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Ferrari ist aktuell in der Formel 1 nur ein Schatten seiner selbst. Nach der Blamage beim Großen Preis von Ungarn muss Mattia Binotto nun Macht abgeben.

Lastete tatsächlich zu viel Verantwortung auf den Schultern von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto?

Fakt ist: Ferrari reagiert auf die sportliche Misere zum Saisonstart 2020 und strukturiert die Technikabteilung um. Enrico Cardile wird Chef des neuen Entwicklungs-Departments. Damit gibt Teamchef Mattia Binotto indirekt Macht ab.

Zuvor haben Experten immer wieder kritisiert, dass Ferrari eine One-Man-Show von Binotto sein. Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sagte beispielsweise dem italienischen Sender Rai: "Die heutigen Probleme sind auf die Organisation zurückzuführen. Eine einzige Person trägt viel Verantwortung."

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Nun zieht Binotto aus der Krise also erste Konsequenzen und erklärt: "Wir nehmen Änderungen an der technischen Seite der Organisation vor, um das Design und die Entwicklung im Bereich der Fahrzeugleistung zu beschleunigen. Diese Richtungsänderung war nötig, um klare Linien in Verantwortlichkeit und Arbeitsabläufe zu ziehen und gleichzeitig unser Vertrauen in die technischen Talente unserer Firma zu stärken. Die Abteilung von Enrico Cardile wird auf die Erfahrung von Rory Byrne und etablierten Ingenieuren wie etwa David Sanchez setzen können."

Restrukturierung als Hoffnungsschimmer

Interessant: Byrne war Chefdesigner in der Erfolgsära von Michael Schumacher und arbeitete Hand in Hand mit Ross Brawn.

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Cardile ist 45 Jahre alt und kam 2005 in der GT-Sparte zu Ferrari. 2016 wechselte er in die Formel-1-Abteilung, war zuletzt Aerodynamikchef unter Technik- und Teamchef Binotto. Der gibt ihm jetzt mehr Macht.

Die Restrukturierung ist bitter nötig. Beim Ungarn-GP wurden die beiden Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel und Charles Leclerc überrundet. Das passierte das letzte Mal beim Regen-Chaosrennen von Silverstone 2008. Binotto: "Auf diese Mängel müssen wir mit Kraft und Entschlossenheit reagieren, um so schnell wie möglich wieder ganz oben in diesem Sport zu stehen. Das ist das, was unsere Fans auf der ganzen Welt erwarten und was wir auch alle wollen."

Binotto stärkt Team den Rücken

Die anderen Posten bleiben unberührt: Teamchef bleibt Mattia Binotto, Sportdirektor Laurent Mekies, Chef des Antriebsstrangs ist Enrico Gualtieri und Chef der Chassisabteilung Simone Resta.

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Binotto gibt sich optimistisch: "Wir glauben, dass die Mitarbeiter von Ferrari auf höchstem Niveau sind und wir brauchen uns in dieser Hinsicht vor unseren Konkurrenten nicht zu verstecken, aber wir mussten eine entscheidende Änderung vornehmen und die Messlatte in Bezug auf die Verantwortlichkeiten der Abteilungsleiter höher legen."

Kritik an Vettel-Aus

Ein wichtiger Angestellter geht den Italienern dennoch Ende der Saison verloren: Sebastian Vettel. Nachdem der Deutsche in Ungarn seine eigene Reifen-Strategie machte und den Kommandostand bei der Gummi-Wahl überstimmte, scherzt man im Fahrerlager: Ferrari verliert nicht nur den Vierfach-Champion sondern auch den besten Strategen im Team.

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Auch di Montezemolo kritisiert Vettels Rauswurf: "Jetzt ist der Druck auf Teamkollege Charles Leclerc noch größer. Wir dürfen nicht vergessen, dass er sehr jung ist, dass er erst seit dem vergangenen Jahr bei Ferrari ist und noch nichts gewonnen hat. Ferraris Probleme sind nicht die Piloten, sondern das Auto, das nicht wettbewerbsfähig ist."

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