vergrößernverkleinern
Fotofinish: Joey Logano siegt vor Denny Hamlin und Martin Truex Jr.
Fotofinish: Joey Logano siegt vor Denny Hamlin und Martin Truex Jr. © John Harrelson / LAT Images
teilenE-MailKommentare

Joey Logano gewinnt packenden Auftakt der "Round of 8" der Playoffs und zieht vorzeitig ins NASCAR-Finale 2018 ein - Martin Truex Jr. auf der Ziellinie geschlagen

Packendes Fotofinish beim letzten Short-Track-Rennen der Monster Energy NASCAR Cup Series 2018, dem First Data 500 auf dem Martinsville Speedway! In den letzten Runden kämpften Langzeitspitzenreiter Joey Logano (Penske-Ford) und der nach Rückversetzung vom Feldende gestartete Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) verbissen um die Führung.

In Turn 3 der letzten Runde lag Truex Jr. nach zuvor rundenlangem harten Kampf knapp vorn, bekam dann aber einen ganz leichten Stoß von Logano. Truex Jr. konnte sich zunächst vorn halten, aber beim gemeinsamen Drift aus Turn 4 heraus in Richtung Ziellinie setzte sich Logano im spektakulären Fotofinish nicht nur knapp gegen Truex Jr., sondern auch gegen den herannahenden Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) durch. Hamlin fing Truex Jr. im Kampf um P2 ganz knapp noch ab.

Derweil hat Logano mit seinem dramatischen Sieg bei der ersten Gelegenheit das Ticket für das Finale am 18. November in Homestead gelöst. Truex Jr. ist genau dieses vorzeitige Sicherstellen des Finaleinzugs durch die Finger gerannt. Hamlin kämpft nicht mehr um den diesjährigen Titel und hat "nur" seinen ersehnten ersten Saisonsieg 2018 um Zentimeter verpasst.

"Das ist Racing. Darum geht es", so Loganos erste Worte in der Victory Lane, um anzufügen: "Wir werden in diesem Jahr den Titel gewinnen." Zur Erinnerung: Loganos Penske-Teamkollegen Brad Keselowski und Ryan Blaney wurden am vergangenen Wochenende auf dem Kansas Speedway aus dem Titelkampf eliminiert.

Truex Jr. freilich sieht das anders. Denn die erste Reaktion des Unterlegenen lautet in Bezug auf Logano und dessen Aussichten für das Finale in drei Wochen in Homestead: "Er mag hier die Schlacht gewonnen haben, aber er wird nicht den verdammten Krieg gewinnen."

Stage 1: Johnson-Dreher - Hamlin vor Titelkandidaten

Während Titelverteidiger Martin Truex Jr. infolge eines Vergehens bei der Technischen Inspektion nach dem Qualifying von hinten starten musste, führte Polesitter und Vorjahressieger Kyle Busch (Gibbs-Toyota) das Feld auf die 500 Runden lange Martinsville-Reise. Nach 30 Runden übergab Busch die Führung an seinen Gibbs-Teamkollegen Denny Hamlin.

In Runde 44 brachte Rückkehrer Jeb Burton (Ware-Chevrolet) mit einem Crash in Turn 2 die erste Gelbphase heraus und läutete damit die erste Boxenstopp-Sequenz ein. Kyle Busch holte sich dank des besten Boxenplatzes direkt am Ausgang der Boxengasse die Führung zurück und hatte nun Joey Logano als ersten Verfolger. Nach einem Dreher des neunmaligen Martinsville-Siegers Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) führte Busch auch den nächsten Restart an und hatte bald wieder Hamlin im Nacken sitzen.

Nachdem Busch insgesamt 100 Runden angeführt hatte, fand Hamlin abermals einen Weg vorbei. Und als nach 130 Runden das erste der drei Rennsegmente (Stages) beendet war, hatte Hamlin den Stage-1-Sieg in der Tasche. Da er jedoch nicht mehr zum Kreis der Playoff-Teilnehmer zählt, war Kyle Busch als Zweiter in diesem Segment der größte Abräumer, was Bonuspunkte für die Playoff-Wertung betrifft. Als Dritter sah Logano die erste Stage-Flagge des Rennens. Der vom Feldende gestartete Truex Jr. holte als Siebter vier Bonuspunkte.

Stage 2: Logano im Fotofinish knapp vor Hamlin

Beim Boxenstopp unter Gelb beim Übergang zu Stage 2 kollidierte Playoff-Teilnehmer Clint Bowyer (Stewart/Haas-Ford) nach P4 in Stage 1 mit William Byron (Hendrick-Chevrolet) in der Boxengasse. Unbeeindruckt davon übernahm Joey Logano an der Box die Spitze und verteidigte diese beim Restart gegenüber Denny Hamlin. Diesmal aber war Kyle Busch der auf dem Longrun stärkere Gibbs-Pilot. Er zog an Hamlin vorbei und machte sich auf die Verfolgung von Logano.

