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Hockenheim - Im Regen von Hockenheim gelingt Sebastian Vettel ein Befreiungsschlag. Bei seiner heldenhaften Aufholjagd nimmt er sich ein Beispiel an Oliver Kahn.

Als Sebastian Vettel beim womöglich finalen Showdown auf dem Hockenheimring heldenhaft vom Ende des Feldes auf Platz zwei vorgefahren war, hatte der viermalige Weltmeister sein Lächeln wiedergefunden.

Bei der Siegerehrung strahlte Vettel wie ein Sieger, bei der anschließenden Pressekonferenz scherzte der 32-Jährige fast wie ein kleiner Junge mit Triumphator Max Verstappen. "Es war hart, aber es hat unglaublich Spaß gemacht", sagte Vettel: "Jetzt bin ich einfach nur glücklich."

Im Wetterchaos behielt Vettel diesmal – im Gegensatz zu seinem Patzer als Führender im Vorjahr - einen kühlen Kopf und schaffte nach einer bislang so schwierigen Saison voller Pleiten, Pech und Pannen einen wichtigen Befreiungsschlag.

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"Schnapp dir das nächste Auto - und dann das nächste"

Bei seiner furiosen Aufholjagd machte es Vettel wie einst Torwart-Titan Oliver Kahn. "Ich habe gedacht: Weiter, immer weiter! Schnapp dir das nächste Auto, und dann das nächste", erklärte Vettel nach dem denkwürdigen Rennen nur 50 Kilometer von seinem Geburtsort Heppenheim entfernt.

Begünstigt durch den Regen und die teils glitschige Strecke, auf der auch Weltmeister Lewis Hamilton und Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas ausrutschten, sammelte Vettel einen Gegner nach dem anderen ein - und musste am Ende nur den fliegenden Holländer Verstappen vor sich dulden.

Kleiner Psychotrick: Vettel sieht rot statt oranje

Ein ähnlicher Husarenritt war Vettel 2012 geglückt, als er in Abu Dhabi - damals noch für Red Bull Racing - vom vorletzten Startplatz auf Rang drei gefahren war. Doch bei seinem Heimrennen hatte Vettels spektakuläre Aufholjagd einen emotional ungleich höheren Stellenwert.

"Es war unglaublich wie die Fans abgegangen sind", schwärmte Vettel. Bei der Pressekonferenz enthüllte er gegenüber Verstappen mit einem Augenzwinkern sogar einen kleinen Psychotrick. Er habe sich einfach vorgestellt, dass die vielen regennassen Oranje-Shirts rote Trikots der Ferrari-Fans seien.

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Dabei hatte Vettel am Tag zuvor im Qualifying noch den nächsten Tiefpunkt erlebt, als er wegen eines defekten Turboladers keine gezeitete Runde zustande bringen konnte.

Vettel: "Das Auto, das ganze Team und ich waren fertig"

Vettel machte keinen Hehl daraus, wie hart der Samstag, aber auch die Wochen zuvor an ihm nagten. "Das Auto, das ganze Team und ich waren fertig", sagte Vettel: "Wir sind in letzter Zeit durch eine harte Periode gegangen. Es gab einige Kritik, zum Teil auch berechtigt."

"Das hat Sebastian gebraucht. Das gibt ihm wieder Ansporn", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

Die schwierige Phase, in der es sogar immer wieder Gerüchte um einen Rücktritt gab, soll mit dem Befreiungsschlag von Hockenheim der Vergangenheit angehören. "Wir arbeiten hart. Wir hoffen, dass es nun vorwärts geht", sagte Vettel und beschwor Einigkeit mit den Fans: "Es ist wichtig, dass auch sie den Glauben an uns nicht verlieren und uns unterstützen."

Vorsichtige Kampfansage an strauchelnden Hamilton

Hinter Hamilton (225 Punkte), Bottas (184) und Verstappen (162) liegt Vettel mit nunmehr 141 Zählern zwar weiter auf Rang vier.

Doch einmal in Fahrt richtete Vettel im WM-Kampf sogar eine ganz vorsichtige Kampfansage an Hamilton: "Ich gehe zwar nicht davon aus, dass Mercedes auch in den weiteren Rennen ohne Punkte bleibt. Aber die Saison ist noch lang. Es liegt an uns."

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