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DTM-Boss und Formel-1-Legende Gerhard Berger feiert seinen 60. Geburtstag: Was ihm die DTM-Piloten zum Jubiläum ausrichten und wie sie ihren Chef erleben

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Formel-1-Legende und DTM-Boss Gerhard Berger feiert heute seinen 60. Geburtstag. Und blickt auf eine spektakuläre Karriere zurück: Der Österreicher war der letzte Pilot, der von Enzo Ferrari persönlich engagiert wurde, überlebte einen furchterregenden Feuerunfall in Imola, holte unter anderem als Teamkollege und Freund von Ayrton Senna zehn emotionale Grand-Prix-Siege - und war auch als Teamleiter bei BMW und Toro Rosso in der Formel 1 und in Le Mans erfolgreich.

Seit 2017 ist der Tiroler Chef der DTM - und hat seitdem auch in der lange als aalglatt verschrienen Tourenwagenserie für mehr Purismus gesorgt. "In die DTM bin ich gegangen, weil ich mir nach meiner Rückkehr nach Österreich die Formel 1 nicht mehr antun wollte", offenbart Berger, der seinen Geburtstag im kleinen Kreis feiert, gegenüber der 'APA'. "Und dann habe ich mich ein bissl in die DTM verliebt."

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Das spüren auch die Fahrer, die Berger über 'Motorsport-Total.com' zum runden Geburtstag gratulieren. Und erzählen, wie sie ihren Chef erleben. Allen voran DTM-Leader Rene Rast. "Ich wünsche ihm weitere 60 Jahre Gesundheit und motorsportliche Motivation!", hofft der in Österreich lebende Audi-Spitzenmann, dass Berger mindestens 120 Jahre alt wird.

Berger für Rast ein echter "Macher"

Was er besonders an ihm schätzt? "Von seiner Persönlichkeit ist er jemand, den ich als Macher bezeichnen würde. Er setzt Dinge um und redet nicht nur. Das ist es, was wir in der DTM brauchen. Daher ist er eine ganz tolle Bereicherung für die DTM."

Zudem sieht Rast Berger als "lebende Legende. Er ist für Ferrari in der Formel 1 gefahren und hat dort die schönen Zeiten mitgemacht." Wie gut die beiden einander kennen? "Wir haben noch nicht intensiv Zeit miteinander verbringen können, sondern haben immer nur hier und da ein paar Minuten miteinander gesprochen. Wir haben noch nicht gemeinsam gefeiert - aber vielleicht kommt das ja noch."

Wittmann: Wo bleibt die Einladung?

Genau das wünscht sich auch BMW-Ass Marco Wittmann. "Wo ist eigentlich die Einladung?", fragt der Fürther im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Er müsste eigentlich alle Fahrer einladen. Das wäre cool, weil dann machen wir eine riesengroße Party bei ihm. Ich bin auch bereit, irgendwo hin zu fahren, wenn es dazu kommt!"

Wittmann richtet Berger aber auch so "schon mal alles Gute zum 60er" aus. "Das ist mega-cool! Ich habe nächstes Jahr auch einen runden Geburtstag", sagt der 29-Jährige. Erst in der DTM habe er Berger "persönlich kennengelernt. Davor kannte man natürlich den Namen und wusste, wo er aktiv ist."

Was Berger für die DTM getan hat? "Früher war die Fanmeile irgendwo im nirgendwo, jetzt ist das alles im Fahrerlager", nennt Wittmann ein Beispiel. "Ich glaube, da ist viel passiert, seit Gerhard da ist, was von vielen glaube ich sehr positiv aufgenommen wird. Er hat viel frischen Wind gebracht, ob beim Reglement, mit dem neuen Hersteller oder mit Aktionen für die Fans."

Müller: Berger nimmt uns Fahrer ernst!

Und auch die Fahrer fühlen sich von Berger in der DTM ernst genommen. "Was ich sehr an ihm schätze, ist, dass er immer ein offenes Ohr hat, egal um was es geht", offenbart Titelaspirant Nico Müller im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' "Ob wir Fahrer jetzt irgendwelche Ideen haben für die DTM oder Sachen anders sehen als er oder unsere Regelhüter - er ist da immer offen für unsere Meinungen und unsere Ideen - und das finde ich echt cool. Er könnte sich ja auf sich selber verlassen und sagen: Ich mache meinen Job und ihr euren!"

