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R-Motorsport ließ die DTM bis zum Ausstieg rätseln, mit welchem Paket man 2020 an den Start gehen wollte: Die Hintergründe eines gescheiterten Projektes

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Am Ende werde alles Sinn ergeben, meinte Teamchef Florian Kamelger, wenn man ihn auf die Pläne für die DTM-Saison 2020 nach der Trennung von Motorenpartner und Einsatzteam HWA ansprach. Doch anstatt das mit Spannung erwartete neue Paket zu präsentieren, schockte man am vergangenen Freitag alle und gab den Ausstieg aus der DTM bekannt.

Doch wie hätte das Paket, von dem sich R-Motorsport eine deutliche Verbesserung versprochen hätte, eigentlich ausgesehen? "Hätte, wäre, wenn - das ist hier der falsche Ansatz", antwortet Kamelger auf die Frage. "Es hätte so ausgesehen, dass es funktioniert hätte, aber es geht ja nicht nur darum, ein Auto zu bauen und es am Laufen zu haben, sondern auch um die Umstände."

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Eine kryptische Antwort - aber zumindest was den Motorenpartner angeht, lässt der Südtiroler die Katze aus dem Sack. "Wir hatten ein sehr großes Entgegenkommen von BMW", offenbart Kamelger. "Beim Motor und auch bei anderen Dingen. Wir hatten mit BMW einen Deal für die Motoren in der Saison."

Umbau auf BMW-Motor "keine ganz triviale Geschichte"

Dieser Deal wurde laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' bereits vor Weihnachten fixiert. Aber wie einfach wäre es gewesen, das Design des ursprünglich auf einen HWA-Turbomotor ausgelegten Vantage an einen BMW-Motor anzupassen?

"Grundsätzlich würde ich davon ausgehen, dass man in so einem Fall den kompletten Vorderbau ändern muss, weil die Kühlung angepasst werden muss - und somit die kompletten Kühlverläufe und die Kühlschächte", erklärt HWA-Vorstand Ulrich Fritz im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Das hängt wiederum mit der Aerodynamik zusammen. Von daher ist das sicher keine ganz triviale Geschichte."

Fritz spricht von "grundlegenden Änderungen", es sei denn "irgendjemand hätte durch Zufall im Vorjahr genau die gleiche Philosophie gewählt wie HWA - und dadurch mehr oder weniger fast den gleichen Motor. Dann wäre so etwas vielleicht einfacher, aber im Großen und Ganzen würde ich schon sagen, dass das ein ziemlicher Aufwand ist."

Teamchef Kamelger: Hatten Aufbau- und Einsatzteam

Wer hätte also nach dem HWA-Aus die Funktion inne gehabt, die neuen Autos zu konstruieren und aufzubauen? "Sowohl beim Aufbauteam als auch beim Einsatzteam hatten wir die nötigen Alternativen", sagt Kamelger, nennt aber keine Namen.

"Wir haben uns da schon sehr gut vorbereitet und haben auch die nötigen Schritte über die letzten Wochen, in denen die Entscheidung (gegen einen DTM-Verbleib; Anm. d. Red.) doch sehr greifbar wurde, nicht zurückgezogen, sondern haben einige Dinge evaluiert und ausgelotet."

Keine technischen Fragen trotz enormer Herausforderung?

In Anbetracht der großen technischen Herausforderung, die Autos neu aufzubauen, ist interessant, dass seit Saisonende kein Vertreter von R-Motorsport mehr an den Telefonkonferenzen der technischen Arbeitsgruppe der ITR teilnahm - zur Verwunderung der Teilnehmer von Audi, BMW, DMSB und ITR.

"Bis zum Ende der Saison waren Kollegen von uns dabei", verweist Fritz auf Martin Marx, der bei HWA für die Technik zuständig ist. "Mit der Entscheidung gegen eine weitere Zusammenarbeit mit der HWA AG teilte uns R-Motorsport mit, dass eine Teilnahme der HWA an diesen Sitzungen nicht mehr notwendig sei." Ersatz gab es keinen.

Das deutet darauf hin, dass im Hintergrund bis ins neue Jahr nicht viel Aufbauarbeit stattgefunden haben dürfte.

Geplantes Einsatzteam: Die Spur führt zu JOTA Sport

Zumindest, was das Einsatzteam angeht, gibt es aber eine heiße Spur - und die führt tatsächlich nach Großbritannien: zu JOTA Sport. Die in Kent sitzende Truppe von Sam Hignett setzt gemeinsam mit Arden bereits das GT3-Programm von R-Motorsport um und hätte vermutlich auch das DTM-Programm übernommen. Eine Theorie, die auch HWA-Vorstand Fritz für "sehr naheliegend" hält.

"Man kann ganz offen und ehrlich sagen, dass JOTA bereits involviert war, als wir das gemacht haben", verweist er auf die vergangene DTM-Saison - und die ursprünglich für 2020 angedachten Aston-Martin-Einsätze in der Super-GT-Serie. "Da war Sam Hignett bereits Berater von R-Motorsport, der sicher auch gerne dieses Thema in Japan umgesetzt hätte. Grundsätzlich gibt es da also eine enge Verbindung aus dem GT3-Sport."

Wollte man am Ende doch mit alten Autos fahren?

Fritz hält die im Langstreckenbereich erfahrene JOTA-Mannschaft für ein Team, "das ein Auto ordentlich einsetzen kann". Ein Auto zu konstruieren, wäre für die Mannschaft aber eine Nummer zu groß gewesen.

Interessant ist, dass vor einigen Wochen bei HWA noch eine Anfrage von R-Motorsport eintrudelte, bei der es um eine mögliche Nutzung der in Affalterbach stehenden fünf Aston-Martin-Boliden ging. Was der Hintergrund dieser Anfrage war, ist unklar.

Wollte man den letzten Strohhalm ergreifen und entgegen der ursprünglichen Pläne doch die alten DTM-Autos einsetzen - und diese an die BMW-Motoren anpassen? Die Frage ist hinfällig, denn am Ende hätte die Zeit dafür vermutlich ohnehin nicht mehr ausgereicht, um beim Saisonauftakt Ende April in Zolder am Start zu stehen.

© Motorsport-Total.com

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