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Lance Stroll (l.) sorgte beim Qualifying in Istanbul für eine Sensation
Lance Stroll (l.) sorgte beim Qualifying in Istanbul für eine Sensation © Getty Images
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München - Sebastian Vettels künftiger Teamkollege überraschte mit der Pole beim Chaos-Qualifying in Istanbul alle - und sammelt weiter Argumente gegen die Skeptiker.

Mit diesem Coup hat definitiv niemand gerechnet: Lance Stroll ist der 101. Fahrer der Formel-1-Geschichte, der ein Rennen von der Pole-Position aus in Angriff nehmen wird.

Natürlich hat dabei der Regen geholfen, natürlich auch die Strategie von Racing Point, von Anfang an auf Intermediate-Reifen für Mischverhältnisse statt auf vollwertige Regen-Pneus zu setzen. Aber es war auch eine grandiose und fehlerfreie Fahrt vom Sohn des kanadischen Mode-Milliardärs und Team-Investors Lawrence Stroll.

"Ich bin schockiert", rang Lance Stroll selbst um Worte: "Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen soll. Nie im Leben hätte ich nach dem dritten Training mit solch einem Ergebnis gerechnet." (Formel 1: Rennen zum Großen Preis der Türkei ab 11.10 Uhr im SPORT1-Liveticker)

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Jacques Villeneuve kritisierte Lance Stroll hart

Selbst, wenn man alle Rennen des Teams seit dem Debüt als Jordan 1991 heranzieht, ist es erst die vierte Pole-Position für den vielfach gehäuteten Rennstall, in dem einst auch Michael Schumacher sein Debüt gefeiert hatte - nach Rubens Barrichello beim Belgien-GP 1994, Heinz-Harald Frentzen beim Frankreich-GP 1999 und Giancarlo Fisichella beim Belgien-GP 2009.

Für Stroll, mit 22 Jahren noch immer sehr jung, ist das ein wichtiger Befreiungsschlag. "Das war wirklich verrückt! Ich habe einige sehr schwierige Wochen hinter mir. Seit dem dritten Platz in Monza konnte ich nicht mehr punkten, dann kam Corona. Ich hatte Unfälle und seltsame Zwischenfälle, es war einfach der Wurm drin", blickt er zurück.

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Immer wieder muss er auch herbe Kritik einstecken, besonders von Jacques Villeneuve. Der Weltmeister von 1997 war beim Europa-GP 1997 der letzte Kanadier vor Stroll, der eine Pole-Position in der Formel 1 holte. Er bezeichnet seinen jungen Landsmann wiederholt als einen der schlechtesten Fahrer im Feld. An Stroll perlt das ab: "Im Grunde beachte ich kaum, was er sagt. Das ist doch immer nur negativ. Von ihm kam noch nie auch nur ein unterstützendes Wort."

Milliardärssohn als Paydriver verschrien

Doch Villeneuve ist kein Einzelfall. Immer wieder wird Stroll als Paydriver betrachtet, der es nur in die Formel 1 geschafft habe, weil sein Vater ein Vermögen von 2,6 Milliarden US-Dollar (Stand September 2020) angehäuft und damit unter anderem das Racing-Point-Team gekauft hat.

Stroll junior sieht das naturgemäß anders: "Aus meiner Sicht funktioniert das so - zunächst brauchst du jemanden, der dich unterstützt. Die Familie oder ein Sponsor. Das hilft beim Schritt vom Kart in den Rennwagen oder von Kanada nach Europa. Aber dann bist du auf dich alleine gestellt. Geld kauft keine Siege. Denn egal wie viel Unterstützung du hast, aufs Gaspedal trittst nur du allein."

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Bald Teamkollege von Sebastian Vettel

Aber wie gut ist Stroll wirklich? Die Frage treibt die Fans hierzulande um, immerhin wird er ja bald zum neuen Teamkollegen von Sebastian Vettel. Der Deutsche wechselt 2021 zum Racing-Point-Team, das dann als Aston Martin antreten wird - weil Stroll senior sich auch die Mehrheit des britischen Traditionsherstellers gekauft hat. Stroll wird nach Nick Heidfeld, Vitantonio Liuzzi, Sébastien Bourdais, Mark Webber, Daniel Ricciardo, Kimi Räikkönen und Charles Leclerc der achte Teamkollege von Vettel.

Seit Australien 2017 fährt er in der Formel 1, stieg als Formel-3-Europameister mit Williams in die Königsklasse auf, ohne in der Formel 2 weiter die Schuldbank für künftige GP-Stars zu drücken. Ein mutiger Schritt. Seitdem sind 74 Grands Prix vergangen.

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Meistens hatte Stroll gegen seine Teamkollegen wie Felipe Massa und Sergio Pérez keine Chance – trotzdem ist er da, wenn es etwas zu holen gibt. Wie an diesem Wochenende im Qualifying, wie mit Rang drei in Monza, oder aber auch wie bei Platz drei beim Baku-GP 2017 - als er als zweitjüngster Fahrer der Geschichte aufs Podium fuhr. Er war dabei nur elf Tage älter als Max Verstappen in Spanien 2016.

"Nur ein Zufallstreffer", redete Villeneuve den Podestplatz 2017 klein. Und Monza 2020? Hier hätte Stroll als Führender einer Safetycar-Phase kurz vor Schluss eigentlich gewinnen müssen, verpatzte aber den Restart und kam daher nur auf Rang drei. Der Sieg ging an Pierre Gasly im langsameren Auto (Alpha Tauri). Den endgültigen Beweis seiner Klasse ist Stroll noch schuldig - umso spannender wird das Duell gegen Vettel in der kommenden Saison.

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