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Alfons Hörmann ist seit 2013 DOSB-Präsident
Alfons Hörmann ist seit 2013 DOSB-Präsident © Getty Images
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München - In der Dachorganisation des deutschen Sports deutet sich ein Beben an: Alfons Hörmann wird offenbar von seinem Kritiker Thomas Weikert herausgefordert.

Die Sportnation scheint vor einem heißen Herbst zu stehen.

Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) formiert sich Widerstand gegen Amtsinhaber Alfons Hörmann: Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF und ein Intimfeind Hörmanns, erwägt nach Informationen der Nachrichtenagentur SID eine Gegenkandidatur um den höchsten Posten in der Dachorganisation des deutschen Sports.

Vor allem in den mächtigen Spitzenverbänden formiert sich eine Opposition gegen den DOSB-Boss, der erst am Freitag seine Bereitschaft zur Wiederwahl angekündigt hat.

Damit könnte es beim Wahlkongress am 1. Dezember in Düsseldorf zu einer Zäsur kommen: Noch nie in der Geschichte des 2006 gegründeten Verbandes musste sich der Amtsinhaber einer Kampfabstimmung stellen.

Weikert sammelt Fürsprecher

Weikert prüft derzeit die Vereinbarkeit des höchsten Amts im DOSB mit dem in der ITTF. Dort ist der Rechtsanwalt aus Limburg an der Lahn bis 2021 gewählt, und der weltweit geachtete Präsident will seine Amtszeit auch beenden.

Thomas Weikert ist seit Mai 2017 Präsident der ITTF
Thomas Weikert ist seit Mai 2017 Präsident der ITTF © Getty Images

Nach SID-Informationen hat der 56-Jährige unter anderem bereits Fürsprecher in vielen der 65 Spitzenverbände, die noch vor den 16 Landessportbünden bei der Wahl in Düsseldorf die meisten Stimmen auf sich vereinen.

Beim Blick auf die große Schlammschlacht von 2016 erscheint es fast logisch, dass Thomas Weikert mal zum großen Herausforderer von Alfons Hörmann werden könnte. Vor zwei Jahren hatten die beiden mächtigen Sportfunktionäre wegen Unstimmigkeiten über das Amt des Vorsitzenden der DOSB-Trainerakademie, das Weikert damals innehatte und das Hörmann eilig seinem Sportvorstand Dirk Schimmelpfennig übertragen wollte, wochenlang öffentlich gestritten.

Autoritärer Führungsstil und fehlende Kritikfähigkeit

Weikert, der sich zur Zeit nicht öffentlich zur Sachlage äußern möchte, bezichtigte Hörmann damals der Lüge, warf ihm schlechten Stil vor und stellte dessen Eignung als DOSB-Präsident infrage - so hatte noch niemand Hörmann die Stirn geboten. Der Streit endete kurz vor Weihnachten 2016 im Burgfrieden, nachdem Hörmann "bedauerliche Verfahrensfehler" eingeräumt hatte.

Auch die Mitglieder der Sprechergruppe der Spitzenverbände distanzierten sich damals vorübergehend von Hörmann. Viele von ihnen gehören noch heute zu Hörmanns Kritikern, darunter auch Clemens Prokop. Der langjährige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hat ebenfalls eine Kandidatur gegen Hörmann erwogen, diese aus persönlichen und beruflichen Gründen aber verworfen. "In vielen Fachverbänden wird Hörmann sehr kritisch gesehen. Dem Sport würde ein neuer Präsident sehr guttun", sagte Prokop am Samstag.

Auch Clemens Prokop ist ein Kritiker Alfons Hörmanns
Auch Clemens Prokop ist ein Kritiker Alfons Hörmanns © Getty Images

Es gärt in den Spitzenverbänden. Vor allem von dort wurden Hörmann während seiner Amtszeit immer wieder ein autoritärer Führungsstil und fehlende Kritikfähigkeit vorgeworfen.

Seit 2013 DOSB-Präsident

Hörmann, bis dahin Chef des Deutschen Skiverbandes, hatte 2013 die Nachfolge des DOSB-Gründungspräsidenten Thomas Bach angetreten, nachdem dieser zum IOC-Präsidenten gewählt worden war. Hörmann (58) gab am Freitag nach langem Zögern bekannt, dass er sich erneut zur Wahl stellen werde.

Zuvor hatte die Konferenz der Landessportbünde in Oberhaching ein einstimmiges Votum für Hörmanns Kandidatur abgegeben, das für die Wahl aber nicht bindend ist. LSB-Sprecher Andreas Silbersack (Sachsen-Anhalt), ein Vertrauter Hörmanns, will sich am 1. Dezember ins Amt des DOSB-Vize für Breitensport wählen lassen. Mit Blick auf Hörmanns erneute Kandidatur sprach er von einem "guten Tag für Sportdeutschland".

Aus den Spitzenverbänden kommen wesentlich reserviertere Töne. "Mir ist bekannt, dass einige überlegen, sich zur Wahl zu stellen, auch, weil bis Freitag ja unklar war, ob Hörmann überhaupt noch mal kandidieren würde", sagte Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruder-Verbandes und Sprecher der Spitzenverbände: "Inwiefern die Überlegungen einer Kandidatur nun weiterhin bestehen, werden wir möglicherweise am Dienstag sehen."

Spitzensportreform macht Probleme

Dann findet im "Haus des Sports", Hörmanns Amtssitz in Frankfurt/Main, eine Konferenz der Spitzenverbände statt.

Zentraler Bestandteil eines möglichen Wahlkampfes würde die Spitzensportreform sein, die nicht zuletzt wegen endloser Streitereien zwischen Hörmann und leitenden Beamten des Innenministeriums ins Stocken geraten ist.

Ein Punkt, den auch die Athleten Hörmann anlasten. "Alfons Hörmann hat sich verantwortlich erklärt für den Erfolg der Spitzensportreform. Wir Athleten ziehen nach vier Jahren das Resümee, dass sich für uns nichts zum Positiven verändert hat", sagte Athletensprecherin Silke Kassner der ARD und fügte mit Blick auf die Wahl im Dezember hinzu: "Wir freuen uns, wenn wir demokratische Wahlen haben im Sport - mit Alternativen."

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