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Schach: Vincent Keymer mit 14 Jahren als Hoffnungsträger - Lob von Carlsen

Schach: Wunderkind weckt Hoffnung

Vincent Keymer gilt als deutsches Wunderkind im Schach. Weltmeister Magnus Carlsen lobt den 14-Jährigen in den höchsten Tönen, der bald Großmeister wird.
Mit 14 schon im Teilnehmerfeld der Weltklasse: Vincent Keymer
Mit 14 schon im Teilnehmerfeld der Weltklasse: Vincent Keymer
© dpa Picture Aliance
Sportinformationsdienst
Vincent Keymer gilt als deutsches Wunderkind im Schach. Weltmeister Magnus Carlsen lobt den 14-Jährigen in den höchsten Tönen, der bald Großmeister wird.

Weltmeister Magnus Carlsen war voll des Lobes. Nach einer epischen Schlacht von sechs Stunden und 45 Minuten äußerte sich der Schach-König mit größtem Respekt über seinen jungen Gegner Vincent Keymer.

"Es war hart, er ist offenbar ein guter Spieler", sagte Carlsen über den erst 14 Jahre alten Keymer, der derzeit in Deutschland Hoffnungen auf einen Schachboom weckt.

Am Ende gewann Weltmeister Carlsen die Partie und auch die Grenke Chess Classics in Karlsruhe und Baden-Baden, ein hochklassig besetztes Turnier, an dem neben dem Superstar aus Norwegen auch so Größen wie Vize-Weltmeister Fabiano Caruana oder Ex-Weltmeister Viswanathan Anand teilnahmen. Keymer belegte mit einem Sieg aus zehn Spielen zwar nur den zehnten und letzten Platz, sammelte aber jede Menge wichtige Erfahrungen.

"Ich bin nicht enttäuscht"

"Ich bin nicht enttäuscht", meinte der Teenager in fließendem Englisch. "Das Turnier hat mir gezeigt, dass ich eine Chance gegen sie habe, wenn sie nicht ihr bestes Schach spielen. Das ist auch sehr positiv." Das erste Spiel gegen Carlsen sei gleich die wichtigste Partie des Turniers gewesen, "es dauerte am längsten und kostete die meiste Energie", berichtete Keymer.

Schon mit fünf Jahren war Keymer vom königlichen Brettspiel fasziniert. Die Eltern förderten sein Talent, er trat im Juniorenbereich bei Welt- und Europameisterschaften an. Seit zwei Jahren spielt er in der Bundesliga für die SF Deizisau und ist der bisher jüngste deutsche internationale Meister. Seine Krönung zum Großmeister steht kurz bevor. Ex-Weltmeister Garry Kasparow traute dem gebürtigen Mainzer bereits 2016 den Sprung in die Weltspitze zu.

"Unglaublich stolz auf ihn"

Wie fast alle Vertreter seiner Zunft tritt Keymer eher besonnen und zurückhaltend auf, mag keine vorschnellen Schlüsse und will auch seine jüngsten Spiele gegen die Weltelite noch einmal in Ruhe mit seinem prominenten Trainer analysieren. Dabei handelt es sich um Peter Leko, der Ungar ist ebenfalls ein ehemaliger Top-Ten-Spieler. "Das war eine Riesenerfahrung", sagte Leko der ARD nach dem Turnier, "Ich bin unglaublich stolz auf ihn."

Für die deutsche Schachszene kommt so ein Wunderkind wie Keymer genau richtig. Eigentlich ist alles für einen Popularitätsschub vorbereitet. Die Bundesliga gilt als stärkste Liga der Welt, über 90.000 Mitglieder sind in 2500 Vereinen organisiert. Alles, was noch fehlt, um einen ähnlichen Boom wie in Norwegen auszulösen, ist ein absoluter Top-Spieler.

Keymer als deutscher Carlsen?

"Es ist natürlich unser Ziel, einen deutschen Magnus Carlsen hervorzubringen", sagte Marcus Fenner, Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes, zur letzten WM im November. Doch Fenner ist auch voller Zuversicht: "Wir haben da einen. Er ist ein großer Hoffnungsträger", sagt der Verbandsvertreter und meinte natürlich Keymer.

Keymer selbst behält die Ruhe. Die Aussicht, ob er einmal in die Fußstapfen von Robert Hübner tritt, den letzten deutschen Top-Spieler aus den 1980-er Jahren, oder gar Nachfolger des letzten deutschen Weltmeisters Emanuel Lasker wird, der den Titel vor fast 100 Jahren gewann, lässt den Blondschopf zum Glück eher kalt. Nach den Grenke Chess Classics ließ es Keymer erstmal etwas ruhiger angehen. Er verordnete sich selbst eine Schachpause, und auch zur Schule geht es erst wieder am Donnerstag.