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Mexiko-Stadt und München - Formel-1-Pilot Max Verstappen verliert nachträglich die Pole Position beim Großen Preis von Mexiko. SPORT1 erklärt, weshalb die FIA den Red-Bull-Piloten bestraft.

Damit hatte Max Verstappen nicht gerechnet.

Der Red-Bull-Pilot war sich sicher, beim Großen Preis von Mexiko von der Pole Position aus ins Rennen gehen zu können, auch wenn er seine Bestzeit nach dem heftigen Unfall von Valtteri Bottas unter gelber Flagge herausfuhr. (DATENCENTER: Ergebnis des Qualifyings aus Mexiko)

Schließlich hätte er auch ohne die letzte Runde, die ihm zum Verhängnis wurde, Platz eins sicher gehabt.

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Ferrari profitiert von Verstappen-Strafe

Doch die FIA entschied anders. Nach langem Warten wurde schließlich doch eine Anhörung mit dem 22-Jährigen angesetzt. Dreieinhalb Stunden nach dem Ende des Qualifyings war es Gewissheit: Verstappen wird um drei Plätze nach hinten versetzt, kassiert zudem zwei Strafpunkte.

Die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Sebastian Vettel profitieren, Leclerc startet vor Vettel nun von der Pole. Lewis Hamilton, der am Sonntag Weltmeister werden kann, rückt auf Rang drei vor. (Formel 1: Rennen in Mexiko ab 20.10 Uhr im LIVETICKER)

Doch wieso nun die Strafe für Verstappen? Es gibt gute Argumente, die für eine Verurteilung sprechen. Jedoch gibt es auch welche, die den Niederländer entlasten.

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SPORT1 erklärt, weshalb die FIA Verstappen die Pole Position aberkannte.

Als Valtteri Bottas als zweiter der Spitzengruppe in Kurve 17 in die Mauer crashte, fuhr von den Topleuten lediglich Ferrari-Pilot Leclerc vor ihm. Alle anderen erreichten nach dem Finnen besagte Stelle.

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Verstappen fährt unter gelber Flagge Bestzeit

Hamilton kam als erstes, ihm folgte Sebastian Vettel. Verstappen fuhr hinter Vettel ins Ziel. Im Gegensatz zum Deutschen verringerte der Niederländer in der letzten Kurve jedoch sein Tempo nicht.

Im Gegenteil: Verstappen verbesserte seine vorher gefahrene Bestzeit noch einmal um rund zwei Zehntelsekunden. Die Fernsehkameras zeigten jedoch deutlich, dass in besagter Kurve eine gelbe Flagge geschwenkt wurde.

Nach einem Gespräch mit Verstappen und Auswertung der Telemetrie-Daten entschieden die Stewards, dass der Red-Bull-Pilot "versuchte, eine sinnvolle Rundenzeit zu fahren und seine Geschwindigkeit nicht reduziert hat."

Die F1-Regularien besagen jedoch, dass ein Fahrer bei geschwenkter gelber Flagge sein Tempo verringern muss und keine Bestzeit erzielen darf. Auf die Frage, ob er abgebremst habe, entgegnete Verstappen: "Sah nicht so aus, oder?"

Verstappen befürchtete eigenen Angaben zufolge jedoch keine gravierenden Konsequenzen. "Das spielt doch keine Rolle, oder? Man wird mir die Rundenzeit streichen, aber die andere Runde war ja auch gut", sagte er. Auch seine vorher gefahrene Runde hätte zur Pole gereicht.

Jedoch gab es in der Vergangenheit schon ähnliche Fälle, in denen Fahrer härter als mit dem Verlust der Rundenzeit bestraft wurden.

Gelb oder doppelt-gelb?

In Spa 2017 hatte Williams-Pilot Felipe Massa im Samstagstraining doppelt geschwenkte Flaggen missachtet. Er verlor fünf Startpositionen und bekam drei Strafpunkte auf seine Formel-1-Lizenz.

Doch waren es doppelt oder einfach geschwenkte gelbe Flaggen, die nach dem Bottas-Crash gezeigt wurden? "Es war klar, dass es doppelt Gelb war. Ich sah Valtteri in der Streckenbegrenzung, Leute sprangen auf die Strecke zum Helfen. Es war klar, dass du da vom Gas gehen musst", erklärte Vettel.

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Eine einfach gelbe Flagge zu missachten wäre nicht ganz so schlimm, doch wurde auch eine solche Verstappen selbst bereits einmal zum Verhängnis. In Sotschi 2018 missachtete der Red-Bull-Pilot diese und wurde um drei Plätze nach hinten versetzt. Zusätzlich gab es zwei Strafpunkte.

Gelbe Flaggen am Lenkrad nicht angezeigt?

Doch hat Verstappen die Flagge überhaupt sehen können? Da er in der Rechtskurve in Richtung Strecke geschaut haben dürfte, könnte ihm die links geschwenkte Flagge durchaus entgangen sein. Doch bei jeder geschwenkten Flagge bekommt der Fahrer auch ein Signal am Lenkrad. Zudem hat Verstappen zugegeben, den Unfall gesehen zu haben.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erklärte bei Sky, die Flaggen seien nicht zu übersehen gewesen. Seine Piloten hätten die entsprechende Warnung auch am Lenkrad erhalten.

Dr. Helmut Marko, Sportchef von Red Bull, widersprach: "Die FIA hat es verpasst, gelb auf das Display zu geben. Sobald der Ingenieur gelb sieht, warnt er den Fahrer und darauf verlässt er sich", sagte er zu Motorsport-Magazin.com. Auf den TV -Bildern ist jedenfalls kein Blinken im Verstappen-Cockpit zu sehen. Berichten zufolge soll Bottas mit seinem Crash die FIA-Sensoren zerstört haben, die das Signal ans Cockpit des Fahrers weiterleiten.

Doch es gibt noch einen Punkt, der Verstappen hätte entlasten können. Jeder Sektor ist in Mini-Sektoren unterteilt. Im letzten Mini-Sektor - in diesem crashte Bottas - war Verstappen langsamer als bei seiner Bestzeit. Doch seine Aussagen auf der Pressekonferenz, nicht vom Gas gegangen zu sein, dürften diesen Punkt entkräftet haben.

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