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Trotz Homologation darf beim Aston Martin möglicherweise nachgebessert werden
Trotz Homologation darf beim Aston Martin möglicherweise nachgebessert werden © R-Motorsport
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Gibt es weitere Zugeständnisse für Neuling Aston Martin? Warum das für Teamchef Florian Kamelger im Sinne von Audi und BMW wäre und in der DTM Tradition hat

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Darf R-Motorsport trotz der in der DTM eingefrorenen Entwicklung beim Aston Martin Vantage nachbessern, um Boden auf Audi und BMW gutzumachen? Teamchef Florian Kamelger gibt zumindest zu, dass eine zweite Homologation derzeit beim Neueinsteiger, der in Misano über eineinhalb Sekunden pro Runde hinterherfuhr und punktelos blieb, Thema ist.

"Wir haben unsere Optionen nach dem Test geprüft", verweist der Teamchef auf die zwei Testtage in Vallelunga, die man nachholen durfte. Ein Antrag auf eine zweite Homologation sei "natürlich auch eine Option", schließlich sei es "im Sinne der DTM, dass wir auf Augenhöhe kompetitiv sind".

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Auf die anderen Optionen, die diesbezüglich auf der Liste stehen, will Kamelger nicht näher eingehen: "Diese Dinge muss man zuerst intern, und damit meine ich die ITR, besprechen, bevor wir sie mit der Öffentlichkeit teilen."

Teamchef Kamelger: Verbesserungen als Grundbedingung

Man werde aber auf jeden Fall "mit den anderen Herstellern darüber sprechen, was wir verbessern dürfen, um unser Paket konkurrenzfähiger zu machen", stellt Kamelger im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

Das wird auch notwendig sein, denn nur mit der Zustimmung der DTM-Kommission, in der Vertreter der DTM-Dachgesellschaft ITR, Regelhüter DMSB, Audi und BMW sitzen, darf das bereits am 1. April homologierte Auto verändert werden. Beim HWA-Motor, der als Schwachstelle des Aston-Martin-Boliden gilt, gibt es immerhin die Möglichkeit, auch über die Software Verbesserungen zu machen.

Aber reicht das aus, damit der Aston Martin gegen Audi und BMW eine realistische Chance hat? "Das zeigen uns die nächsten Rennen", lässt Kamelger die Frage offen. Auch ein Datum, bis wann der Rückstand aufgeholt sein muss, nennt er nicht. Klar sei nur: "Die Kurve muss nach oben zeigen."

Vantage-Nachbesserungen: BMW gesprächsbereit

Würden Audi, BMW und der DMSB einem Antrag von R-Motorsport auf eine Sondergenehmigung, am Auto während der Saison Verbesserungen vorzunehmen, überhaupt zustimmen? "Ich glaube, dass es im Sinne der anderen beiden Hersteller ist, dass die DTM ein ausgeglichenes Feld hat, jeder gegen den anderen racen kann und der beste gewinnen möge", meint Kamelger.

"Damit hat sich die DTM auch beim Fan einen sehr attraktiven Namen gemacht. Und so sollte es bleiben. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass das nicht den Vorstellungen der anderen beiden Hersteller entspricht", pocht er darauf, dass seine Rivalen im Sinne der Rennserie handeln.

Und er macht sich offensichtlich berechtigte Hoffnungen, wie BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt andeutet. Auf die Frage von 'Motorsport-Total.com', ob es möglicherweise Zugeständnisse für das Joint-Venture von HWA und R-Motorsport geben wird, antwortet er: "Wir hatten in der DTM noch nie die Situation, dass etwas offensichtlich ist und wir keine Lösung gefunden haben. Also werden wir auch da eine Lösung finden."

Nachbesserungen haben in der DTM Tradition

Es wäre tatsächlich nicht das erste Mal, dass einem Teilnehmer geholfen wird, weil er nicht ganz auf Augenhöhe mit der Konkurrenz ist. Erst 2016 durfte BMW mit einem um 7,5 Kilogramm leichteren Auto und einem um 50 Millimeter breiteren Heckflügel als Audi und Mercedes antreten, "weil der M4 konstruktionsbedingt einen Rückstand gegenüber der Konkurrenz hat, der aufgrund der Homologation nicht durch technische Weiterentwicklung wettgemacht werden kann", so die offizielle Begründung.

Bereits 2014 war Mercedes mit einer Sondergenehmigung der DTM-Kommission erlaubt worden, während der Saison neue Teile einzuführen. Zudem erhielt man einen zusätzlichen Testtag, während das Reglement für die anderen bis Ende 2015 eingefroren blieb. weil man zu Saisonbeginn chancenlos gewesen war.

Und auch als im Vorjahr offiziell aus Sicherheitsgründen ein minimaler Reifendruck eingeführt wurde, sahen das manche als Zugeständnis für die bis dahin schwächelnde Audi-Mannschaft.

Warum sich Aston Martin gute Chancen ausrechnen darf

Unter diesen Umständen wäre es alles andere als überraschend, wenn dem Neueinsteiger Welpenschutz gewährt wird, denn durch den Mercedes-Ausstieg hatte man den eigentlich für 2020 geplanten DTM-Einstieg kurzfristig auf 2019 vorverlegt. Dazu war es notwendig, in nur 90 Tagen ein DTM-Auto zu bauen.

"Wenn man bedenkt, wie wenige Tage zwischen der Absegnung des Projekts bis zum ersten Test vergangen sind, dann glaube ich, dass das noch nie jemand so schnell geschafft hat", sagt Aston-Martin-Pilot Paul di Resta gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

"Und dann wurde mit der Entwicklung begonnen, ohne dass wir im Windkanal waren oder die Aerodynamik aussortiert hatten. Als würde man etwas vermuten, aber auf Basis von Erfahrungswerten."

Kamelger rechnet mit keinen weiteren Motorenstrafen

Mit der Entwicklung des Turbo-Motors von HWA wurde zwar schon etwas früher begonnen, dennoch darf es angesichts des kurzfristigen Einstiegs nicht verwundern, dass es an Leistung und Zuverlässigkeit mangelt. Daher wurden die verplombten Motoren, die eigentlich die ganze Saison halten sollten, immer wieder geöffnet. Als Strafe wurden Punkte in der Marken-Wertung abgezogen.

Damit soll aber nun laut Teamchef Kamelger Schluss sein, wie dieser auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' klarstellte: "Ich gehe stark davon aus, dass unser Partner HWA das Motorenproblem im Griff hat."

© Motorsport-Total.com

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