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München - Nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd ist die Rassismus-Debatte neu entfacht. Wie sieht die Situation im amerikanischen Motorsport aus?

Mit seinem Instagram-Post zur Diskriminierung von Minderheiten hat Lewis Hamilton auch im Motorsport eine Debatte über Rassismus ausgelöst.

Eine Diskussion, die schon kürzlich an Fahrt aufgenommen hatte, als NASCAR-Pilot Kyle Larson (27) seinen Renningenieur während eines virtuellen NASCAR-Rennens mit "Hey Nigger" ansprach. Der US-Amerikaner ist von seinem Team Ganassi umgehend gefeuert worden.

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Doch einmal in Gang, lässt sich die Debatte nicht stoppen. Inzwischen hat sich auch Darrell "Bubba" Wallace zu Wort gemeldet, der einzige dunkelhäutige NASCAR-Pilot im Feld. Er schlägt in dieselbe Kerbe wie Hamilton – und das in den USA, wo Rassismus im täglichen Leben eine noch größere Rolle spielt als in Europa.

Wallace und Larson haben sich ausgesprochen

Wallace: "Kyle hat etwas Falsches gesagt. Gleichgültig, ob öffentlich oder privat, so etwas verletzt mich. Ich hatte mit ihm bereits ein klärendes Gespräch." Larson kommt die verbale Entgleisung teuer zu stehen: Sponsoren und Hersteller haben sich von ihm getrennt, die NASCAR den Kalifornier bis auf weiteres gesperrt.

Die Reaktionen der NASCAR sind heftig, aber wichtig. Die beliebteste US-Rennserie will und muss sich klar von rassistischen Tendenzen distanzieren. Weil sie diesbezüglich keine ruhmreiche Vergangenheit hat.

Das zeigt die Geschichte von Wendell Scott, einem Afro-Amerikaner, der von 1961 bis 1973 insgesamt 495 Rennen in der NASCAR-Topliga bestritt. Schon das war damals eine Sensation: "Vor allem in kleineren Ligen wurde ich manchmal gar nicht zugelassen. Sie sagten mir, dass ich nicht fahren dürfe, aber gern mein selbst aufgebautes Auto einem weißen Jungen überlassen dürfe. Mir kamen die Tränen", erzählte er einst.

Scott durfte Sieg nicht feiern

In Jacksonville 1964 wuchs Scott über sich hinaus: Er überholte 20 Runden vor Rennende den bis heute erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten: King Richard Petty. Mit zwei Runden Vorsprung überquerte Scott die Ziellinie, der Siegerpokal aber wurde dem zweitplatzierten Buck Barker überreicht. Ein dunkelhäutiger NASCAR-Sieger – das sahen die Statuten damals nicht vor.

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Scott erinnerte sich: "Jeder da draußen hat gesehen, dass ich das Rennen gewonnen habe. Aber die Veranstalter wollten nicht sehen, dass ich bei der Siegerehrung schöne Frauen küsse oder den Pokal entgegennehmen würde."

Es dauerte zwei Jahre, bis die NASCAR das Ergebnis korrigierte und Wendell Scott zum Sieger erklärte. Allein: Den Siegerpokal bekam die Familie 2010 erst 20 Jahre nach dem Tod von Wendell Scott ausgehändigt.

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NASCAR will Minderheiten fördern

Wendell Scott, der an seinen Autos auch selbst als Mechaniker Hand anlegte und als freundlicher und sozialer Charakter im Fahrerlager galt, war einer von bis heute nur acht dunkelhäutigen NASCAR-Fahrern.

Ein anderer war Willy T. Ribbs, der 1986 auch der erste Afro-Amerikaner war, der einen Formel-1-Test absolvierte (für Brabham in Estoril) und der 1990 als erster Afro-Amerikaner in die IndyCar kam, in einem vom Comedian Bill Cosby mitfinanzierten Auto. 1991 gab Ribbs sogar sein Indy-500-Debüt.

Heute will die NASCAR Minderheiten im Fahrerlager fördern. Dafür wurde eigens ein "Drive for Diversity"-Programm gestartet, in dessen Genuss übrigens auch Kyle Larson kam. Seine Mutter hat japanische Wurzeln.

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