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München und Doha - Raphael Holzdeppe will bei der Leichtathletik-WM zurück aufs WM-Treppchen. Im SPORT1-Interview erklärt der Weltmeister von 2013, wie knifflig die Aufgabe ist.

Raphael Holzdeppe hat in seiner Karriere bereits einige Medaillen gesammelt. Als der Stabhochspringer im Alter von 23 Jahren 2013 in Moskau Weltmeister wurde, träumte man beim DLV von einem künftigen Olympiasieger. 

Vor vier Jahren endete jedoch die Erfolgsserie mit einer WM-Silbermedaille - anschließend blieben ihm internationale Meriten aus unterschiedlichen Gründen versagt.

In Doha will Holzdeppe beweisen, dass er immer noch zur absoluten Stabhochsprung-Elite gehört. Vor der Qualifikation am Samstag (Leichtathletik-WM ab 15.15 Uhr im LIVETICKER) hat SPORT1 mit dem heute 30-Jährigen über seine Chancen gesprochen.

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SPORT1: Herr Holzdeppe, am Samstag steht die Qualifikation für den Stabhochsprung-Wettkampf an. Stimmt der Formaufbau in den vergangenen Wochen?

Raphael Holzdeppe: Es hat alles so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Mit meiner Form bin ich sehr zufrieden.

SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort
SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

SPORT1: Wie sah der Plan bis Doha aus?

Holzdeppe: Nach dem Vorbereitungstrainingslager sind wir zwei Tage vor der Qualifikation im Stabhochsprung nach Doha angereist. In Belek waren es zwischen 30 und 33 Grad, das kam also ganz gut an die Temperaturen von Doha heran - sobald dort die Sonne untergegangen ist. Dort wurde nochmal die nötige Ruhe gefunden und der Fokus für die WM aufgebaut.

"Die Leistungsdichte hat extrem zugenommen"

SPORT1: Was trauen Sie sich bei der WM zu?

Holzdeppe: Ich möchte auf jeden Fall in die Top 5 kommen. Das dürfte beim jetzigen Niveau schon sehr schwer werden. Eine Medaille zu holen, wird natürlich unglaublich schwer, weil die Konkurrenz sehr stark ist. Sehr viele Springer haben noch einmal einen deutlichen Leistungssprung nach vorne gemacht. Ich bin mir sicher, dass ich bei der WM bei 100 Prozent sein werde. Wenn ein makelloser Wettkampf im Finale zustande kommt, dann ist tatsächlich auch etwas nach vorne Richtung Medaillen möglich. Aber mein primäres Ziel ist es, erst einmal unter die Top 5 zu kommen.

SPORT1: In jungen Jahren sind Sie schon Weltmeister geworden und haben eine olympische Medaille geholt. Kann man sagen, dass einige Verletzungen Sie ausgebremst haben, bislang noch mehr zu erreichen?

Holzdeppe: Mein Niveau war eigentlich immer gut gewesen. Einige Verletzungen oder die Materialprobleme 2017 haben dazu geführt, dass ich die Form, die ich bis zu den Meisterschaften hatte, nicht abrufen konnte und die Wettkämpfe definitiv nicht nach Plan gelaufen sind. Dafür bin ich jetzt umso glücklicher, dass der Formaufbau zur Weltmeisterschaft nach Plan gelaufen ist. Nach ein paar Jahren fahre ich endlich wieder mal topfit zu einer Weltmeisterschaft.

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SPORT1: Gab es aus Ihrer Sicht schon einmal solch eine unglaublich große Leistungsdichte auf dem Top-Niveau wie aktuell?

Holzdeppe: Definitiv nicht, zumindest seit ich Profi bin. Wenn ich früher in den 90er Jahren Fernsehen geschaut habe, dann gab es mit Sergej Bubka, anderen Athleten aus Russland oder der früheren UdSSR oder auch deutschen Springern schon einmal eine große Leistungsdichte. Dass es im Vorfeld einer Meisterschaft drei Athleten aus drei verschiedenen Nationen über sechs Meter springen, hatte ich persönlich noch nicht gesehen. Die Leistungsdichte hat extrem zugenommen, wenn man sich die letzten zehn Jahre anschaut.

"Ich finde, man braucht keine Klimaanlagen"

SPORT1: Bei der EM in Berlin war die Stabhochsprung-Konkurrenz einer der absoluten Höhepunkte. Glauben Sie, dass uns in Doha ein ähnliches Spektakel bevorsteht?

Holzdeppe: Das kann wieder passieren! Alle Athleten sind topfit und gut drauf. Ich kann mich erinnern, dass mir Renaud Lavillenie mit einem Grinsen im Gesicht in Monaco sagte, dass er nicht glaubte, so etwas wie in Berlin könne sich wiederholen. Beim dortigen Meeting in Monaco ließen aber schon der Athleten wieder die sechs Meter auflegen. So wie es aussieht, wird sich das etablieren, dass man so hochspringt.

SPORT1: Was trauen Sie Ihren beiden deutschen Mitstreitern in Doha zu?

Holzdeppe: Für Bo (Bo Kanda Lita Baehre, d.R.) und Thorben (Thorben Blech, d.R.) ist es die erste Weltmeisterschaft. Dementsprechend wird das Ziel für die beiden sein, das Finale zu erreichen. Da muss man auch erst einmal schauen, wie hoch die Qualifikationshöhe wird. Normalerweise liegt sie immer um 5,70 Meter herum. Dadurch, dass die Leistungsdichte so hoch ist, kann ich mir vorstellen, dass es noch etwas höher wird. Im besten Fall ziehen wir alle Drei geschlossen ins Finale ein und können den Jungs ein bisschen Paroli bieten.

SPORT1: Wie geht’s für Sie nach der WM weiter? Ist dann Olympia in Tokio das große Ziel?

Holzdeppe: Definitiv. Nach der WM ist erst einmal zweieinhalb bis drei Wochen Pause. Danach geht es direkt in die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Dafür habe ich eine ganz komfortable Ausgangsposition, genau wie Thorben Blech. Da wir die Olympia-Norm von 5,80 Meter schon gesprungen sind, müssen wir keiner Norm oder keinen Punkten hinterherrennen. Das macht die Olympia-Vorbereitung viel einfacher. Das gibt dem ganzen Training ein bisschen Ruhe, man kann alles auf Olympia ausrichten.

SPORT1: Was sagen Sie zum Austragungsort Doha?

Holzdeppe: Ich freue mich auf Doha. Das einzige ist, dass man eine Klimaanlage im Stadion eingebaut hat. Ich finde, dass wir eine Sommersportart sind, da braucht man keine Klimaanlagen. Ansonsten habe ich nichts gegen Doha, ich mag warme Orte mit heißem, trockenen Wetter. 

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