Auch Müller wünscht Berger zum Geburtstag "alles Gute" und ist "super-stolz, dass er Teil dieser Familie ist. Er ist ein echt toller Chef dieser Firma und dieser Meisterschaft. Ich hoffe, dass er das noch mit viel Freude viele Jahre machen kann, denn wir haben ihn sehr gern dabei. Und ich hoffe, dass auch wir ihn glücklich machen mit tollem Sport."

Zudem hat der 27-jährige Schweizer großen Respekt vor Bergers Karriere. "Ich weiß nicht alles im Detail, denn ich bin vielleicht ein bisschen zu jung, aber er hat viel erreicht in Autos, in denen man jeden Tag auch seine Gesundheit riskiert hat. Er ist für seine Leidenschaft ans absolute Limit gegangen und hat auch viel dafür in Kauf genommen. Davor ziehe ich den Hut und da wäre ich sehr stolz, in seiner Haut zu stecken."

Philipp Eng: Über Berger die Formel 1 kennengelernt

Etwas mehr von Bergers Karriere hat sein Landsmann Philipp Eng mitbekommen. Der Salzburger ist zwei Jahre älter als Müller und wurde durch seinen heutigen Chef mit dem Motorsportvirus infiziert.

"Als er damals noch für Benetton fuhr, habe ich begonnen zu verstehen, was die Formel 1 ist", erzählt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Da habe ich mit meinem Papa und meinem Opa das Rennen in Hockenheim angeschaut und da haben sie mir alles erzählt über Lauda und Berger."

Das war kein Zufall, wie Eng ergänzt: "Mein Papa, mein Opa und mein ganzer Anhang sind alles extreme Patrioten und haben halt immer den rot-weiß-roten Fahrern die Daumen gedrückt. In der Zeit war Gerhard natürlich die erste Anlaufstelle und dann natürlich Alex Wurz."

"Fahr' ein bisschen schneller!"

Was Eng heute besonders am DTM-Chef beeindruckt? "Er ist einfach ein lässiger Kerl", antwortet der BMW-Pilot. "Er hat nicht nur die DTM im Griff, sondern ich bewundere extrem, was er unternehmerisch quasi nebenbei noch macht", verweist er auf Bergers Logistik-Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern. "Das muss man erstmal machen, auf all diesen Hochzeiten parallel zu tanzen."

Zumal Berger laut Eng die DTM in den vergangenen Jahren deutlich verbesserte: "Alle Reglementänderungen, die er in der DTM installiert hat, haben gegriffen: Funkverbot, Heizdeckenverbot, Indy-Restart, die neuen Turbomotoren. Er hat schon extrem viel dazu beigetragen, dass es jetzt so gut läuft."

Daher wünsche er Berger zum 60er vor allem, "dass er lange gesund bleibt, das ist das Wichtigste. Aber auch, dass er der DTM noch lange erhalten bleibt." Auch wenn er sich in der Startaufstellung immer wieder provokante Kommentare von seinem Landsmann gefallen lassen muss: "Da sagt er mir meistens, dass ich ein bisschen schneller fahren soll."

"Ich war am Boden": Wie Habsburg Berger kennenlernte

Auch der zweite DTM-Österreicher wird von Berger regelmäßig in der Startaufstellung besucht. "Er kommt dann her und wünscht mir Glück", erzählt Ferdinand Habsburg im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich bin sehr stolz in seiner Meisterschaft zu fahre und hoffe, dass er eine ordentliche Feier für seinen 60er hinkriegt, wie ein richtiger Österreicher", grinst er.

Die beiden lernten einander erst dieses Jahr beim ITR-Test auf dem Lausitzring im April kennen. "Ich war am Boden und habe an meinem Sitz herumgeschnitten, weil er noch nicht perfekt gepasst hat. Er hat mich angeschaut und gesagt: 'Du bist doch der Habsburg!' Das war lustig. Er hat einen super Humor und ist ein supercooler Kerl. Und er leistet sehr viel für die DTM."

Habsburg bewundert Bergers Verhandlungsgeschick

Um Berger als Rennfahrer erlebt zu haben, ist Habsburg zu jung, denn im Geburtsjahr 1997 beendete der DTM-Chef seine Formel-1-Karriere. "Aber ich habe natürlich alles mitbekommen aus seiner Ferrari-Zeit - und auch, dass er nicht nur ein sehr guter Rennfahrer war, sondern auch extremst clever war, speziell bei den Verhandlungen", wirft Habsburg ein.

"Das ist dann immer cool, wenn du der Fahrer bist, der wahrscheinlich weniger Punkte hatte in der Vorsaison, dann aber doch mehr bezahlt bekommst. Das zeigt, wie clever und gut er ist."

© Motorsport-Total.com

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