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Wer hätte das gedacht: Marco Wittmann siegt in Misano von ganz hinten
Wer hätte das gedacht: Marco Wittmann siegt in Misano von ganz hinten © LAT
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Mit einer riskanten Strategie und überragendem Reifenmanagement fährt Marco Wittmann im Samstagsrennen der DTM in Misano von Startplatz 18 aus zum Sieg

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Von letzten Startplatz zum Sieg: Dieses Meisterstück ist Marco Wittmann (RMG-BMW) am Samstag beim ersten Rennen der DTM in Misano geglückt. Nachdem er im Qualifying keine gezeitete Runde fahren konnte, fuhr Wittmann dank einer mutigen Boxenstopp-Strategie, mit ein wenig Rennglück und nach einem überragenden Reifenmanagement zum zweiten Saisonsieg.

Nach 39 Runden hatte Wittmann im Ziel 8,238 Sekunden Vorsprung vor Polesetter Rene Rast (Rosberg-Audi). Dritter wurde Loic Duval (Phoenix-Audi) vor Bruno Spengler (RMG-BMW) und Nico Müller (Abt-Audi). Mike Rockenfeller (Phoenix-Audi), Philipp Eng (RMR-BMW), Jonathan Aberdein (WRT-Audi), Sheldon van der Linde (RBM-BMW) und Timo Glock (RMR-BMW) komplettierten die Top 10.

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Zu Beginn des Rennens hätten wohl nur die wenigsten auf einen Sieg von Wittmann getippt. Wegen eines Defekts an der Airbox war er im Qualifying ohne Zeit geblieben und musste vom letzten Startplatz ins Rennen gehen. Und von dort setzten Wittmann und sein Team alles auf eine Karte.

Wittmanns Boxenstopp-Poker geht auf

Schon nach der ersten Runde absolvierte der zweimalige DTM-Champion seinen Pflichtboxenstopp. "Wir wussten, von hinten mussten wir Risiko gehen und aufs Safety-Car hoffen" sagt Wittmann in 'Sat.1'. Und diese Hoffnung wurde in Runde 4 erfüllt, denn nachdem das Auto von Vorjahressieger Joel Eriksson (RBM-BMW) ausgerollt war, wurde das Feld neutralisiert.

Zu diesem Zeitpunkt lag Rast souverän in Führung, der von der Pole-Position aus den Start gewonnen hatte, während Wittmann nach dem Restart am Ende des Feldes in Scharmützel mit Gaststarter Andrea Dovizioso (WRT-Audi) verwickelt war. Doch als seine Konkurrenten ab Runde 10 zum Reifenwechsel an die Box kamen, rückte Wittmann Platz um Platz nach vorne.

Nachdem in Runde 16 auch Rast und Duval ihre Boxenstopps absolviert hatten, lag Wittmann mehr als eine halbe Minute vor den beiden Audi-Piloten. Die Frage war nun: Würden seine Reifen fast die komplette Renndistanz durchhalten?

38 Runden auf einem Reifensatz

Bei Asphalttemperaturen von bis zu 49 Grad Celsius eine berechtigte Frage. Bei Aston-Martin-Pilot Ferdinand von Habsburg, der zusammen mit Wittmann schon nach Runde 1 gestoppt hatte und dadurch zwischenzeitlich bis auf Rang zwei nach vorne gespült worden war, brachen die Hankook-Penus in der Schlussphase des Rennens ein, wodurch er bis auf Rang 14 zurückfiel.

Wittmann hingegen stabilisierte seine Rundenzeiten lange im Bereich von 1:30 Minuten, wodurch Rast pro Runde teils nur wenige Zehntel aufholen konnte. Erst in den letzten Runden stiegen Wittmanns Zeiten deutlich an, doch das kam für Verfolger Rast zu spät.

"Es war natürlich brutal schwer die Reifen zu managen über die ganze Distanz", sagt Wittmann nach seinem 13. DTM-Sieg. "Ich habe am Ende nur noch gehofft, dass das Auto durchhält, die Reifen durchhalten. Ziemlich geil von ganz hinten auf eins."

Rast hadert mit der Safety-Car-Phase

Rast hingegen war mit Platz zwei nicht ganz zufrieden. "Das Rennen wurde wieder einmal vom Safety-Car durcheinandergebracht, was mich nicht freut, aber so ist die DTM", sagt er bei 'Sat.1'. "Damit müssen wir klarkommen. Manchmal hat man Glück, manchmal hat man Pech. Mit dem Auto und mit dem Tempo war ich zufrieden."

Gut in Szene setzte sich Gaststarter Dovizioso. Der MotoGP-Pilot schreckte nicht vor Zweikämpfen mit Fahrern wie Wittmann zurück, fuhr gute Zeiten und wurde dafür mit Platz 12 belohnt. "Ich hatte viel Spaß. Leider bin ich hinten gestartet, wodurch ich mir den Fahrstil nicht von den Topfahrern abschauen konnte. Das wäre gut gewesen für morgen", sagt der Italiener bei 'Sat.1'.

"Insgesamt habe ich mich aber beim Umgang mit den Reifen ganz gut gefühlt. Das war nicht schlecht. Ich muss es jetzt analysieren und mir die Rundenzeiten von den Topleuten anschauen. Der Restart war verrückt. Vor allem für mich, denn ich habe überhaupt kein Gefühl dafür, wie viel Platz dieses Auto braucht. Deswegen hatte ich viele Berührungen. Ich hoffe, dass sich niemand beschwert hat", so Dovizioso weiter.

Dovizioso schlägt sich beachtlich

Nicht zufrieden dürfte man im Lager von Aston Martin sein. Nachdem der Boxenstopp-Poker von von Habsburg nicht aufging, war Platz 13 von Daniel Juncadella das beste Resultat für die R-Motorsport-Mannschaft. Ein rabenschwarzes Rennen erlebte Paul di Resta, der nach einem Frühstart eine 5-Sekunden-Boxenstopp-Strafe erhielt und sein Auto in der 32. Runde abstellen musste.

Dritter Ausfall des Rennens war Robin Frijns (Abt-Audi). Der Niederländer hatte sein Auto nach dem Boxenstopp in Runde 15 abgestellt, ging kurz vor Rennende aber noch einmal zu einem kurzen Funktionscheck auf die Strecke.

In der Meisterschaftswertung führt nach fünf von 18 Rennen nun Rast mit 75 Zählern vor Wittmann (68), Eng (65) und Müller (51). Das zweite Rennen in Misano (live in Sat.1 und auf ran.de) findet am Sonntag um 13:30 Uhr statt, zuvor geht ab 10:30 Uhr das Qualifying über die Bühne.

© Motorsport-Total.com

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