vergrößernverkleinern
F1 Grand Prix of Hungary
F1 Grand Prix of Hungary © SPORT1/Getty Images
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

SPORT1-Kolumnist Peter Kohl analysiert das zehnte Rennen der Formel 1 in Budapest. Er nennt Gewinner und Verlierer des Ungarn-GP:

TOP:

GEDENKEN AN JULES BIANCHI: Eine starke, sehr emotionale Geste seltener Einheit und raren Zusammenhalts in einer von Egoismus geprägten Kunstwelt.

SEBASTIAN VETTEL: Veni, vidi, vici - ich kam, ich sah, ich siegte. Starke Leistung im Stile von Gaius Julius Caesar, n bester Feldherren-Manier. Vollkommen verdient zieht er mit seinem 41. Grand Prix Sieg in der ewigen Bestenliste mit Ayrton Senna gleich. Dazu poliert er die bislang negative Ungarn-Bilanz mit seinem Premierensieg auf dieser Strecke gehörig auf.

Anzeige

KIMI RÄIKKÖNEN: Der Weltmeister von 2007 stemmt sich nach Kräften gegen die Widrigkeiten, die sich immer wieder vor ihm aufbauen. Er zeigt Kampfgeist, fährt schnelle Runden, um am Ende doch in die Knie gezwungen zu werden. Bereits am Freitag fliegt ihm ein Frontflügel um die Ohren, im Rennen kommt ihm ein Frontflügelteil abhanden, ehe die Energierückgewinnung seine Rote Rakete endgültig lahm legt. Irgendwie hat er zurzeit die Sch… an der Hacke kleben. Ein ungünstiger Zeitpunkt, wenn es um eine Vertragsverlängerung geht. Schade für den Iceman.

DANIEL RICCIARDO: Der Vorjahressieger ist mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs. Wild, mit vollem Risiko, erpicht darauf, jede noch so kleine Chance zu nutzen. Sein dritter Platz ist angesichts der zahlreichen Rempler und Kollisionen fast ein Wunder.

DANIIL KWJAT: Am Ende auch Profiteur vom Gemetzel zwischen Teamkollege Ricciardo und Rosberg. Insgesamt aber eine starke Leistung über das gesamte Wochenende. Obwohl noch sehr jung ist er bereits jetzt extrem cool und abgeklärt, auch in hitzigen Rennphasen.

MCLAREN HONDA: Die japanischen Motorenlieferanten haben das Dampfventil geöffnet und schon ist der graphitfarbene Renner, zumindest auf dieser kurvenreichen Strecke, konkurrenzfähig. Das Chassis scheint ordentlich zu funktionieren, die ständigen Weiterentwicklungen zeigen sich langsam in Resultaten. Erstmals in dieser Saison sind Alonso und Button gemeinsam in den Punkten.

MAX VERSTAPPEN: Starke Leistung des Youngsters, der in diesem Chaos-Grand-Prix sein bislang bestes Resultat einfährt. Sein vierter Platz bringt wertvolle Punkte fürs Team, das sich im bisherigen Saisonverlauf zu oft unter Wert verkauft hat.

NICO HÜLKENBERG: Bis zu seinem unverschuldeten Ausfall hervorragend unterwegs. In der Anfangsphase instinktsicher und gekonnt aus allem rausgehalten und von Startplatz elf auf fünf nach vorne gefahren. Ein Top-Ergebnis wäre die verdiente Belohnung gewesen. Am Ende leider Opfer der Materialschwäche seines Force India.

FLOP:

FORCE INDIA: Es ist eigentlich immer wieder bewundernswert, wie dieses kleine Team aus wenig sehr viel macht. Die B-Version des Autos ist ein gelungener Wurf, eine starke Weiterentwicklung. Allerdings scheint bei der Qualitäts-Kontrolle ein erhebliches Defizit zu herrschen. Der Aufhängungsbruch am Auto von Perez und der abknickende Frontflügel bei Hülkenberg sind deutliche Alarmzeichen. Die Gesundheit der Fahrer ist so extrem gefährdet. Ein inakzeptabler Zustand!

LEWIS HAMILTON + NICO ROSBERG: Eine Aneinanderreihung von Fehlern sorgt für das schwächste Saisonergebnis von Mercedes. Erstmals seit November 2013 steht kein Mercedes-Fahrer auf dem Podium. Und das zu Recht. Den Start haben beide, wie schon in Silverstone, komplett versemmelt. Hamilton besucht das Kiesbett nach einer überzogenen Attacke gegen Teamkollege Rosberg und sucht die Schuld dann auch noch beim Kollegen. Der Crash mit Ricciardo beim Restart nach der Safety-Car-Phase war unnötig und ein klarer Fehlschuss des Titelverteidigers.

Dass er seinen Vorsprung in der WM trotzdem noch ausbauen kann, ist eine Farce. Rosberg war das gesamte Rennen über zu langsam, weil er sein Set-Up nicht in den Griff bekommen hat. Dazu erwies sich seine, beziehungsweise die Reifenstrategie des Teams, als Schuss in den Ofen. Dann kommt auch noch das Pech beim Crash mit Ricciardo dazu. Passend für diesen Murks-Grand-Prix.

FELIPE MASSA: Sein 220. Grand Prix - und der Brasilianer findet seinen Startplatz nicht. Alter Falter, was für ein Anfängerfehler!

WILLIAMS: Nach Monaco der zweite Desaster-Grand-Prix für das Traditionsteam. Bei steigender Asphalttemperatur kommen die FW37 zunehmend ins Rutschen. Bottas kann das lange sehr gekonnt kaschieren, hat Pech, als er im Getümmel beim Restart einen Reifenschaden erleidet. Die Pace war das gesamte Wochenende über bei weitem nicht so gut wie in den Rennen zuvor. In der Konstrukteurs-Wertung hat Williams deshalb gewaltig Punkte liegen lassen.

PASTOR MALDONADO: Vielleicht schenkt jemand dem Venezolaner mal ein Regelbuch. Könnte sich lohnen. Drei Strafen in einem Rennen, alle zu Recht ausgesprochen, sind einfach der pure Wahnsinn! Das passiert nicht mal in den Nachwuchsrennserien.

Silverstone und Budapest haben der Formel 1 mit jeweils spektakulären Rennen wieder Leben eingehaucht. So gesehen kommt die dreiwöchige Sommerpause zu einem falschen Zeitpunkt. Aber die Vorfreude auf Spa ist bei mir bereits richtig groß.

Bis dahin PEDAL TO THE METAL!

Ihr Peter Kohl

Nächste Artikel
previous article imagenext article image