nehmen Sie die WM jetzt rückblickend wahr?

Malaika Mihambo: Für mich war das bisher der größte Erfolg meiner Karriere und deswegen wird das auch immer eine einzigartige Erfahrung bleiben. Der Wettkampf war nicht einfach. Gerade am Anfang lief es nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Aber es geht auch darum, wenn es mal nicht so gut läuft, das Beste daraus zu machen - und das ist mir gelungen.

SPORT1: Besonders bemerkenswert war ja, wie Sie mit der Situation vor dem dritten Sprung umgegangen sind, nachdem die ersten beiden Sprünge nicht für den Endkampf gereicht hätten. Hatten Sie nie das Gefühl, dass das schiefgehen könnte?

Mihambo: Ich wusste, dass der nächste Sprung entscheidend war. Ich habe gemerkt, dass ich sehr unruhig war und mein Atem schnell ging. Deswegen habe ich mich noch einmal hingesetzt, Atemübungen gemacht, meditiert und dadurch versucht, runterzukommen.

SPORT1: Können Sie sich noch genau an den dritten Sprung erinnern? Was lief in Ihnen ab?

Mihambo: Ich konnte den ganzen Druck ablegen und bin dann gesprungen. Dafür, dass die Situation sehr brenzlig war, ist mir das sehr gut gelungen. 

Verkürzte Olympia-Vorbereitung nach WM in Doha

SPORT1: Nach der WM haben sie ja sofort Ihre Sachen gepackt und sind in den Urlaub geflogen. War es für Sie wichtig, einfach einmal alles hinter sich zu lassen?

Mihambo: Für mich geht es elf Monate im Jahr nur um den Sport. Ich war sehr froh, dass ich vier Wochen lang mal mein Ding machen konnte und der Sport nur wenig oder gar keine Erwähnung gefunden hat. So war ich in der Zeit einfach nur eine Reisende. Sport ist zwar nicht alles, aber wenn man vier Wochen lang keinen Sport macht, lernt man wieder zu schätzen, was der Sport im Leben ausmacht.

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SPORT1: Wie sieht die Vorbereitung auf die neue Saison aus? 

Mihambo: Ich bin am 5. November gelandet und am 6. hatte ich das erste Training. Ich fühle mich sehr gut und habe jetzt schon ein ganz gutes Niveau. Zwar ist der Saisonaufbau verkürzt, aber das ist für alle so, die an der WM in Doha teilgenommen haben. Normalerweise ist man im Oktober schon am Aufbauen für die nächste Saison. Jetzt geht alles eineinhalb Monate später los, aber man hat auch viel, auf das man zurückgreifen kann.

SPORT1: Nehmen Sie die Hallensaison mit?

Mihambo: Ja, in der Halle wird man mich über 60 Meter und Weitsprung sehen.

Mihambo: "Tokio ist noch weit weg"

SPORT1: Im Juli finden dann die Olympischen Spiele in Tokio statt. Freuen Sie sich schon darauf?

Mihambo: Ja, aber das ist momentan noch weit weg für mich. Ich konzentriere mich immer auf das, was als nächstes ansteht. Und das ist in dem Fall das Aufbautraining. Ich versuche, meine Trainingseinheiten auf hoher Qualität zu gestalten. Selbst wenn ich an die wichtigsten Wettkämpfe denke, die jetzt kommen, kommt erst die Hallen-WM in Nanjing. Von daher ist Tokio noch weit weg.

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SPORT1: Haben Sie trotzdem schon Pläne, ob Sie auch die 100 Meter und in der Staffel laufen?

Mihambo: Der Zeitplan steht bereits fest. Es wird schwierig über die 100 Meter und Weitsprung an den Start zu gehen. Möglich wäre auch ein Start über die 200 Meter, aber das ist natürlich trainingsintensiver und da bin ich mir noch nicht im Klaren, wie Weitsprung und 200 Meter optimal ins Training passen. Deswegen ist das eventuell außen vor. Auf jeden Fall gibt es noch die Staffeloption. Da muss man aber schauen, was die deutsche Sprint-Elite macht und ob ich im Sommer zu den Top 4 bzw. Top 6 gehöre.

SPORT1: Nach dem überragenden Jahr 2019 gehen Sie erstmals als Gejagte in die Saison. Aber Sie scheinen mit dem Druck gut umgehen zu können, oder?

Mihambo: Sicher ist es schön, wenn man sich in so eine Position gebracht hat, aber letztendlich ist es wie immer. Ich muss mein Bestes geben, sonst brauche ich gar nicht erst zu schielen, was die Konkurrenz macht.

"20 cm sind Welten im Weitsprung"

SPORT1: Haben Sie schon Ziele im Kopf, was die Weite betrifft? Noch einmal verbessern zum Vorjahr?

Mihambo: Das wäre natürlich der Optimalfall. Letztendlich geht es für mich in erster Linie darum, das Niveau zu stabilisieren und anzuheben. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.

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SPORT1: Wenn man sich mal überlegt, 20 Zentimeter mehr als in Doha und Sie sind in Weltrekord-Nähe. Das klingt wie ein Ziel, was nicht komplett außer Reichweite ist. Haben Sie schon über den "perfekten Sprung" nachgedacht?

Mihambo: 20 Zentimeter sind Welten im Weitsprung. In den 2000ern haben es nur Brittney Reese mit 7,31 Meter und ich mit 7,30 Meter geschafft, auf so einem Niveau zu springen. 7,53 Meter sind daher kein Selbstläufer. Entscheidend ist aber, dass man sich so eine Weite zutraut. Gleichzeitig muss natürlich das physische Leistungsvermögen stimmen. In Doha bin ich acht Zentimeter vorm Brett abgesprungen. Das wären dann effektiv 7,38 Meter. Außerdem hatte ich leichten Gegenwind und die Temperaturen hätten auch wärmer sein können. Es gibt also schon noch ein paar äußere Faktoren, die sich positiv auf so einen Sprung auswirken können. Und natürlich versuche ich, durch mein Training noch besser dazustehen als letzte Saison.

Goldmedaille als Krönung einer tollen Saison

SPORT1: Am Ende des Jahres wird in Deutschland ja wieder der Sportler/die Sportlerin des Jahres gewählt. Haben Sie die Hoffnung, dass Sie ganz vorne landen könnten?

Mihambo: Ich habe über die ganze Saison mein Bestes gegeben und wurde in Doha mit einer tollen Weite und einer Goldmedaille belohnt. Mehr kann ich jetzt nicht tun, weil es nicht in meinem Wirkungskreis liegt. Es sind andere Leute, die das entscheiden. Ich freue mich, wenn es so kommt - aber wenn es nicht so ist, ist das auch in Ordnung.

SPORT1: Über eine Ihrer Teamkameraden, Konstanze Klosterhalfen, gibt es Diskussionen, nachdem sich ihr Projekt aufgelöst hat. Haben Sie dazu eine Meinung?

Mihambo: Ich kann dazu nichts sagen. Es wäre schön, wenn alle Athleten einen sauberen Sport betreiben würden. Man kann auch in einem gedopten Umfeld sauber sein und in einem Umfeld, in dem alle anderen clean sind, dopen. Das eine schließt das andere nicht aus. Von daher kann ich das nicht einschätzen.

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