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Larry Nassar wurde im Januar zu einer hohen Haftstrafe verurteilt
Larry Nassar war fast drei Jahrzehnte und bei vier Olympischen Spielen für den US-Verband tätig © Getty Images
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Zahlreiche mutmaßliche Missbrauchsopfer sagen beim Prozess gegen den ehemaligen US-Kunstturnarzt Larry Nassar aus. Ihm droht eine noch längere Haftstrafe.

Hoch emotionalisiert und teilweise von Weinkrämpfen geschüttelt haben bei einer Gerichtsanhörung in Lansing/Michigan zahlreiche Opfer den wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten ehemaligen US-Kunstturnarzt Larry Nassar direkt bezichtigt. "Er hat mein Vertrauen missbraucht und mehr als hundertmal bedrängt und genötigt", sagte die frühere Turnerin Alexis Moore unter Tränen.

Vier mutmaßliche Opfer äußerten sich direkt im Gerichtssaal, weitere Aussagen wurden anhand von Videoaufzeichnungen protokolliert. Der 54-Jährige Nassar, in einen blauen Gefängnisdress gekleidet, vergrub mehrfach das Gesicht hinter seinen Händen und schluchzte bisweilen.

Bereits zu Wochenbeginn hatte auch die viermalige Olympiasiegerin Simone Biles als bislang prominentestes Opfer Nassar beschuldigt, sie über Jahre hinweg missbraucht zu haben. Die 20-Jährige war damit die vorerst letzte Athletin, die sich über die Praktiken des Mediziners äußerte. Ähnliche Aussagen hatten bereits die Topturnerinnen Gabby Douglas, Aly Raisman und McKayla Maroney getätigt.

Verband steht in der Kritik

Unter starkem Druck steht weiterhin der US-Verband. Maroney hat bereits eine Klage eingereicht. Die 22-Jährige soll vor einem Jahr von USA Gymnastics laut Medienberichten umgerechnet rund eine Million Dollar erhalten haben, damit sie über die Vorgänge um Nassar schweigt.

Nassar wurde bereits Anfang Dezember wegen Besitzes von kinderpornografischen Materials zu 60 Jahren Haft verurteilt. Schon in wenigen Tagen droht ihm bei einem weiteren Schuldspruch eine zusätzliche lebenslange Haftstrafe. Nahezu drei Jahrzehnte war Nassar für den US-Verband tätig, viermal gehörte er zum Olympiateam der USA.

Mittlerweile hat auch der Turn-Weltverband FIG auf den Skandal reagiert. Präsident Morinari Watanabe kündigte einen Unterstützungsfond für die Missbrauchsopfer an. "Die Sicherheit von Kindern und jungen Athleten ist in unserem Sport fundamental wichtig. Wir werden keinerlei sexuellen Missbrauch in der Gemeinschaft der Turner tolerieren", sagte der Japaner.

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