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München - Es geht um mehr, als dass Sebastian Vettel und die Scuderia ihre Zusammenarbeit beenden. Fehlentscheidungen, Materialpannen und Führungspatzer lassen den ganzen Mythos Ferrari bröckeln.

An diese Zeiten denkt man in Maranello gerne zurück.

Zwischen 2000 und 2004 bejubelte man bei der Scuderia gleich fünfmal in Folge einen Weltmeister in Rot. In der Konstrukteurs-WM lief es sogar noch besser, dort durfte man sich sechsmal hintereinander über den Titel Weltmeister freuen.

Dass es bei Ferrari seinerzeit so rund lief, lag an einer außergewöhnlichen Mischung. Auf der Rennstrecke begeisterte Michael Schumacher mit seinen Manövern, doch auch im Hintergrund funktionierte alles exzellent.

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Superhirn Ross Brown und Strategieweltmeister Jean Todt garantierten einen starken Boliden und reibungslose Abläufe.

Bereits Jahrzehnte zuvor hatte die Scuderia die Fans der Königsklasse begeistert. Zwischen 1975 und 1977 krönte sich alleine der inzwischen verstorbene Niki Lauda zweimal zum Champion. Doch warum versprüht ausgerechnet die Scuderia über Jahre hinweg einen besonderen Zauber?

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1950 wurde der Rennstall von Enzo Ferrari gegründet – kein Team ist länger in der Formel 1 vertreten. "Normalerweise müsste man sagen: Jeder Ferrari ist auch nur ein Stück Blech. Aber in seinen Autos lebt Enzo Ferrari weiter – der große alte Mann, der macht den Unterschied", konnte sich auch Lauda dem Zauber nicht entziehen.

Doch langsam beginnt der Mythos zu bröckeln.

Viele Fehler bei Ferrari

Mit Kimi Räikkönen feierte 2007 zum bislang letzten Mal ein Ferrari-Fahrer den WM-Titel, seitdem fährt man meistens hinterher. 2015 glaubte man mit der Verpflichtung von Sebastian Vettel endlich an die Wende. Der viermalige Champion aus Deutschland sollte den Glanz vergangener Tage zurückbringen, doch das gelang nicht. 

Seit nunmehr fünf Jahren versucht sich der Heppenheimer im Cockpit der Roten. Dass es in dieser Zeit mit einem Titel nicht geklappt hat, liegt aber wahrlich nicht nur an Vettel selbst.

Pleiten und Pannen pflastern reihenweise den Weg. Strategiefehler am Kommandostand, diverse Defekte am Auto und so banale Fehler wie das Aufziehen von Regenreifen bei trockener Fahrbahn haben die Scuderia in den zurückliegenden Jahren schon so manchen Sieg gekostet.

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Binotto muss durchgreifen

Aber auch die Fahrer blieben nicht immer ohne Fehler. So rammten sich Vettel und Teamkollege Charles Leclerc beim Großen Preis von Brasilien 2019 beispielsweise gegenseitig von der Strecke. 

Doch auch in der Führungsebene hakt es. Während es Toto Wolff bei den Silberpfeilen meisterhaft gelingt, Aufgaben zu delegieren und das große Ganze im Blick zu haben, verliert man sich bei der Scuderia zu sehr in Details. Der neue Teamchef Mattia Binotto agiert häufig zu sehr als Techniker denn als Teamchef. Bei den Streitigkeiten seiner beiden Piloten ließ er im vergangenen Jahr so manches Mal eine klare Haltung vermissen.

Zudem hat man sich mit einigen Regelverstößen bei Konkurrenz und Anhängern unbeliebt gemacht. 

2019 glänzten die roten Boliden vor allem auf den Geraden mit einem erstaunlichen Topspeed. Nachdem sich mehrere Teams über Unregelmäßigkeiten an der Ferrari-Power-Unit beschwert hatten, wurden die Regularien der FIA angepasst. Prompt fuhr die Scuderia nur noch hinterher.

Vettel ohne Titel?

Dass es für Sebastian Vettel bei Ferrari zu keinem Titel gereicht hat, ist zwar für beide Seiten ärgerlich, aber nicht ungewöhnlich. Nur 38 von 76 Fahrern, die je für die Scuderia an den Start gegangen sind, konnten überhaupt ein Rennen gewinnen. Zudem blieben neben Vettel noch fünf weitere Fahrer, die mit einem WM-Titel nach Maranello wechselten, ohne Trophäe. 

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Mit insgesamt 14 Grand-Prix-Siegen ist Vettel sogar der dritt-erfolgreichste Fahrer in der Geschichte des Rennstalls.

Dennoch haben beide Parteien nun einen Schlussstrich unter die gemeinsame Arbeit gezogen und angekündigt, dass der Deutsche den Rennstall nach der Saison verlässt. Mit der Verpflichtung von Carlos Sainz hat das Team aber bereits die Weichen für die Zukunft gestellt. 

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Mit zwei jungen Piloten soll endlich der Angriff auf einen großen Titel gestartet werden. Doch das Team muss sich in Acht nehmen. Nicht nur, dass Mercedes in der kommenden Saison wie immer Titel-Ansprüche hegt, mit Dauerkonkurrent Red Bull und den aufstrebenden McLaren ist die Konkurrenz nicht weit.

Auch der Blick auf die Statistik macht nicht unbedingt Mut. Zwischen dem WM-Titel von Jody Scheckter 1979 und dem ersten Titel von Schumacher im Jahr 2000 lagen insgesamt 21 Jahre. Manchmal dauert es eben seine Zeit, ehe in der Formel 1 eine neue Ära anbricht.

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