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Die deutsche Sprintstaffel der Frauen schlug sich achtbar
Die deutsche Sprintstaffel der Frauen schlug sich achtbar © Imago
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Die ersatzgeschwächten deutschen Sprinterinnen überzeugen im Finale. China patzt kurios beim Wechsel. Im Speerwerfen zieht Johannes Vetter souverän ins Finale ein.

Die vom Verletzungspech gebeutelten deutschen Sprinterinnen sind bei der Leichtathletik-WM in Doha an einer Medaille über 4x100 m vorbeigelaufen, haben sich mit Platz fünf aber teuer verkauft. Das DLV-Quartett um Vize-Europameisterin Gina Lückenkemper lag im Finale nach 42,48 Sekunden 38 Hundertstel hinter dem Bronzerang zurück.

"Der fünfte Platz ist voll in Ordnung. Schade, dass es nicht hat sein sollen mit der Medaille. Aber erstmal können wir zufrieden sein, da ist aber noch Potenzial drin. Wir mussten in letzter Minute umdisponieren, dafür war das eine gute Leistung. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Einzelsprinter bei Olympia im Finale haben werden", sagte Lückenkemper.

Jamaika holt Gold

Gold sicherte sich Jamaika mit 100-m-Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce in der Jahresweltbestzeit von 41,44 Sekunden vor Großbritannien mit 200-m-Siegerin Dina Asher-Smith (41,85). Dritter wurde Titelverteidiger USA (42,10), für den es das schlechteste Ergebnis seit Berlin 2009 (Vorlauf nicht beendet) war.

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Die DLV-Staffel hatte auch im Finale auf die deutsche Doppelmeisterin Tatjana Pinto (Knieverletzung) verzichten müssen, neben Lückenkemper kamen wie im Vorlauf Lisa-Marie Kwayie (beide Berlin), Yasmin Kwadwo (Leverkusen) und Jessica-Bianca Wessolly (Mannheim) zum Einsatz.

Stab-Panne bei Chinesinnen

Für eine kuriose Szene sorgten die Chinesinnen beim dritten und letzten Wechsel. Gleich mehrfach ging die Staffelübergabe schief. Obwohl sie schon zu dem Zeitpunkt aussichtslos abgeschlagen waren, lief ihre Schlussläuferin ins Ziel - nach 1:05,97 Minuten und damit über 24 Sekunden nach Sieger Jamaika. Dass sie noch eine Zeit gelaufen sind, hatte einen einfachen Grund: Wären sie nicht ins Ziel gekommen, hätten sie sich nicht für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert.

Der Stabwechsel zwischen Lingwei Kong (r.) und Manqi Ge lief komplett schief
Der Stabwechsel zwischen Lingwei Kong (r.) und Manqi Ge lief komplett schief © ARD

Vetter zieht ins Finale ein

Titelverteidiger Johannes Vetter ist indes souverän ins Speerwurf-Finale eingezogen. Der 26-Jährige erzielte bereits mit seinem ersten Wurf in der Qualifikation starke 89,35 m und blieb damit klar über den für die Medaillenentscheidung geforderten 84,00 m.

Auch Julian Weber erreichte mit nur einem Wurf und 84,29 m das Finale am Sonntag (Leichtathletik-WM LIVE im SPORT1-Liveticker).

An Vetters Niveau kam in der Vorausscheidung für das Finale (Sonntag, 18.55 Uhr MESZ) nur der estnische Jahresweltbeste Magnus Kirt (88,36) heran. Wie Vetter buchte auch Julian Weber (Mainz/84,29) in der ersten Qualifikations-Gruppe am Nachmittag mit nur einem Wurf das Ticket für die Medaillen-Entscheidung.

Röhler und Hofmann scheitern

In der zweiten Gruppe, die nach Einbruch der Dunkelheit warf, erlebten Olympiasieger Thomas Röhler und der deutsche Meister Andreas Hofmann ein Waterloo. Röhler, der in dieser Saison mit großen technischen Problemen zu kämpfen hat, kam in allen drei Versuchen überhaupt nicht zu recht, zwei Würfe machte er ungültig. Platz 23 wurde es letztlich in der Endabrechnung.

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Hofmann, der 20. wurde, übertraf im ersten Versuch noch die 80-Meter-Marke, doch danach lief auch beim Mannheimer rein gar nichts mehr zusammen. 

"Beim Einwerfen habe ich vier Würfe gemacht, die waren alle zwischen 84 und 88 Meter. Ich hoffe, ich kann die Ruhe auch für morgen behalten und noch ein bisschen was draufpacken", sagte Vetter hinterher. "Die 89 Meter dürften im Wettkampf für die Top drei reichen, aber es kann auch nur Platz vier werden. Ich konzentriere mich auf mich selbst."

Weber rückt nach - und wirft sich ins Finale

Weber, der erst durch den freiwilligen Rückzug des formschwachen Bernhard Seifert zur WM durfte, gab zu, aufgeregt gewesen zu sein. "Es war ein bisschen mehr Druck da durch die Nachnominierung, ich habe auch nicht so gut geschlafen. Deshalb bin ich jetzt umso glücklicher, dass ich die Chance bekommen habe", sagte der Nachrücker. Weber hatte seine Saison schon beendet und drei Wochen am Strand gelegen - dann kam der Anruf von Bundestrainer Boris Obergföll.

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"Es war nicht einfach, sich nochmal neu zu fokussieren. Ich habe dann direkt mit dem Training angefangen, darum bin ich nicht in der physischen Verfassung, in der ich sein könnte", sagte Weber auf SPORT1-Nachfrage. Zum Einzug ins WM-Finale reichte es dennoch souverän.

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