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München - Nach dem aberkannten Sieg von Montreal holt Vettel zum Rundumschlag gegen die Formel 1 aus. Ist sogar ein Rückritt denkbar? SPORT1 bewertet seine Optionen.

An diesem Dienstag, zwei Tage nach dem – aus seiner Sicht – geklauten Sieg von Montreal dürfte die Nostalgie bei Sebastian Vettel am 80. Geburtstag von Formel-1-Legende Jackie Stewart noch einmal zusätzlich aufgekommen sein.

Auf der Pressekonferenz nach dem so unglücklichen Rennen in Kanada hatte Vettel keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr er den alten Zeiten des ehrlichen Racings nachtrauert.

"Ich bin ein Purist, denke gerne zurück an die alten Zeiten, die alten Autos, die alten Fahrer", sagte Vettel und bemängelte zugleich den aktuellen Zustand der Königsklasse: "Wir lassen keine Ecken und Kanten mehr zu."

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Aus Vettel spricht der Frust über die bislang enttäuschende Saison mit Ferrari, die Wut über die umstrittene Zeitstrafe und den damit verlorenen Sieg in Montreal. Aber nicht nur. "Das ist momentan nicht der Sport, in den ich mich verliebt habe als ich angefangen habe, zuzuschauen", sagte Vettel.

Der viermalige Weltmeister klingt müde, resigniert, desillusioniert. Manche glauben, dass Vettel trotz seiner erst 31 Jahre eine Vollbremsung einlegen und seine aktive Karriere abrupt beenden könnte. Ist das wirklich realistisch? SPORT1 nennt und bewertet Vettels Optionen.

- Karriereende nach der Saison

Wirft Vettel nach der Saison die Brocken einfach hin? "Ich traue es ihm zu. Auf der anderen Seite ist er viel zu jung dafür. Das spricht dagegen", sagte der heutige Experte und frühere Formel-1-Pilot Marc Surer der Bild und fügte hinzu: "Von der Stimmung her würde ich ihn sogar verstehen, wenn er sagt: 'Ich habe die Schnauze voll!'"

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Nach momentanem Stand ist ein Rücktritt zum Ende der Saison aber ausgeschlossen. "Ich bin sicher, dass ich dieses und nächstes Jahr in der Formel 1 fahren will", stellte Vettel in einem Interview mit der Sunday Times klar.

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- Schluss nach Vertragsende 2020 bei Ferrari

Eigentlich sollte Vettel bei Ferrari wie einst Michael Schumacher eine neue Erfolgs-Ära einläuten. Schumacher feierte in seinem fünften Jahr bei Ferrari den WM-Gewinn. Davon ist Vettel in seiner fünften Saison beim italienischen Kult-Team weit entfernt. Die Entwicklung stagniert eher. Sowohl Fahrfehler von Vettel als auch Pannen in der Verantwortung der Scuderia sorgen zudem immer wieder für empfindliche Rückschläge.

Zuletzt deutete Vettel an, dass er den Verbleib in der Formel 1 auch davon abhängig mache, wie die Regeln ab 2021 aussehen werden. Dann wird es ein neues technisches Reglement geben. Die Hoffnung von Vettel und Ferrari ist, dass damit die jahrelange Dominanz von Mercedes gebrochen werden könnte.

Vettels Vertrag bei Ferrari läuft aber nur noch bis 2020. Sollte bis dahin keine deutliche Besserung eintreten, ist eine Trennung durchaus vorstellbar. Zumal mit Charles Leclerc der Kronprinz Vettel schon im Nacken sitzt. Und die Zukunft bei Ferrari womöglich schon parat steht: Michael Schumachers Sohn Mick.

- Wechsel zu Mercedes

Sollte es für Vettel bei Ferrari nach 2020 nicht weiter gehen, hätte der gebürtige Heppenheimer eigentlich nur eine Top-Alternative. Eine Rückkehr zu Red Bull, wo Vettels Stern einst aufging, gilt als ausgeschlossen. Das Team des Brauseherstellers ist mit Max Verstappen top besetzt und setzt eher auf jüngere Fahrer.

Bliebe für Vettel nur ein Wechsel zu Mercedes.

Spekulationen um einen spektakulären Cockpit-Tausch von Vettel und Erzrivale Lewis Hamilton hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff unlängst mit zwei Aussagen ins Rollen gebracht. "Sebastian ist jemand, vor dem ich als Fahrer und als Mensch unheimlichen Respekt habe. Wer weiß, was die Zukunft bringt", sagte Wolff der Bild am Sonntag. In der Gazzetta dello Sport erklärte Wolff: "Man muss anerkennen, dass es möglicherweise im Kopf eines jeden Fahrers steckt, eines Tages für Ferrari zu fahren."

Soll heißen: Für Hamilton könnte ein Wechsel zu Ferrari interessant sein. Wie Vettels Vertrag bei Ferrari läuft auch Hamiltons Kontrakt bei Mercedes 2020 aus.

Schon 2017 soll es Gespräche zwischen Mercedes und Vettel gegeben haben. Damals hatte Vettel die WM-Wertung lange angeführt, musste sich am Ende aber Hamilton geschlagen geben.

Ein Wechsel zu Mercedes könnte Vettels Feuer neu entfachen.

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