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München - Niki Lauda – ein Name der für bedingungslosen Perfektionismus steht, für Leidenschaft und Hingabe. SPORT1-Experte Peter Kohl erinnert an eine Formel-1-Legende.

Für den Österreicher gab es immer nur eine Richtung – die nach vorne. Risikobereitschaft, Tatendrang, Mut und seine Geradlinigkeit haben ihn zu einer faszinierenden Persönlichkeit gemacht, dessen Strahlkraft man sich nicht entziehen konnte.

Seine sportliche Karriere steht für sich. Als knapp 20-Jähriger macht er seine ersten Schritte im Motorsport – in einem Mini Cooper S 1300 bei einem Bergrennen in Bad Mühllacken, Oberösterreich. In seiner Klasse wird er auf Anhieb Zweiter. In rasantem Tempo klettert er die Erfolgsleiter hoch. Die Formel-1-Weltmeistertitel 1975, 1977 und 1984 sprechen für sich.

Das unternehmerische Talent ist ihm in die Wiege gelegt. Sowohl Großvater als auch Vater sind einflussreiche Industrielle gewesen. Lauda ist in einem wohlhabenden Umfeld aufgewachsen. Früh bekommt er zuhause mit, dass den Mutigen die Welt gehört. Dafür muss man Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen.

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Im Hause Lauda steht man dem Willen, Motorsport zu betreiben, im Weg. Lauda bekommt keine Unterstützung von der Familie. Deshalb überwirft er sich mit ihr. Er nutzt seinen guten Namen, um bei verschiedenen Banken Kredite aufzunehmen, die ihm den Einstieg in den Motorsport ermöglichen. Früh geht er damit All In.

Lauda bringt Ferrari zu altem Glanz

Über die Formel V, die Formel 3 und die Formel 2 und Sportwagenrennen mit einem Porsche, sowie Tourenwagenserien kommt er im August 1971 beim Großen Preis von Österreich in die Formel 1. In einem March fällt er aus, sieht nicht die Ziellinie. 1972 erkauft er sich per Bankenkredit einen Sitz in einem March-Ford, 1973 startet er für das britische B.R.M Team. Der dritte Platz in Monaco ist das erste dicke Ausrufezeichen.

Er kann Jacky Ickx im Ferrari hinter sich halten. Enzo Ferrari bietet ihm daraufhin einen Vertrag für 1974 an. Die Renner aus Maranello sind in dieser Zeit erfolgreich in der Sportwagenszene, nicht aber in der Formel 1. Der letzte Titel wurde 1964 geholt. Lauda bildet mit dem Leiter der Rennsportabteilung, Luca di Montezemolo, und Konstrukteur Mauro Forghieri ein Trio, das Ferrari zu altem Glanz zurückbringt.

Niki Lauda führte Ferrari in der Formel 1 zu altem Glanz
Niki Lauda führte Ferrari in der Formel 1 zu altem Glanz © Getty Images

Der erste Sieg in der Königsklasse gelingt ihm beim Großen Preis von Spanien im April 1974. 1975 dominiert er die WM mit fünf Siegen, fährt als Einziger auf der Nordschleife beim Großen Preis von Deutschland die Runde unter 7 Minuten. Die Grüne Hölle prägt ihn nachhaltig und zeigt der Welt ein Bild von Niki Lauda, das niemand vergessen kann.

Unfall auf dem Nürburgring

Im Streckenabschnitt Bergwerk knallt er gegen eine Felswand, schleudert die Fahrbahn entlang und sein Ferrari geht in Flammen auf. Mehrere Fahrerkollegen eilen zur Hilfe herbei, Arturo Merzario gelingt es, die Sicherheitsgurte zu lösen. Lauda erleidet schwere Verbrennungen und eine Verätzung der Lungen. Die Unfallursache wird nie richtig geklärt.

Seine schnelle Genesung überrascht alle. 42 Tage nach dem schrecklichen Unfall beendet er den Großen Preis von Italien mit blutenden Wunden und eingeschränkter Sicht als Vierter. Es folgen zahlreiche Transplantationen und Operationen. Im letzten Rennen des Jahres stellt Lauda in Fuji wegen unfahrbarer Wetterbedingungen wie viele andere seinen Wagen kurz nach dem Start ab.

James Hunt fährt durch, holt als Dritter des Rennens den WM-Titel einen Punkt vor Lauda. Lauda kämpft in der Folge seines Nordschleifenunfalls vehement für die Verbesserung der Sicherheit. 1979 tritt er während des Trainings zum Großen Preis von Kanada zurück. Es steht das Zitat: "Warum soll ich wie ein Trottel mit den anderen im Kreis fahren?"

Um seine gegründete Fluglinie voranzubringen, kehrt er aus Promotion-Gründen 1982 dann doch auf die Rennstrecken zurück in einem McLaren. 1984 holt er seinen letzten Formel-1-WM-Titel. Seinen letzten Sieg holt er 1985 in Zandvoort – es ist sein 25. Sein letzter Grand Prix ist im November 1985 der Große Preis von Australien, in dem er in Führung liegend mit einem Reifenschaden ausfällt.

Flugzeug seiner Airline stürzt ab

Lauda profiliert sich in der Folge als Flugunternehmer und Pilot. Der Absturz einer Boeing 767 in Thailand mit 223 Todesopfern markiert aber auch hier einen Punkt, an dem Lauda an einem Scheideweg steht. Und wieder bleibt er sich selber treu, geht unbeirrt weiter seinen Weg, steigt erst Ende 2000 aus dem Unternehmen aus. Drei Jahre später gründet er erneut eine eigene Fluglinie. Mit großem Erfolg.

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Er ist ein Rastloser, ein Tausendsassa. Ob Gastauftritte in Filmen, als Experte für die RTL-Kollegen, als Berater für Ferrari, Partner eines Leihwagenservice oder als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Formel-1-Teams. Lauda ist der Hansdampf in allen Gassen, nie um klare Worte verlegen, ein gern gesehener und gesuchter Gesprächspartner, der immer wieder auch aneckt. Und das ganz bewusst.

Nach einer schweren Lungenerkrankung werden ihm im August 2018 in Wien beide Lungenflügel transplantiert. Im Oktober 2018 wird er aus der Klinik entlassen. An die Rennstrecke ist er nicht mehr zurückgekehrt. Der ewige Fighter verliert seinen letzten Kampf am 20. Mai 2019. Die Welt trauert um eine Legende. Er wird unvergessen bleiben.

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