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Brad Keselowski siegte nach Darlington und Indianapolis nun auch in Las Vegas
Brad Keselowski siegte nach Darlington und Indianapolis nun auch in Las Vegas © LAT
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Dritter Sieg in Folge für Brad Keselowski und 500. Penske-Sieg der Teamgeschichte - Hälfte der 16 Playoff-Teilnehmer mit Crash, Dreher oder Reifenschaden

Brad Keselowski (Penske-Ford) hat in der entscheidenden Phase der NASCAR-Saison 2018 einen regelrechten Lauf. Nachdem er in Darlington und Indianapolis die letzten beiden Rennen der Regular-Season für sich entschieden hat, siegte er auch am Sonntag in Las Vegas beim äußerst turbulenten Auftaktrennen in die Playoffs. Mit diesem Sieg ist Keselowski frühzeitig in die zweite Playoff-Stufe vorgerückt, die erst am 7. Oktober in Dover beginnen wird.

Beim South Point 400, der Erstauflage eines Herbstrennens der NASCAR-Topliga auf dem Las Vegas Motor Speedway, setzte sich Keselowski am Sonntag nach 272 Runden, die im Zeichen von zwölf Gelbphasen, einer Rotphase und einer Verlängerung (Overtime) standen, durch. Indes mussten nicht weniger als acht der 16 Playoff-Teilnehmer herbe Rückschläge hinnehmen, weil sie selber crashten, in Crashs verwickelt wurden, sich von der Strecke drehten oder einen Reifenschaden erlitten.

Der Jubel von Brad Keselowski in der Victory Lane war umso größer, weil er für ein historisches Jubiläum gesorgt hat. Für Penske nämlich ist es der sage und schreibe 500. Sieg in der Teamgeschichte über alle Rennserien hinweg gerechnet. Für den ersten Sieg dieser eindrucksvollen Erfolgsserie hatten Dick Guldstrand/George Wintersteen/Ben Moore bei den 24 Stunden von Daytona 1966 gesorgt.

Stage 1: Frühe Probleme für Larson - Truex Jr. vorn

Nachdem Erik Jones (Gibbs-Toyota) im Qualifying am Freitag etwas überraschend auf die Pole-Position gefahren war, währte die Führung des 22-Jährigen denkbar kurz. Noch in der ersten Rennrunde wurde Jones sowohl von Joey Logano (Penske-Ford) als auch von seinem eigenen Gibbs-Teamkollegen, Lokalmatador Kyle Busch, überlaufen.

Beim ersten Boxenstopp-Durchgang, der um Runde 40 unter Grün eingelegt wurde, verlor Logano die Führung an Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford). Zwischenzeitlich aber holte sich Regan Smith, der im Leavine-Chevrolet bis auf Weiteres für den bei Hitze mit Ermüdungsproblemen kämpfenden Kasey Kahne einspringt, ein paar Führungsrunden ab. Nachdem Harvick seinerseits ein paar Runden Führungsarbeit verrichtet hatte, wurde er von Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) abgelöst.

Kurz vor der ersten Stage-Flagge in den Playoffs gab es die ersten größeren Probleme für einen der 16 Titelkandidaten: Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet) musste außerplanmäßig unter Grün die Box aufsuchen, weil der rechte Vorderreifen komplett am Ende war. Damit geriet der Ganassi-Pilot, der obwohl er 2018 noch sieglos ist, als Geheimfavorit auf den Finaleinzug gehandelt wird, früh in Rundenrückstand.

Runde 80 bedeutete das Ende von Stage 1 und da hatte Truex Jr. den Playoff-Punkt für den Stage-Sieg sicher. Die Playoff-Punkte für Stage-Siege und Rennsiege werden ebenso wie die Bonuspunkte (Top 10 in Stage 1 und 2) bis einschließlich des vorletzten Saisonrennens (Phoenix; 11. November) weiter zusammengerechnet. Erst zum Finale (Homestead; 18. November) mit vier punktgleichen Titelkandidaten verfallen alle Playoff- und Bonuspunkte. Hinter Truex Jr. gingen die Plätze zwei und drei im ersten Rennsegment der Playoffs an Harvick und an Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet).

