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Doha - Karsten Warholm ist einer der Stars der Leichtathletik-WM – nicht zuletzt wegen seiner ungewöhnlichen Handlungen. Am Montag geht er auf Weltrekordjagd.

Am Montag steuert die Leichtathletik-WM auf ihren ersten Höhepunkt zu. Um 21.40 Uhr (MEZ) wird der Norweger Karsten Warholm über die 400 Meter Hürden versuchen, seinen WM-Titel von 2017 zu verteidigen (Leichtathletik-WM ab 15.30 Uhr im LIVETICKER).

Dabei hat er mit dem Katari Abderrahman Samba und US-Boy Rai Benjamin hochkarätige Konkurrenz. Alle drei Athleten sind schon unter 47 Sekunden gelaufen, die Grenze, die zuvor nur Weltrekordler Kevin Young vor 27 Jahren unterboten hatte. Nicht einmal Edwin Moses, der zwischen 1975 und 1987 sagenhafte 122-mal unbesiegt blieb, hatte die 47-Sekunden-Marke geknackt.

Von den drei aktuellen Überfliegern hat Warholm sogar das Potenzial, einer der kommenden Stars der gesamten Leichtathletik zu werden. Trotz seines jungen Alters von 23 Jahren ist er schon jetzt absolute Weltklasse. Und eine echte Rampensau – auf der Tartanbahn und außerhalb des Stadions.

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SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort
SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

Warholm: "Ich mag diesen Druck"

"Ich mag diesen Druck, der bei großen Rennen auf einem lastet. Das aktiviert erst die Energie, die ich brauche, um das Beste in mir hervorzubringen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Der Druck treibt mich in die Grenzbereiche, die ich noch nie erreicht habe."

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Nach seinem lockeren Vorlauf-Sieg am Samstag, bei dem er in 48,28 Sekunden die beste Zeit lief, obwohl er die letzten 50 Meter austrudeln ließ, plauderte er vor einem ganzen Pulk norwegischer Journalisten frei drauflos. "Ich bin zufrieden, wie ich die Aufgabe gelöst habe, weil ich nur minimale Energie verbraucht habe", sagte Warholm. Mittlerweile habe er gelernt, mit seinen Kräften zu haushalten – was vor zwei Jahren noch fast schiefgegangen wäre.

Damals, bei den Titelkämpfen von London, wäre er nach Raketenstart am Ende fast noch eingebrochen. "Ich bin jung, ich bin dumm, ich bin einfach drauflos gerannt", erklärte Warholm. Letztlich hatte sich seine Strategie aber als richtig erwiesen.

Vor zwei Jahren hatte den damals 21-Jährigen niemand auf der Rechnung, doch mittlerweile ist Warholm nicht nur in seiner Heimat ein echter Star. Kein Wunder: Auch abseits der roten Bahn ist der Norweger einer, der sich mit ungewöhnlichen Aktionen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit eingebrannt hat.

Warholm peilt Weltrekord an

So fesselte er bei einem Fotoshooting seinen Trainer Leif Olaf Alnes an einen Stuhl und triezte ihn mit einem Staubwedel. Er müsse das tun, um seinen Willen durchzusetzen, postete er auf seinen Social-Media-Kanälen.

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"Wir haben definitiv denselben Humor", sagt Warholm über seinen 50 Jahre älteren Coach. "Ich glaube schon, dass das dazu gehört, wenn du als Athlet für viele Jahre mit jemandem zusammenarbeitest. Da ist der Altersunterschied auch egal." 

Ungewöhnlich sind auch die Trainingsinhalte. "Wir üben, wie man eine Fliege bindet, wir spielen Tischtennis." Das sei förderlich für die Koordination, die man bei der Hürdenüberquerung brauche. "Und dann laufen wir wieder, machen Sprungübungen, Hürdentechnik, Gymnastik."

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Nun also soll in Doha die nächste Stufe auf dem Weg zum Superstar gezündet werden. "Ich mag es, wenn die Dinge schwer sind", sagt Warholm, der die 47,78 Sekunden von Kevin Young genau im Blick hat.

Mit einem Weltrekordlauf den WM-Titel holen – eine schwerere Aufgabe kann es nicht geben.

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