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Warum Hans-Joachim Stuck mahnt, die Existenzängste von Phoenix-Audi-Teamchef Ernst Moser ernst zu nehmen, und die Corona-Maßnahmen dennoch für richtig hält

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Phoenix-Audi-Teamchef Ernst Moser hat angesichts der Coronakrise bereits Alarm geschlagen, dass es für sein Team um die Existenz geht. DTM-Legende Hans-Joachim Stuck betont nun, dass man die Aussagen des befreundeten Teamchefs ernst nehmen muss. "Er ist natürlich besorgt und schaut, dass er noch die Vorbereitungen treffen kann, die jetzt möglich sind - davon ausgehend, dass die Saison in der VLN und in der DTM irgendwann losgeht", meint der Bayer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Aber da wird es auch für ihn irgendwann einen Punkt geben, an dem es so nicht mehr weitergeht. Den kann er jetzt noch hinauszögern, weil er ein guter Geschäftsmann ist, aber er wird sicher mit Petra (Tille, Mosers Lebensgefährtin; Anm. d. Red.) einen Termin gesetzt haben, an dem sie entscheiden müssen, wie es weitergeht. Davon bin ich überzeugt."

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Moser hatte Anfang April gemeint, dass sein Team, das neben dem DTM-Werkseinsatz auch als Kundenteam in der Nürburgring-Langstreckenserie (früher VLN) sowie in der GTC und der DTM-Trophy an den Start geht, "ein oder zwei Monate" ohne Einsätze überbrücken könne, "aber auf die Dauer ist das natürlich ein Killer". Derzeit befindet sich ein Großteil der Mannschaft, die unweit des Nürburgrings in der Eifel ansässig ist, wie auch die anderen Audi-Werksteams Rosberg und Abt auf Kurzarbeit.

Stuck: Darum droht ein Teamsterben

Die DTM-Dachorganisation ITR kämpft währenddessen trotz des Veranstaltungsverbots in Deutschland bis Ende August weiterhin um den Saisonstart auf dem Norisring, der am 11. und 12. Juli über die Bühne gehen soll. Doch selbst eine Durchführung ohne Zuschauer ist mehr als fraglich.

Droht also ein Teamsterben? "Ja, denn die Teams leben hauptsächlich von Sponsoren", sagt Stuck. "Und wie sieht es derzeit mit Sponsoren aus der Autobranche aus? Machen die Umsätze? Wenn ein Auspuffhersteller keinen Auspuff verkauft, dann kann er doch niemanden sponsern. Das ist dieses Rad, das sich immer mehr beschleunigt."

Während die Werksprogramme von den Herstellern finanziert werden, ist man vor allem im Kundensportbereich auf eine Finanzierung durch Sponsoren und die Fahrermitgift angewiesen. Dazu kommt, dass die Teams durch ihre Mitarbeiter derzeit zwar Kosten, aber keine Einnahmen haben. "Da stellen sich folgende Fragen: Wie viele Schulden kann ich aufnehmen? Ist das Ende absehbar? Das ist eine schwierige wirtschaftliche Entscheidung, wann man was macht."

Stuck hält Corona-Maßnahmen für richtig

Stuck fürchtet, dass die Krise vor allem kleine Rennställe treffen wird: "Wenn man mal die Spitze wie die Formel 1 wegnimmt und weiter nach unten schaut, dann wird die Basis immer breiter. Und dann trifft es vor allem auch kleine Teams und Leute, die vom Motorsport leben - ob das Mechaniker oder Trucker sind. Sie leiden alle darunter - das ist der Wahnsinn."

Trotz allem spricht sich Stuck gegen Rennen ohne Zuschauer aus und hält die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus für richtig. "Ob Motorsport, Fußball oder Konzerte: All das ist Vergnügen. Und in der jetzigen Zeit ist Vergnügen in der Prioritätenliste ganz weit hinten angesiedelt. Natürlich spielen diese Dinge auch wirtschaftlich eine Rolle, aber da gibt es andere Bereiche, die jetzt wichtiger sind. Und da muss man vernünftig handeln und das hinten anstellen. Leider, aber das ist halt so."

© Motorsport-Total.com

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