Stage 2: Crash Harvick/Jones nach "Russisch Roulette"

Beim Restart zu Beginn von Stage 2 führte Martin Truex Jr. vor Alex Bowman, nachdem der beim routinemäßigen Boxenstopp unter Gelb an Kevin Harvick vorbeigekommen war. Was folgte, waren zwei kurz aufeinanderfolgende Gelbphasen aufgrund von Zwischenfällen, die Fahrer außerhalb des Playoffs-Feldes betrafen: Mauerkontakt von Ricky Stenhouse (Roush-Ford) und Reifenschaden bei Ty Dillon (Germain-Chevrolet).

Brad Keselowski führte dank schneller Arbeit seiner Boxencrew unter Gelb den insgesamt dritten Restart an. Doch genau wie in Stage 1 mit Harvick, so machte Truex Jr. nun auch mit Keselowski nach wenigen Runden kurzen Prozess und setzte sich abermals auf der Strecke in Führung. Apropos Harvick: Für ihn war wenig später Feierabend, denn ein Reifenschaden in Turn 1 führte kurz vor Ende von Stage 2 zum Crash in die äußere Streckenbegrenzung.

Harvick war aber nicht der einzige, der bei dieser Gelegenheit die Segel streichen musste. Denn von Harvicks Reifenschaden abgelenkt, krachte der von der Pole-Position gestartete Erik Jones direkt dahinter ebenfalls in die Mauer und schließlich ins Heck des #4 Stewart/Haas-Ford. Damit verbuchten schon vor Beginn des letzten Rennsegments zwei Playoff-Teilnehmer einen Ausfall. Es sollten nicht die letzten bleiben...

"Anfangs lag das Auto großartig, aber seit dem Boxenstopp stimmte etwas nicht. Mit diesen Schrottreifen war das wie Russisch Roulette", so Harvick sichtlich angefressen. Jones bemühte sich um mehr Kontenance: "Das ist natürlich enttäuschend. Jetzt müssen wir nächste Woche zurückschlagen", sagte der Gibbs-Youngster, der von Harvicks Reifenschaden "überrascht" wurde. Komplett leer gehen Harvick und Jones aber nicht aus, weil sie in Stage 1 die Plätze zwei beziehungsweise acht belegt hatten und damit zumindest noch ein paar Bonuspunkte einstreichen.

Unbeeindruckt davon wurde Keselowski an der Box abermals in Führung gebracht und der Penske-Pilot verteidigte diese auch beim Restart. Wenige Runden später sah er die zweite Stage-Flagge als Erster und hatte damit einen wichtigen Playoff-Punkt in der Tasche. Die Plätze zwei und drei gingen in Stage 2 an Kurt Busch (Stewart/Haas-Ford) und Truex Jr. Unter anderem auch Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet; 4.) und sogar der nach frühem Rundenrückstand aufholende Kyle Larson (10.) holten sich in diesem Segment ebenfalls Bonuspunkt(e).

Stage 3: Crash Elliott/McMurray läutet wildes Schluss-Segment ein

Das dritte und entscheidende Rennsegment begann mit einem Reifenpoker. Ryan Blaney (Penske-Ford) fasste in der Gelbphase beim Stage-Übergang nur zwei frische Reifen auf. Derweil blieben die Ganassi-Teamkollegen Jamie McMurray und Kyle Larson sowie Trevor Bayne (Roush-Ford), Paul Menard (Wood-Ford) und Kyle Busch komplett draußen. McMurray, Bayne und Menard freilich gehören nicht zum Kreis der Playoff-Fahrer.

