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Echte Kiesbetten und Mauern: Auch 2002 musste in Zolder das Safety-Car eingreifen
Echte Kiesbetten und Mauern: Auch 2002 musste in Zolder das Safety-Car eingreifen © LAT
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Die DTM kehrt dieses Wochenende nach 17 Jahren an ihre Geburtsstätte Zolder zurück: Warum die Teams vor dem "Old-School-Kurs" zittern und Schäden drohen

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Die DTM kehrt dieses Wochenende nach 17 Jahren Pause an ihre Geburtsstätte Zolder zurück: Auf dem legendären Kurs in Belgien fand 1984 sogar das erste DTM-Rennen der Geschichte statt. Seitdem hat sich viel geändert, aber der Kurs östlich von Brüssel, der durch den tödlichen Unfall von Gilles Villeneuve im Jahr 1982 traurige Berühmtheit erlangte, hat seinen Old-School-Charakter bewahrt.

Und das macht es für Teams und Fahrer alles andere als einfach. "Die Strecke hat ihre Tücken", sagt der niederländische Audi-Pilot Robin Frijns, der nur 20 Autominuten entfernt von Zolder in Lanaken lebt und das Belgien-Gastspiel als eines von zwei Heimrennen betrachtet. "Für mich ist Zolder so etwas wie eine kleine Nordschleife. Ein kleiner Fehler, und du bist raus. Auslaufzonen gibt es nicht."

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Der belgische WRT-Audi-Teamchef Vincent Vosse - ebenfalls ein Kenner des Kurses - pflichtet ihm im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' bei: "In Hockenheim haben wir gesehen, dass Autos mit kalten Reifen aus der Box fuhren und von der Strecke abkamen oder eine weite Linie gefahren sind. In Zolder wird das sofort bestraft. Das ist wie auf dem Nürburgring: Rechts und links der Strecke stehen Mauern. Das wird für die Fahrer keine einfache Strecke."

Überholen als Herkulesaufgabe

Zumal es auf dem Kurs kaum Überholmöglichkeiten gibt. "Die besten Stellen sind vor der ersten Kurve oder der Schikane vor der Start-Ziel-Geraden, aber das Überholen wird schwieriger als in Hockenheim", verrät Frijns. Das hat auch damit zu tun, dass die Strecke nur acht bis zehn Meter breit ist - der Hockenheimring, auf dem vor zwei Wochen gefahren wurde, ist hingegen selbst an seiner schmalsten Stelle 15 Meter breit.

Kein Wunder, dass sich die Vorfreude bei Neueinsteiger Aston Martin in Grenzen hält: Der neue Vantage bewies nicht nur bei den Tests auf dem Lausitzring, sondern auch beim Saisonauftakt in Hockenheim, dass seine Stärken im Longrun liegen, während man im Qualifying am Ende des Feldes rangiert.

"Grundsätzlich ist Zolder eine Strecke, auf der man sehr schwer überholen kann", bestätigt R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelger, der den für viele unbekannten Kurs aus der Blancpain-Serie kennt. "Wenn man hinten startet, ist es daher auch entsprechend schwierig, nach vorne zu kommen, auch wenn man dazu vom Auto her in der Lage wäre."

Hohe Randsteine: Aston Martin befürchtet Schäden

Doch das ist nicht seine einzige Sorge: "Zolder ist eine alte Rennstrecke mit hohen Curbs und mit einem hohen Potenzial, die Autos zu beschädigen. Das ist auch für den Fan nicht gut und macht die Rennen auch nicht spektakulär", hält er den Kurs im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' für nur bedingt DTM-tauglich.

"Ich weiß daher nicht, ob Zolder eine Rennstrecke ist, die uns allen in der DTM behagt. Es ist einfach eine Strecke im Kalender, die wir alle zu bedienen haben. Wir sollten uns darauf fokussieren, spannende Rennstrecken auszuwählen."

Wird Zolder also langweilig? "Wenn ich in Führung liege schon", grinst Audi-Pilot Frijns, der in der Meisterschaft hinter BMW-Pilot Marco Wittmann auf Platz zwei liegt. "Ich kenne die Strecke sehr gut."

Warum die Randsteine 2019 in der DTM eine größere Gefahr sind

Das könnte sich auszahlen, denn durch die hohen Randsteine lauern auf dem Kurs, den keiner der aktuellen Fahrer je mit einem DTM-Auto befuhr, einige Fallen. Und schon in Hockenheim schied Audi-Pilot Mike Rockenfeller im zweiten Rennen aus, weil sein Bolide einen folgenschweren Stoß erhielt.

"Mikes Auto hat irgendwo aufgesetzt, wodurch Rohre zerdrückt wurden", erklärt Audis Sportchef Dieter Gass im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Dadurch ist am Ende das Öl ausgelaufen". Er führt das darauf zurück, dass die Installation des Motors "in diesem Bereich ganz anders ist als im Vorjahr und wir noch nicht so aggressiv über Curbs gefahren sind." Beim Überfahren der Randsteine ist in Zolder also Vorsicht oberstes Gebot.

Was sonst noch wichtig sein wird? Aufgrund der Streckencharakteristik erwartet Audi-Sportchef Gass beim in Zolder eine "extreme Belastung für die Bremsen". Gleich an vier Stellen müssen die über 610 PS starken Boliden aus hoher Geschwindigkeit heruntergebremst werden.

Kommt am Sonntag auch noch der Regen?

"Die erste, die zweite und auch die letzte Schikane sind ziemliche Bremspunkte, bei denen die Bremse sehr gefordert wird", erklärt BMW-Pilot Timo Glock, der noch nie in Zolder gefahren ist, sich aber im Simulator bereits eingeschossen hat. "Man muss versuchen, die Bremse zwischen den Schikanen abzukühlen. Und da die Geraden nicht mega-lang sind, wird das schon ein Thema sein."

Der Blick auf den Wetterbericht lässt Glock aber etwas durchatmen: "Da es glaube ich nicht extrem warm wird, sollte das schon halbwegs gehen, denke ich mal." Die Temperaturen sollten sich in Zolder am Samstag und am Sonntag laut Prognose zwischen 10 und 20 Grad bewegen, vor allem für den Sonntag sind aber Gewitter angesagt, was das Wochenende noch unberechenbarer macht.

Man darf also gespannt sein, ob ein Pilot das Wagnis eingeht und schon am Samstag auf eine Zweistoppstrategie setzt, weil er damit rechnet, am Sonntag ohnehin nicht alle Slick-Reifensätze zu benötigen. Denn auch die Reifen werden in Zolder stark belastet.

"Und wir haben ja schon in Hockenheim gesehen, wie schwierig sich der Reifen verhält", schließt Aston-Martin-Teamchef Kamelger eine Zweistoppstrategie trotz der wenigen Überholmöglichkeiten nicht aus.

© Motorsport-Total.com

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