vergrößernverkleinern
Auch beim zweiten Rennen in Assen jubelte Nico Müller auf dem Podest
Auch beim zweiten Rennen in Assen jubelte Nico Müller auf dem Podest © Audi
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

Für Nico Müller wird die Schlussphase von DTM-Rennen 2 in Assen zur Zitterpartie - Wie der Schweizer den Reifenschaden doch noch verhindern konnte

©

Nach Platz zwei im Regenrennen fuhr Nico Müller auch beim zweiten DTM-Lauf in Assen auf das Podest. Am Sonntag eroberte der Audi-Fahrer Rang drei. Bis zum Schluss war es aber eine Zitterpartie. "Die letzten Runden waren nicht ganz so stressfrei, wie ich mir das vielleicht gewünscht habe. Nicht wegen Marco [Wittmann] vor mir, das hat eigentlich Spaß gemacht. Aber ich habe hinten links Luft verloren", sagt der Schweizer. "Am Ende war nur noch weniger als 1 bar im Reifen. Da habe ich ziemlich geschwitzt, ob wir es überhaupt noch über die Ziellinie schaffen."

In der Schlussphase des Rennens schloss Müller auf den BMW von Marco Wittmann auf, der ebenfalls mit den Reifen zu kämpfen hatte und nicht mehr vollen Speed fahren konnte. Müller war aber mit sich selbst beschäftigt: "Ich hatte das Gefühl, ich kriege es gerettet. Als der Luftdruck unter 1,2 bar fiel, habe ich aber gedacht: Jetzt nimmst du besser Geschwindigkeit raus. Denn wenn du dann noch einmal blöd über den Randstein fährst, dann braucht es nicht mehr viel."

Anzeige

Deswegen verzichtete Müller auf eine Schlussattacke auf Wittmann."Ich habe versucht den Druck auf ihn aufrechtzuhalten, um ihn vielleicht in einen Fehler zu zwingen, aber ich wollte keine Dummheiten machen und mit den Reifen kein unnötiges Risiko eingehen. Außerdem hatte er DRS und Push-to-Pass zur Verfügung. Darum habe ich mir gedacht: Jetzt lässt du es bleiben, lässt ihn fahren und versuchst noch irgendwie das Ding über den Strich zu kriegen. Das hat zum Glück geklappt."

Kein optimaler Start wegen Aberdein

Im Qualifying hatte Müller den vierten Startplatz erobert und stand somit in der zweiten Reihe. Aber direkt vor ihm erwischte Markenkollege Jonathan Aberdein keinen guten Start. "Ich habe an Schwung verloren, weil ich ihm ausweichen musste. Dennoch ist es mir gelungen, nach der ersten Runde auf Platz vier zu liegen. Danach habe ich versucht, die Reifen so gut wie möglich im Griff zu haben."

"Es war echt ein Krimi. Wir wussten alle nicht so wirklich, was vom heutigen Rennen zu erwarten war. Wir wussten, dass wir nicht von A bis Z pushen konnten, weil einem die Reifen dann definitiv um die Ohren geflogen wären. Aber dann einzuschätzen, wie viel man wirklich geben kann, ist extrem schwierig. Und das haben tatsächlich alle unterschätzt. Wir mussten so extrem Sorge tragen - vor allem bei den Hinterreifen. Das gab es so extrem noch nie. Es war schon eine extreme Überraschung."

Auch beim Boxenstopp geht etwas schief

Vor allem im Verkehr wurden die Reifen stärker belastet, als wenn ein Fahrer alleine auf der Strecke war und sich die Linie und die Pace selbst einteilen konnte. Müller glaubt, dass er sich im ersten Stint hinter den drei Audis die Reifen zerstört hat. "Ich habe mich also entschlossen, früh zu stoppen. Daher hatte ich einen langen Stint vor mir." Zu allem Überfluss verlief der Boxenstopp nicht optimal. Müller stand einige Sekunden zu lange, bevor er losfahren durfte.

"Klar, wir haben dabei wichtige Sekunden verloren. Mit einem besseren Stopp hätte es die Chance gegeben, weiter vorne zu landen", denkt Müller an den vergebenen zweiten Platz. Vorwurf macht er seiner Mannschaft nicht: "Wir sind alle Menschen und jeder macht Fehler. Ich habe gestern beim Boxenstopp einen gemacht. Unser Team arbeitet sehr gut. Wir haben auch jedes Rennen in dieser Saison beenden können. Dinge wie heute können passieren. Schwamm drüber!"

In der Meisterschaft ist der Schweizer weiterhin auf dem zweiten Platz. Der Rückstand auf Markenkollege Rene Rast schrumpfte auf 22 Punkte. Nach dem turbulenten Rennen musste Müller auf dem Podest zunächst Luft schnappen. "Ich war irgendwie ein bisschen kaputt, um ehrlich zu sein. Da musste ich mich erst einmal ein bisschen sammeln. Grundsätzlich bin ich aber happy, auch wenn auch heute wieder mehr drin gewesen wäre. Wir haben immer noch ein tolles Resultat nach Hause retten können - auch wenn man natürlich lieber gewinnen will. Und heute hatten wir die Chance dazu."

Weiter geht es in drei Wochen in Großbritannien. Dort hat Müller die nächste Chance, seine bisher beste DTM-Saison mit einem Sieg zu krönen. "Ich freue mich darauf, denn es ist wieder eine tolle Strecke. In diesem Jahr besuchen wir einige großartige Orte. Brands Hatch zählt auf alle Fälle dazu. Es ist eine schwierige Strecke. Im Vorjahr war ich zum ersten Mal dort und es hat etwas gedauert, bis ich mich zurechtgefunden habe. Wir starten jetzt auf einer guten Basis und ich will dort natürlich auch wieder versuchen um den Sieg zu kämpfen."

© Motorsport-Total.com

Nächste Artikel
previous article imagenext article image