Beim Restart übernahm Larson die Führung von McMurray, musste sie nach wenigen Runden aber an den rundum frisch bereiften Brad Keselowski abgeben. Wie in Stage 2, so gab es auch diesmal kurz nach Stage-Beginn für einen Zwischenfall eines Nicht-Titelkandidaten Gelb: William Byron (Hendrick-Chevrolet) krachte in die Mauer. In der Boxengasse derweil unter Gelb das gewohnte Bild: Die #2 Penske-Crew von Keselowski arbeitete souverän.

So führte Keselowski das Feld mit noch 80 zu fahrenden Runden erneut an, gefolgt von Larson, der aber umgehend von Keselowskis Penske-Teamkollegen Logano und Blaney sowie von Truex Jr. überlaufen wurde. Doch so stark Keselowski dank seiner Penske-Crew in der Boxengasse war, so stark war Furniture-Row-Pilot Truex Jr. auf der Strecke. 65 Runden vor Schluss übernahm er zum dritten Mal aus eigener Kraft die Führung im Rennen - zum zweiten Mal gegen Keselowski.

Kurz darauf erwischte es den nächsten Playoff-Teilnehmer. Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) krachte in Turn 3 in den Ganassi-Chevrolet von McMurray und daraufhin in die Mauer. Auslöser war, dass McMurray seinen Camaro mit Reifenschaden hinten rechts aus der Kontrolle verloren hatte. Der Grund dafür wiederum war ein Mauerkontakt wenige Sekunden zuvor in Turn 2, bei dem der Reifen beschädigt wurde. Während McMurray nicht im Titelkampf dabei ist, musste Elliott als dritter Fahrer nach Kevin Harvick und Erik Jones in eben diesem Titelkampf einen frühen herben Rückschlag hinnehmen. Er sollte nicht der letzte bleiben...

"Ich habe ihn gerade so noch erwischt und mir dabei die Schulter angeschlagen. Das wird nächste Woche aber kein Problem mehr sein. In Richmond müssen wir zurückschlagen", so Elliott mit Verweis darauf, dass er den Kontakt mit McMurray beinahe hätte vermeiden können. Beim Boxenstopp, der 50 Runden vor Schluss unter Gelb eingelegt wurde, kam abermals Keselowski als Führender wieder aus der Boxengasse. Doch beim Restart übernahm sofort Logano die Spitze von seinem Penske-Kollegen.

Larson übernimmt "Three-Wide" die Führung

35 Runden vor der Zielflagge erwischte es den nächsten Titelkandidaten. Diesmal er es Kyle Busch. Vor heimischem Publikum verlor er seinen Gibbs-Toyota eingangs Start/Ziel aus der Kontrolle, drehte sich ins Gras und beschädigte sich dabei leicht den Frontsplitter. Damit erlitt nach Harvick, Jones und Elliott nun auch der Champion der Regular-Season einen Rückschlag beim Playoff-Auftakt.

Unter Gelb an der Box wurde "natürlich" auch bei diesem Boxenstopp wieder Keselowski am schnellsten abgefertigt und erneut in Führung gebracht. Was folgte war der spektakulärste Restart des Rennens: Aus der zweiten Reihe kommend ging Larson auf der Außenbahn neben Spitzenreiter Keselowski, während es auf der Innenbahn Truex Jr. probierte. Zu dritt nebeneinander durch die Turns 1/2 fahrend, kam es eingangs der Gegengerade zur leichten Berührung Larson vs. Keselowski, doch der Ganassi-Pilot setzte sich für den Moment durch.

Damit war das Drama aber noch lange nicht zu Ende. Als es in die letzten 20 Runden ging, erwischte es nämlich den fünften Playoff-Teilnehmer. Nur wenige Runden nach dem Dreher von Kyle Busch ausgangs Turn 4 drehte sich an derselben Stelle dessen Gibbs-Teamkollege Denny Hamlin auf vergleichbare Art und Weise ins Gras. Der Schaden am Toyota Camry mit der Startnummer 11 war aber größer als an jenem mit der 18. Für Hamlin war das Rennen gelaufen. "Ich habe das Limit des Autos einfach überfahren. Alles in allem war es ein schlechter Tag", so das Geständnis von Hamlin.

