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Während der Krise kann deutlich weniger getestet werden
Während der Krise kann deutlich weniger getestet werden © Getty Images
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Während der Coronakrise werden deutlich weniger Dopingtests durchgeführt - das öffnet die Türen für zahlreiche Vergehen.

Die Coronakrise hat zu einem dramatischen Rückgang der Trainingskontrollen im Weltsport geführt.

Zu diesem von zahlreichen sauberen Athleten oder Funktionären lange befürchteten Schluss kommt eine Recherche des norwegischen Rundfunks NRK.

Der Internationale Skiverband (FIS) verzeichnete zwischen März und Mai eigenen Angaben zufolge einen Einbruch um fast 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damals seien in den neun FIS-Sportarten 299 Tests außerhalb von Wettbewerben vorgenommen worden, diesmal nur 38.

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Im Biathlon sank die Zahl laut Weltverband IBU von 515 im Jahr 2019 auf jetzt noch 146, die Leichtathletik testete ihre Athleten immerhin noch 303-mal (Vorjahr: 723). Die NRK-Anfragen bei den Weltverbänden im Radsport (UCI) und Handball (IHF) blieben unbeantwortet.

Besonders alarmierend: Auch in den besonders Doping-anfälligen Ausdauersportarten wird aktuell nur lückenhaft getestet. Langlauf-Königin Therese Johaug, die nach ihrer Lippencreme-Affäre bereits eine Dopingsperre abzusitzen hatte, gab an, noch nicht kontrolliert worden zu sein.

Jetzt dopen, später profitieren

"Es ist klar, dass es nicht gut ist, dass die Zahlen so niedrig sind", sagte sie: "Wir können nur hoffen, dass das System bald wieder in Gang kommt."

Anders Solheim, Chef der norwegischen Anti-Doping-Agentur (ADNO), sieht dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. 

"Es ist eine Herausforderung und ein Problem für die Glaubwürdigkeit des Weltsports. Das bereitet mir Sorgen", sagte er. Solheim betonte, dass viele Dopingmittel trotz nur kurzer Nachweisbarkeit lang anhaltende Wirkung hätten. Das bedeutet: Wer in der Corona-Pause dopt, hat davon auch Monate später im Wettkampf noch was.

Der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) ist das Problem bekannt.

Sie will vorangehen, der online durchgeführte Dried-Blood-Spot-Test (DBS) soll auch in Corona-Zeiten "ein Beitrag zum sauberen Sport" sein. Allerdings ist dieser Test freiwillig - und eine positive Probe kann nicht sanktioniert werden.

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