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Bei den Audi-Piloten funktionierte der Monitor der Rückfahrkamera
Bei den Audi-Piloten funktionierte der Monitor der Rückfahrkamera © DTM
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Die neue DTM-Rückfahrkamera erlebt in Hockenheim einen Pannenstart: Warum die Monitore bei BMW nicht einmal im Auto waren und wie das Problem gelöst wird.

Eigentlich wurden die Rückfahrkamera als große Neuigkeit in der DTM angekündigt, doch beim Saisonauftakt in Hockenheim leuchteten nur bei Audi die Bildschirme, die im Aston Martin abgeschaltet waren, während sie bei BMW komplett fehlten.

"Durch die Vibrationen funktioniert der Monitor nicht lange", erklärt BMW-Pilot Timo Glock. "Es gibt ja viele Dinge, die immer wieder kaputt gehen, weil die Vibrationen durch den Motor jetzt einfach sehr hoch sind."

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Und auch Aston-Martin-Rookie Ferdinand Habsburg bestätigt, dass er nicht in den Genuss des Hilfsmittels kam, das als Ersatz für den Mittelspiegel gedacht war, da die neue Feuerwand den Blick nach hinten seit Saisonbeginn versperrt.

Warum die Monitore bei Audi den Vibrationen standhielten

"Ich habe mich fast wie Daniel Ricciardo in Baku gefühlt", spielt der Österreicher auf den Unfall des Formel-1-Piloten an, der im Rückwärtsgang auf Daniil Kwjats Toro Rosso auffuhr. "Du hast immer noch die Seitenspiegel, aber da sieht man nicht so viel." Bei Audi-Pilot Rene Rast gab es hingegen nur leichte Störungen: "Wegen der Vibrationen flackert es so ein bisschen hier und da, aber das hat mich nicht groß gestört."

Aber warum funktionierte das Einheitsbauteil im Audi, während der Monitor bei den anderen zwei Herstellern nicht einmal einsatzfähig war? Verursacht der RS 5 weniger Vibrationen als der M4 oder der Vantage?

Die Antwort ist nein. Die Ursache für die Probleme bei BMW und Aston Martin findet sich laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' in der Halterung des Monitors. Während Audi auf eine Gummi-gelagerte Befestigung setzt, die die Vibrationen abfängt, ist das bei den Rivalen nicht der Fall. Durch die starre Karbonverbindung bekommt der Monitor alle Erschütterungen und Vibrationen ab.

Audi und Aston Martin müssen nachbessern

Das führte sogar dazu, dass die Geräte kaputtgingen und irgendwann keine funktionsfähigen Monitore mehr in Hockenheim verfügbar waren. "Soweit ich weiß, gab es einen Lieferengpass", wirft BMW-Pilot Philipp Eng ein.

Schon am kommenden Wochenende in Zolder sollen die Probleme aber ausgeräumt sein. Das liegt daran, dass BMW und R-Motorsport die Befestigung bis zum Belgien-Wochenende optimieren. Außerdem wurden bereits neue Monitore angefordert, damit auch die BMW-Boliden wieder ausgestattet werden können.

Kein Monitor im Auto: Warum BMW keinen Gewichtsvorteil hat

"Ist das überhaupt legal, wenn kein Monitor drin ist?", scherzt Audi-Pilot Rast in Richtung BMW. "Das sind doch 800 Gramm weniger. Die kann man dann irgendwo anders platzieren." Keine Sorge, Rene! Die Angst des Vizemeisters, dass man ohne Monitor einen kleinen Vorteil bei der Gewichtsverteilung haben könnte, sind unberechtigt.

Das liegt daran, dass bei den BMW-Piloten in Hockenheim ein Zusatzgewicht in einer Box rechts auf der Fahrerseite verschraubt wurde, in der normalerweise die Kamera-Gewichte angebracht werden.

Ausgleichsgewichte als Lösung

Zur Erklärung: Pro Hersteller werden in der Regel nur zwei Boliden mit den rund vier Kilogramm schweren Onboard-Kameras ausgestattet. Damit die anderen Fahrer keinen Vorteil haben, wird der Gewichtsunterschied über Ballastgewichte ausgeglichen, die in einem eigens dafür vorgesehenen Kasten eingelagert werden.

Die Hersteller hatten sich darauf geeinigt, auch den Gewichtsunterschied bei den Monitoren auf diese Weise zu lösen. Die Kamera selbst, die unter der Heckscheibe befestigt ist, war übrigens auch in den Boliden an Bord, bei denen das Display nicht funktionierte.

Sehtest wie beim Augenarzt: Kein Sicherheitsrisiko für Piloten

Aber ist es eigentlich ein Sicherheitsrisiko, wenn die Piloten auf den Monitor verzichten müssen? "Mit den kleinen Rückspiegeln kannst du die Autos fast nichts auseinanderhalten", klagt BMW-Pilot Eng. Um eine Gefahr ausschließen zu können, wird von den Regelhütern jedes Jahr vor dem Saisonauftakt ein spezieller Test durchgeführt.

Dabei muss der im Auto sitzende Fahrer über den Rückspiegel wie beim Augenarzt Zahlen von einer Tafel vorlesen, die von einer hinter dem Auto stehenden Person gehalten wird. Das soll verhindern, dass die Hersteller die Spiegel aus aerodynamischen Gründen zweckentfremden. Wer den Test nicht besteht, darf nicht in der DTM an den Start gehen.

Rast stellt abschließend klar, dass auch der neue Monitor keine perfekte Sicht nach hinten ermöglicht. "Man sieht schon, dass irgendwas näher kommt, aber nicht, wer oder was das genau ist", sagt der Hockenheim-Sieger. Und DTM-Leader Marco Wittmann lässt die Sache ohnehin kalt: "Ich brauche keine Rückfahrkamera, denn ich habe ja meine Außenspiegel."

© Motorsport-Total.com

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