Serie von Reifenschäden - Crash um Kurt Busch

Beim Restart überholte Keselowski Larson und holte sich damit die Spitze zurück. Doch nur wenige Sekunden später gab es schon wieder Gelb. Diesmal war es Ricky Stenhouse, der auf der Gegengerade nach Kontakt von A.J. Allmendinger (JTG-Chevrolet) heftig in die innere Streckenbegrenzung krachte, sich aber selbst aus seinem zerstörten Roush-Ford befreien konnte.

Beim Restart verteidigte Keselowski die Führung, aber im dichten Pulk fingen sich die Hendrick-Piloten Jimmie Johnson und Alex Bowman bei unabhängigen Berührungen jeweils einen Reifenschaden ein und fielen weit zurück. Damit stieg die Zahl der strauchelnden Playoff-Teilnehmer auf sieben. Aufgrund diverser Reifenteile auf der Strecke gab es nochmals - zum elften Mal in diesem Rennen - Gelb.

Beim vorletzten Restart balgten sich die Penske-Piloten Keselowski und Logano um die Führung, während es eine knappe Runde später in Turn 4 letztmals krachte. Auslöser für diese zwölfte Gelbphase, die schließlich eine zehnminütige Rotphase und eine Verlängerung des Rennens auf den Plan rief, war ein Crash von Playoff-Kandidat Kurt Busch mit den beiden Front-Row-Teamkollegen Michael McDowell und David Ragan. Kurt Busch war somit der achte von 16 Playoff-Kandidaten in argen Schwierigkeiten.

Beim Overtime-Restart agierte Keselowski souverän und kreuzte zwei Runden später zum dritten Mal in Folge als Sieger die Ziellinie. Platz zwei ging an nach starkem Comeback in diesem Rennen an Kyle Larson, Platz drei an Martin Truex Jr., Platz vier an Joey Logano und Platz fünf an Ryan Blaney. Während Keselowski den historischen 500. Sieg in der Teamgeschichte von Penske sicherstellte, fuhren somit auch seine beiden Teamkollegen in die Top 5.

Playoff-Zwischenstand nach wildem Auftakt

Unterm Strich lagen beim Fallen der Karierten Flagge dieses turbulenten Rennens nur sieben der 16 Playoff-Teilnehmer in den Top 10. Bestplatzierter Fahrer im Rennergebnis, der nicht zum Kreis der Titelanwärter gehört, war Daniel Suarez (Gibbs-Toyota), der hinter Aric Almirola (Stewart/Haas-Ford; 6.) und seinem eigenen Gibbs-Teamkollegen Kyle Busch den achten Platz belegte. Busch hat mit dem siebten Platz den Schaden nach seinem Dreher in Stage 3 noch im Rahmen gehalten.

Am Ende der 16-köpfigen Playoff-Tabelle liegen nach dem wilden Titelkampf-Auftakt nun Jimmie Johnson, Chase Elliott, Erik Jones und Denny Hamlin. Diese vier Fahrer wären aktuell nicht für die zweite Playoff-Stufe qualifiziert, haben aber noch zwei Chancen, das Blatt noch zu wenden.

Indes kann Brad Keselowski als Einziger schon jetzt bis zum 7. Oktober in Dover ruhig schlafen, weil er den Sprung in die "Round of 12" der Playoffs bereits geschafft hat. Die übrigen 15 Titelkandidaten werden versuchen, es ihm mit einem Sieg entweder am kommenden Wochenende in Richmond oder am darauffolgenden Wochenende auf dem "Roval" in Charlotte gleichzutun. Das Rennen in Richmond steigt am kommenden Samstagabend unter Flutlicht. Es ist das einzige echte Nachtrennen in den Playoffs 2018.

© Motorsport-Total.com

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