Im Gegensatz zu Stage 1 gab es in Stage 2 keine Gelbphase aufgrund eines Zwischenfalls. Und aufgrund der Kürze der Strecke - Martinsville ist mit nur 0,526 Meilen beziehungsweise 846 Metern der kürzeste Kurs im gesamten NASCAR-Kalender - brauchte es auch keine Boxenstopps unter Grün. Der nach Stage 1 eingefüllte Sprit reichte bis zum Ende von Stage 2.

Logano blieb schließlich vorn, aber es war knapp. Denn Hamlin und Busch hatten inzwischen doch wieder die Positionen getauscht und weil sich Logano bei der Überrundung von Jimmie Johnson lange Zeit schwertat, rückte ihm Hamlin massiv auf den Pelz. So ging es schon mit einem Fotofinish ins Ziel von Stage 2. Johnson hielt sich dabei im Gegensatz zu Playoff-Fahrer Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford) gerade so in der Führungsrunde. Der Stage-Sieg und damit zehn Bonuspunkte für die Playoff-Wertung gingen aber an Logano, der sich um wenige Zentimeter vor Hamlin behauptete. Dritter wurde Kyle Busch.

Stage 3: Truex Jr. setzt sich nach Start von hinten in Szene

Den Restart, der den Rennbetrieb im dritten und entscheidenden Segment eröffnete, entschied erneut Joey Logano klar für sich, nachdem er beim Boxenstopp unter Gelb die Führung behalten hatte. Waren die Stages 1 und 2 jeweils 130 Runden lang und theoretisch mit einer Tankfüllung zu bewältigen (was in Stage 2 auch praktisch so war), so war dies in Stage 3 nicht möglich. In diesem letzten Segment standen 240 Runden auf dem Plan.

Nun bekam Logano nicht nur von Hamlin Druck, sondern auch von dem vom Ende des Feldes gestarteten Martin Truex Jr. Nach P7 in Stage 1 und P4 in Stage 2 übernahm der Furniture-Row-Pilot in der 360. von insgesamt 500 Rennrunden die Spitze. Keine zehn Runden nachdem die Führung im Rennen gewechselt hatte, gab es erstmals seit Stage 1 wieder Gelb aufgrund eines Zwischenfalls. Und nachdem es zuvor Jimmie Johnson mit Dreher gewesen war, wurde diese Gelbphase nun durch einen Dreher von Johnsons Hendrick-Teamkollege William Byron ausgelöst.

Die Spitzengruppe kam geschlossen an die Box und bei der Ausfahrt verteidigte Truex Jr. die Führung knapp vor Logano. Beim Restart hielt sich der Titelverteidiger ebenfalls noch knapp vor dem bis dahin in diesem Rennen dominierenden Penske-Piloten. Nur wenigen Runden später aber holte sich Logano die Führung zurück. Lange Freude an weiteren Führungsrunden unter Grün hatte er aber nicht, denn weil am MBM-Toyota von Timmy Hill die linke vordere Bremsscheibe explodierte und ein Feuer züngelte, gab es erneut Gelb.

Keselowski setzt Logano massiv zu

Und diesmal wurde gezockt. Während die Spitze auf der Bahn blieb, kamen in Person von Clint Bowyer, Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet), Aric Almirola (Stewart/Haas-Ford) und Kevin Harvick vier der acht Playoff-Teilnehmer nur wenige Runden nach dem vorangegangenen Boxenstopp erneut zum Service. Hintergrund dieser Entscheidung war auch das Wetter, denn von Westen zogen bedrohliche Regenwolken auf, die es in Frage stellten, dass das Rennen über die volle Distanz von 500 Runden geht. Letzten Endes hielt sich der Regen doch zurück.

Beim Restart gab Logano mit seinen älteren Reifen das Tempo vor, musste aber wie schon beim vorangegangenen kurz darauf wieder vom Gas. Der nicht mehr in den Playoffs mitfahrende Kyle Larson rief mit rauchendem Ganassi-Chevrolet eine Gelbphase auf den Plan. Diesmal verzichteten alle auf einen Boxenstopp und es ging in der gleichen Konstellation weiter wie beim Restart zuvor. Wieder verteidigte Logano zunächst die Führung, bekam nun aber ganz andere Konkurrenz: seinen eigenen Penske-Teamkollegen Brad Keselowski, der im Gegensatz zu Logano selbst nicht mehr in den Playoffs vertreten ist.

