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München - Nach dem Monza-GP 2000 bricht Michael Schumacher vor Journalisten in Tränen aus. Für die Fans der Scuderia ein Wendepunkt in der Beziehung zu dem Deutschen.

Im September 2000 überschlägt sich die italienische Presse.

Die Corriere della Sera schreibt: "Mit seinen Tränen nimmt der Computer-Pilot ein Bad in der Menschlichkeit. Auch im Leben von Supermännern gibt es Momente, in denen sie wieder menschlich werden. Schumacher weint, weil er in Monza zum Menschen geworden ist."

Was ist passiert? Michael Schumacher und Mika Häkkinen fechten in der Saison 2000 einen packenden Titelkampf aus. Zuerst sieht es gut aus für Schumacher, im fünften Jahr endlich den langersehnten Titel für Ferrari zu holen. Doch dann wendet sich das Blatt. Mit einem sensationellen Überholmanöver während des Überrundens von Ricardo Zonta entzaubert Häkkinen den Deutschen in Spa und reist als WM-Führender nach Monza – zum Ferrari-Heimspiel.

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Der Druck auf Schumacher ist riesig. Seit 21 Jahren wartet Ferrari auf einen WM-Titel. 1997 der Rammstoß gegen Jacques Villeneuve, 1998 die Niederlage im Finale gegen Häkkinen, 1999 der Beinbruch – Schumachers Karriere bei Ferrari gleicht bis dato einem Thriller. 

Schumacher steht unter Druck 

Gleichzeitig wirkt er gegenüber den emotionalen Tifosi, wie die Ferrari-Fans in Italien genannt werden, wie ein Kühlschrank: berechnend, analytisch, zu wenig euphorisch. Viele Zuschauer haben es dem Deutschen auch nie verziehen, dass er beim Imola-GP 1994 als Sieger jubelt, während mit Ayrton Senna die F1-Legende schlechthin gerade ihr Leben verlor.

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Gewiss: Senna wurde erst nach dem Rennen für tot erklärt, aber viele ahnten bereits anhand der Unfallbilder die Katastrophe. 

Mit diesem Felsbrocken auf der Seele reist Schumacher nach Monza. Der Ferrari-Star holt die Pole Position und verteidigt am Start auch die Führung. Doch dahinter bricht Chaos aus: Die beiden Jordan-Piloten Heinz-Harald Frentzen und Jarno Trulli geraten aneinander, reißen Rubens Barrichello und David Coulthard mit ins Aus. Dahinter überschlägt sich Pedro de La Rosa und bleibt neben Barrichellos Ferrari kopfüber liegen. Trümmer fliegen herum - und Reifen. 

Die TV-Kameras fangen Szenen ein, wie Formel-1-Arzt Sid Watkins versucht, einem Menschen das Leben zu retten. Wegen des orangen Overalls vermuten viele TV-Kommentatoren zuerst, dass es sich dabei um De La Rosa handelt, der im orangen Arrows fährt und sich ja so spektakulär überschlagen hat.

Schwerer Startunfall mit Todesfolge 

Bald aber wird klar: Es handelt sich um einen Streckenposten, der von einem herumfliegenden Rad getroffen wurde. Allen Rettungsversuchen zum Trotz überlebt Paolo Gislimberti diesen Unfall nicht. 

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Es ist der erste Todesfall in der Formel 1 seit Sennas Tod 1994. Wieder gewinnt Schumacher, dieses Mal vor seinem Titelgegner Häkkinen. Dritter wird Ralf Schumacher im BMW-Williams, der Jos Verstappen im Arrows-Supertec hinter sich hält. 

Michael Schumacher siegte vor Mika Häkkinen und Bruder Ralf
Michael Schumacher siegte vor Mika Häkkinen und Bruder Ralf © Getty Images

Das Besondere am Sieg des Kerpeners: Er gewinnt sein 41. Formel-1-Rennen. Auf den ersten Blick keine besondere Zahl. Für Formel-1-Fans aber schon: 41 Rennen hat auch der legendäre Ayrton Senna gewonnen. In der Pressekonferenz darauf angesprochen, bricht Schumacher in Tränen aus. Häkkinen packt ihn am Kragen und tröstet ihn. Auch er gibt das Wort an Ralf Schumacher weiter. 

Alles zu viel für Schumacher

Millionen von Menschen sehen am TV-Bildschirm die Formel-1-Maschine Michael Schumacher weinen.

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Später erinnert er sich: "An diesem Tag war alles zu viel für mich. Unmittelbar vor dem Rennen erfuhr ich, dass ein alter Bekannter einen Herzinfarkt hatte. Dann war da der Zwischenfall mit dem Streckenposten. Erschwerend kam noch der Druck hinzu. Wir mussten unbedingt gewinnen. Die Nachricht, dass ich Ayrtons Anzahl an Siegen egalisiert hatte, brachte das Fass dann zum Überlaufen. Für mich war er immer der Beste. Ich habe mich nie auf eine Stufe mit ihm gestellt. Und auf einmal war da dieser Beleg."

Am Ende des Jahres macht Schumacher den Titel perfekt – es ist der dritte seiner Karriere. So viele hat auch Senna... 

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