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Malaika Mihambo sichert sich bei der Leichtathletik-WM in Doha Gold im Weitsprung. Noch vor zwei Jahren stand die Karriere der Deutschen gewaltig auf der Kippe.

Malaika Mihambo hatte ihre Goldmedaille nicht mit im Gepäck, als sie mit dem Qatar-Airways-Flug 838 um 8.35 Uhr von Doha nach Bangkok flog.

Ihr neuer Schatz sei dann doch zu wertvoll, "ich will sie nicht verlieren", sagte die neue Weitsprung-Weltmeisterin, ehe sie als Backpackerin nach Thailand reiste. Abschalten. Tauchen. Das Land entdecken. "Ich habe jetzt vier Wochen frei, die will ich voll auskosten", sagte Mihambo. Gold nimmt die Mama mit nach Hause.

Ihren Trip nach Asien hatte sich Mihambo zuvor wahrlich mehr als verdient. Sie wollte Gold, sie holte Gold. Und wie. Mit einem Riesensatz auf 7,30 m ließ die 25-Jährige Maryna Bech-Romantschuk aus der Ukraine (6,92) und die Nigerianerin Ese Brume (6,91) wie Statistinnen aussehen. "Ein Traum geht in Erfüllung, ich bin super glücklich", sagte Mihambo.

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Karriere fast vor dem Ende

Dabei hatte es vor zwei Jahren wahrlich nicht danach ausgesehen, als ob ihr dieses Kunststück gelingen könnte. Nach einem Treppensturz hatte sie wegen einer Fußverletzung fast ihre Karriere beenden müssen. Der Verband entzog ihr damals die Förderung und beorderte sie in einen Perspektivkader. Ihre Antwort? Gold bei der Heim-EM 2018 in Berlin.

26 Jahre nach Heike Drechsler krönte sich Mihambo nun so ungefährdet zur zweiten deutschen Weitsprung-Weltmeisterin, dass sie sich vor dem letzten Versuch sogar ganz entspannt den Lippenstift nachziehen konnte. "Bei einer Frau kommt das schon mal vor, warum nicht?", sagte Mihambo, nachdem sie hinter Drechsler auf Platz zwei der "ewigen" deutschen Bestenliste geflogen war: "Das habe ich einfach so gemacht."

Nach ihrem dritten Versuch war ja schon alles klar, doch davor hatte Mihambo ganz schön zittern müssen. 

Mihambo nicht wie Drechsler

"Ich wusste, dass ich jetzt alles bringen muss", sagte Mihambo, die fürchtete, nach 6,52 m und einem ungültigen Versuch nicht den Endkampf der besten Acht zu erreichen. Dass ihr Dritter aber "dann so gut war - einfach unfassbar", sagte die Europameisterin, die den Titel vor einem Jahr in Berlin auch in der dritten Runde perfekt gemacht hatte.

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Nach dem Coup von Doha sieht Drechsler ihre Erbin vor einer glorreichen Zukunft stehen. "Sie wird mal eine ganz Große", sagte die 54-Jährige dem SID. Drechsler, Olympiasiegerin von 1992 und 2000, zeigte sich besonders beeindruckt von Mihambos mentaler Stärke: "Sie strahlt dieses Gewinnen-Wollen aus." Der WM-Titel sei "ein gutes Omen für Olympia".

Eine neue Drechsler sei Mihambo aber nicht. "Sie wird ihre eigene Geschichte schreiben", sagte Drechsler, die Mihambos Triumph in ihrer neuen Heimat Helsinki mit einer "Flasche Champagner" feierte.

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Nächstes Ziel Tokio

Mihambo bezeichnete es als "Ehre", nach Drechsler die zweite Weitsprung-Weltmeisterin aus Deutschland zu sein. Von Zeit zu Zeit gebe es Kontakt, "es ist wirklich schön, mit ihr zu reden". Und wenn Mihambo in Thailand ihre Batterien wieder aufgeladen hat, geht die Schinderei von vorne los - für die Jagd auf Drechslers Europarekord (7,48) aus dem Jahre 1988. Und Olympia in Tokio. 

Die 7,48 m seien "ein Ziel, das man dann auch mal im Kopf haben kann", sagte Mihambo und zeigte sich "zuversichtlich" auf ihre neue Bestmarke noch etwas draufpacken zu können. Und "nächstes Jahr noch einmal in so einer Form" nach Tokio zu reisen. Danach würde Mihambos Mutter sicher auch gerne wieder auf die Goldmedaille aufpassen. 

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