Keselowski ging an Logano vorbei und übernahm damit bei noch 80 zu fahrenden Runden erstmals die Führung in diesem Rennen. Knapp 40 Runden später verlor Logano nach einem langen und engen Zweikampf auch die zweite Position - an Denny Hamlin, der genau wie Keselowski nicht mehr um den diesjährigen Titel kämpft, aber ebenso wie dieser um den Rennsieg fightete.

Packendes Fotofinish mit Logano, Truex Jr. und Hamlin

Doch gerade als Hamlin sein Manöver gegen Logano vollendet hatte, gab es wieder Gelb. Clint Bowyer hatte sich nach Berührung durch Jimmie Johnson gedreht und damit wichtige Punkte im Titelkampf verloren. Johnson allerdings war zwischen Bowyer und Daniel Suarez (Gibbs-Toyota) eingeklemmt und drehte Bowyer nicht mit Vorsatz um.

Die Spitzengruppe kam zum letzten Boxenstopp. Dabei gelangte Logano dank schneller Arbeit seiner Penske-Crew wieder in Führung, gefolgt von Kyle Busch. Indes fielen Keselowski und Hamlin in der Boxengasse auf die Positionen drei und vier zurück. Nun ging es also mit zwei Playoff-Teilnehmern in der ersten Reihe zum letzten Restart.

Logano führte den Restart vor Busch an, während der Gibbs-Pilot unter Druck von Keselowski, Hamlin und Truex Jr. geriet. Keselowski ging am Busch vorbei und nahm damit abermals die Verfolgung seines führenden Teamkollegen auf. 17 Runden vor Schluss war Keselowski fast neben Logano, musste aber noch einmal zurückstecken. Trotz mehrmaligen Anklopfens kam Keselowski nicht an Logano vorbei - im Gegenteil: Weniger als zehn Runden vor Schluss ging Truex Jr. an Keselowski vorbei und übernahm Rang zwei.

Wenige Runden später hatte Truex Jr. auch das Heck von Logano erreicht, setzte sich daneben und schaffte es nach rundenlangem Seite-an-Seite-Fahren eingangs der letzten Runde tatsächlich, die Führung zu übernehmen. Doch Logano war noch nicht geschlagen. In Turn 3 der letzten Runde gab er dem Furniture-Row-Toyota einen ganz leichten Stoß. Truex Jr. konnte sich zunächst vorn halten, kam aber quer aus Turn 4 heraus. Logano driftete innen neben ihm ebenfalls und das machte ganz innen die Lücke für Hamlin auf.

Letzten Endes aber behielt Logano im Fotofinish mit drei Fahrzeugen denkbar knapp die Oberhand und hat sich damit den Einzug ins Finale erfahren. Derweil hat Truex Jr., der Fahrer des #78 Furniture-Row-Toyota, auch beim 78. Short-Track-Rennen seiner Karriere nicht auf diesem Streckentyp gewonnen. So knapp wie diesmal schrammte er allerdings noch nie dran vorbei.

Playoff-Zwischenstand: Vier Fahrer in Zugzwang

Hinter den Top 3 Logano, Hamlin und Truex Jr. kamen Kyle Busch und Keselowski in den Top 5 ins Ziel. In den Top 10 lagen unterm Strich sechs der acht Playoff-Teilnehmer, denn Kurt Busch (Stewar/Haas-Ford) wurde Sechster, Chase Elliott Siebter und Kevin Harvick Zehnter.

Während Logano mit seinem packenden Sieg das Finalticket für Homestead vorzeitig gelöst hat, befinden sich vier andere Playoff-Teilnehmer im Zugzwang, da sie aktuell auf den vier hinteren der acht Playoff-Plätze liegen: Kurt Busch, Chase Elliott, Clint Bowyer und Aric Almirola. Die beiden letztgenannten sahen die Zielflagge auf P11 (Almirola) und P21 (Bowyer).

Alle vier - Kurt Busch, Elliott, Bowyer, Almirola - haben das Problem, dass sie die mit zahlreichen Bonuspunkten ausgestatteten "Big 3" - Kyle Busch, Harvick, Truex Jr. - vor sich haben. Ein Finaleinzug erscheint daher für die vier Wackelkandidaten bei normalem Verlauf der Dinge fast nur noch mit seinem Sieg möglich.

Das zweite Rennen der "Round of 8" in den Playoffs steigt am kommenden Wochenende auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth. Eine Woche später fällt in Phoenix die endgültige Entscheidung darüber, welche vier Piloten in Homestead den NASCAR Cup-Titel 2018 unter sich ausfahren.

© Motorsport-Total.com

Nächste Artikel
previous article imagenext article image