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Sebastian Vettel nutzte in Melbourne den Rechenfehler von Mercedes - zum Leid von Lewis Hamilton
Sebastian Vettel nutzte in Melbourne den Rechenfehler von Mercedes - zum Leid von Lewis Hamilton © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago
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München und Melbourne - Sebastian Vettel siegt trotz unterlegener Pace in Melbourne. Bei Mercedes rätselt man, wie Vettel an Lewis Hamilton vorbeikam. SPORT1 erklärt den Ferrari-Coup.

Nachdem Lewis Hamilton den Start beim Formel-1-Auftakt in Melbourne gewonnen hatte, stellten sich viele Fans bereits auf ein einseitiges Rennen ein.

Vor allem der Speed des späteren Rennsiegers Sebastian Vettel war im ersten Renndrittel besorgniserregend. Der viermalige Weltmeister konnte weder die Pace des Mercedes-Piloten noch die von Kimi Räikkönen mitgehen und lag deutlich zurück.

Dass Vettel nach seinem Stopp dennoch vor Hamilton zurück auf die Strecke kam, war nicht nur für den Briten ein großes Rätsel: "Ich konnte es nicht glauben. Von dem Moment an bis zum Ende des Rennens konnte ich nicht glauben, was da passiert war."

SPORT1 geht dem größten Rätsel des Auftaktrennens auf den Grund. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

Ferrari nutzt Räikkönen als Köder

Neun Sekunden betrug Hamiltons Vorsprung auf Vettel, als Ferrari Räikkönen an die Box holte, um die Silberpfeile in Zugzwang zu bringen. Für Hamilton keine Überraschung: "Ich ahnte, dass Ferrari mich gegen Sebastian mit Kimi ausspielen möchte."

Bei Mercedes schrillten dennoch sofort die Alarmglocken. Da Vettel weit zurücklag, holte man Hamilton sofort in die Box, um sich gegen den Undercut-Versuch von Ferrari zu schützen - was problemlos klappte.

Vettel, der auf den älteren Reifen draußen blieb, übernahm zwar die Führung, verlor aber nach und nach Zeit auf Hamilton. So befand sich der 30-Jährige zu diesem Zeitpunkt in einer fast aussichtslosen Lage: Seine Pace war viel zu langsam, um nach dem Stopp als Erster wieder rauszukommen.

"Ich war im Niemandsland und hatte nichts zu verlieren. Ich war keine Bedrohung für Lewis oder Kimi - dann bleibt man eben so lange draußen wie man kann und hofft, dass etwas passiert. Ich habe für ein Safety Car gebetet", sagte Vettel. (SERVICE: Der Rennkalender)

Grosjean-Ausfall hilft Vettel

Vettels Gebete wurden erhöht, als Romain Grosjean im Haas plötzlich liegen blieb und eine virtuelle Safety-Car-Phase (VSC) auslöste: "Ich war sofort hellwach, als ich wusste, dass das Safety Car kommt. Ich wusste, dass es ganz nach vorne gehen kann."

Während Vettel in der Boxeneinfahrt auf letzter Rille bremste, blieb man bei Mercedes ruhig. 

Man wusste zwar, dass Vettel durch den Boxenstopp in der VSC-Phase weniger Zeit verlieren würde als unter normalen Bedingungen. Doch die Verantwortlichen um Teamchef Toto Wolff waren überzeugt, dass Vettels Vorsprung viel zu klein war, um vor Hamilton rauszukommen.

"Unsere Software hat uns 15 Sekunden ausgespuckt, die Vettel an Vorsprung gebraucht hätte. Es waren aber nur elf. Wir hatten also eine Marge von vier Sekunden. Dann kommt das Fernsehbild und plötzlich fährt er vor uns auf die Strecke raus", zeigte sich Wolff bei RTL ratlos. (SERVICE: Die Teamwertung)

Mercedes-Software verrechnet sich

Elf Sekunden waren es allerdings nur zu Beginn der Runde. Denn Vettel hatte Glück, dass er die Unfallstelle gerade passiert hatte, bevor die Gelben Flaggen geschwenkt wurden. Hamilton verlor deshalb bereits im ersten Sektor 5,4 Sekunden auf Vettel.

Und so war die Marge von vier Sekunden bereits verschwunden, bevor die VSC-Phase überhaupt begonnen hatte. Da die Software bei ihrer Berechnung aber offenbar noch von elf Sekunden Rückstand ausgegangen war, sah sie Hamilton vorn.

Ein Fehler, der Mercedes teuer zu stehen kam.

Was es für die Silberpfeile besonders ärgerlich machte: Laut Wolff hätte Hamilton in den Runden zuvor genug Zeit gut machen können.

Für Vettel war es nach der unglücklich verlaufenen Saison 2017 dagegen ausgleichende Gerechtigkeit: "Im letzten Jahr hatten wir in solchen Situationen Pech. Dieses Mal hatten wir eben Glück."

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