Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Spielberg - Andreas Seidl kehrt nach seiner erfolgreichen Zeit bei Porsche in die Formel 1 zurück. Erste positive Zeichen gibt es beim Traditionsteam. Die Hoffnung ruht auf 2021.

Es sind ungewohnte Laute, die da neuerdings durch das riesenhafte Motorhome von McLaren wabern.

Das R rollt, das A wird hier und da zum O, und die "Chance" ist eine "Schangse". Beim ur-britischen Formel-1-Team hat neuerdings ein Bayer das Sagen - und eine Mammutaufgabe vor der Brust.

Andreas Seidl soll die tief gestürzten Serien-Weltmeister von einst wieder zurück zu altem Glanz führen. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Anzeige

Seidl: "Unglaublicher Reiz für mich"

Das sei eine große Herausforderung, sagt Seidl vor dem Großen Preis von Österreich (Sonntag, ab 15.10 Uhr im LIVETICKER) im Gespräch mit dem SID, aber er habe kaum gezögert.

"Es hat einfach einen unglaublichen Reiz für mich, Teil dieses Teams mit dieser Historie zu sein", sagt er: "Hoffentlich kann ich meinen Beitrag leisten, damit McLaren wieder den Weg an die Spitze findet."

Dieser dürfte lang und steil werden. Der stolze Rennstall aus Woking war in den vergangenen Jahren bis ans Ende des Feldes abgerutscht, in die Bedeutungslosigkeit der Königsklasse. Für den Neustart fiel die Wahl der Macher nun nicht zufällig auf Seidl, der mit 43 Jahren bereits eine eindrucksvolle Vita aufweist.

Bereits bei BMW in der Formel 1

Von 2000 bis 2009 arbeitete Seidl als Ingenieur bei BMW in der Formel 1, später wechselte er zu Porsche - und führte den Sportwagenhersteller auf der Langstrecke zu drei Le-Mans-Siegen in Serie.

Wäre er bei den Zuffenhausenern geblieben, dann wäre Seidl dort heute Motorsportchef. Doch dann klopfte die Formel 1 an. "Ich bin ein Wettbewerbstyp, und ich wollte wieder in dieser Top-Kategorie arbeiten, wenn der Rahmen stimmt", sagt Seidl, und bei McLaren stimmt er nun. Wieder.

Jetzt aktuelle Fanartikel zur Formel 1 kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Rund um den Absturz seit dem Jahr 2015 mit Motorenlieferant Honda wurden in Woking viele Fehler gemacht.

Darauf angesprochen lächelt Seidl milde, er möchte nicht wirklich darüber reden. "Ich war ja nicht dabei", sagt er. Wichtig für ihn sei es, einen Überblick zu bekommen. "Ich führe viele Gespräche, an der Kaffeemaschine, an der Hotelbar, bin in vielen Meetings dabei", sagt Seidl, "weil ich verstehen will, wie die Firma tickt und wie die Atmosphäre ist."

Bei McLaren geht es bergauf

Und die ist schon jetzt besser als zuletzt. McLaren wechselte 2018 erneut den Antrieb, ist nun mit Renault-Motoren unterwegs, und es geht bergauf. (DATENCENTER: Die Teamwertung der Formel 1)

Mit dem Spanier Carlos Sainz jr. und dem jungen Briten Lando Norris steht man auf Platz vier in der Team-WM, das war nicht zu erwarten. Seidl betont aber, dass diese Entwicklung schon vor seiner Ankunft im Mai angeschoben wurde.

Ziel für die kommenden Jahre sei nun, den Abstand zu den Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull zu verkürzen - mehr ist ohne Großkonzern im Rücken in der modernen Formel 1 nicht möglich.

"Die Schere ist extrem auseinander gegangen", sagt Seidl, "nachhaltig kannst du als kleineres Team nicht mehr wettbewerbsfähig sein."

Meistgelesene Artikel

Dank Regeländerung Topteams angreifen

Ändern soll sich das ab 2021, dann greift das neue Reglement, unter anderem soll ein Budgetdeckel das Investitionsrennen der Großen stoppen.

"Das ist die einzige Möglichkeit, die großen Teams einzufangen und für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen", sagt Seidl. Dann wird irgendwann auch der eigene Windkanal in Woking fertig sein und dem Team neue Möglichkeiten geben.

Es tut sich eben etwas bei McLaren. Und Andreas Seidl soll voran gehen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image