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Selbst der Meister kam nicht ungeschoren davon: Dreher-Orgie in Birmingham
Selbst der Meister kam nicht ungeschoren davon: Dreher-Orgie in Birmingham © IndyCar
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Im Barber Motorsports Park fuhren die IndyCar-Akteure am Freitag geschätzt überall hin - was die Probleme am Freitag waren und warum weiteres Ungemach droht.

Haben die IndyCar-Piloten das Fahren verlernt? Diesen Eindruck hätte man am Freitag leicht bekommen können, denn es gab Dreher ohne Ende in den Freien Trainings. Selbst die größten Namen konnten nicht entkommen: Josef Newgarden und Simon Pagenaud, die beiden jüngsten Meister der IndyCar-Serie, drehten sich beide in Kurve 5 raus. Die Spitzkehre war grundsätzlich Hotspot für Abflüge aller Art: Untersteuern, Übersteuern, geradeaus in den Kies - die Streckenposten hatten alle Hände voll zu tun.

Mehrere Faktoren kamen zusammen. Zum einen die völlig neue IndyCar-Aerodynamik mit viel weniger Anpressdruck als in der Vergangenheit. Es ist das erste Mal, dass mit den neuen Aerokits auf einer natürlichen Rennstrecke gefahren wird. Zwar hatte es im März einen Test im Barber Motorsports Park gegeben, doch dieser wurde von Regen durchkreuzt, sodass kaum regulärer Testbetrieb möglich war.

Mehrere Faktoren ausschlaggebend

Die Schwierigkeit mit den neuen Aerokits besteht darin, dass früher gebremst werden muss, weil es weniger Abtrieb und weniger Luftwiderstand gibt. Die Autos kommen also schneller an und verzögern weniger gut. Dadurch ist der Bremspunkt in Kurve 5 genau auf die Kuppe gerutscht. Dort wird das Fahrzeug leicht und die Hinterreifen neigen aufgrund der dynamischen Achslastverschiebung mitten auf der Kuppe beim Anbremsen zum Blockieren. Sowohl Newgarden als auch Pagenaud segelten so ins Aus.

Das Problem ließe sich mit der Zugstufe im Dämpfersystem beheben: Ein schneller ausfedernder Dämpfer würde die Hinterreifen auf den Boden drücken. Das würde jedoch Nachteile an anderen Stellen der Strecke bedeuten, beispielsweise durch weniger williges Einlenkverhalten der Boliden in anderen Kurven.

Josef Newgarden, der im zweiten Training die Bestzeit markierte, sieht noch einen anderen Grund: "Es war wegen des Windes sehr schwierig. Heute kam er in Kurve 5 von hinten, gleiches gilt für Kurve 12." Damit ist die Kompression gemeint, die in die Reihe von Rechtskurven im letzten Sektor der Strecke führt. Auch hier wurden Fahrzeuge schlicht von der Strecke geweht. "Das ist die schwierigste Windrichtung überhaupt für diese Strecke", findet Newgarden. "Aber am Samstag wird es sich um 180 Grad drehen."

Damit wird die Wetterentwicklung keineswegs am Ende sein: Am Sonntag droht das erste IndyCar-Regenrennen seit Jahren. Aufgrund der neuen Aerokits wäre das absolutes Neuland für alle. "Wir müssen viele Änderungen für Regen vornehmen, weil wir viel weniger Abtrieb haben", konstatiert der Penske-Pilot. "Man hat viel weniger Druck von oben, der einen auf die Strecke presst."

Die IndyCars produzieren den meisten Abtrieb neuerdings am Unterboden. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten und höherer Bodenfreiheit im Regen wird dieser Effekt jedoch konterkariert. Und so kann es gut sein, dass die Freitags-Abflüge nur der Anfang gewesen sind...

© Motorsport-Total.com

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