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Die Formel 1 kehrt nach Zandvoort zurück
Der Circuit Park Zandvoort feiert 2018 sein 80-jähriges Bestehen © Getty Images
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Zandvoort - Im Motorsport ist Tradition meist mit Namen verbunden. Ein großer Name ist der Circuit Park Zandvoort. Seit 80 Jahren werden dort bereits Rennen gefahren.

Der Circuit Park Zandvoort ist eine Rennstrecke in Nordholland. Seinen Namen hat der Circuit von dem gleichnamigen Ort Zandvoort. Die Zandvoort Rennstrecke liegt an der Burgermeester van Alphenstraat 108. Die ersten Rennen in Zandvoort wurden bereits vor dem Streckenbau (ab 1940) veranstaltet. Die Formel 1 gastierte mit Unterbrechungen von 1952 bis 1985 auf dem Kurs. Insgesamt wurde der Große Preis der Niederlande 30 Mal ausgetragen.

Baubeginn war während des Zweiten Weltkriegs

Aufgrund der historischen Umstände hat die Rennstrecke eine kuriose Entstehungsgeschichte. Das erste Rennen in Zandvoort wurde am 3. Juni 1939 organisiert und war damit das erste Autorennen überhaupt in den Niederlanden. Damals wurde noch auf einer normalen Straßenrennstrecke gefahren.

Der große Erfolg der Veranstaltung veranlasste den damaligen Bürgermeister Van Alphen, eine permanente Rennstrecke zu bauen. Aber dann kam der Krieg dazwischen und die Baupläne wurden zunächst unterbrochen. Bis Van Alphen die deutschen Besatzer mit einer List dazu brachte, den Bau zu genehmigen. Offiziell wurde die Rennstrecke als eine Paradestrecke für die Wehrmacht ausgewiesen.

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So wurde der Streckenbau 1940 begonnen und bis zum Kriegsende fortgesetzt. Im August 1948 konnte die Rennstrecke dann feierlich eröffnet werden. Der erste Gewinner eines Rennens auf dem Circuit de Zandvoort war Prinz Bira von Siam.

Die Ära der Formel 1 – Der Große Preis der Niederlande

Der Kurs erwarb sich sehr schnell einen ausgezeichneten Ruf im Motorsport, weshalb die Strecke bereits 1952 als “Großer Preis der Niederlande“ in den Formel 1-Rennkalender aufgenommen wurde. In den Folgejahren trugen sich so ziemlich alle Größen der Formel 1-Geschichte in die Siegerlisten ein: Juan Manuel Fangio, Graham Hill, Jackie Stewart, Nicki Lauda oder Alain Prost, um nur einige zu nennen.

Der Fluch der Rennstrecke Zandvoort

Die goldenen Anfangsjahre der Rennstrecke erlebten ab 1970 einen erheblichen Dämpfer. Beim Grand Prix 1970 verunglückte der britische Fahrer Peris Courage tödlich. Am “Tunnel Oost“ verlor Piers die Kontrolle über sein Auto und starb bei dem Crash.

Die Strecke wurde darauf aus dem Rennkalender genommen und umfangreichen Sicherheitsumbauten unterzogen. 1973 kehrte die Formel 1 zurück und erlebte den nächsten Schicksalsschlag.

Diesmal war es der Brite Roger Williamson, der dem Park Zandvoort zum Opfer fiel. Er verbrannte nach einem Unfall in seinem Rennwagen. 1980 kam es dann zum bisher letzten Todesfall, als der deutsche Rennfahrer Hans-Georg Büchner im Rahmen der Formel-2-EM tödlich verunglückte.

Das Ende der Formel 1 in Zandvoort

1985 verabschiedete sich die Formel 1 dann für 35 lange Jahre vom Circuit Park Zandvoort. Erst 2020 ermöglichte der Verstappen-Hype eine Rückkehr auf die niederländische Traditionsstrecke.

Aber das war nicht das Ende des Motorsports auf der Traditionsstrecke. Heute ist die DTM ein ständiger Gast. Zudem finden neben den festen DTM-Rennen regelmäßig niederländische Meisterschaften und die Tourenwagen-Weltmeisterschaft auf der Rennstrecke Zandvoort statt.

Ein weiteres jährliches Highlight ist der Historic Grand Prix von Zandvoort. Seit 2012 wird das dreitägige Event organisiert, an dem historische Autos der Formel 1 und „Le Mans“- Sportprototypen teilnehmen.

Die Kurscharakteristik

Im Laufe der Zeit wurden an der Strecke zahlreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Im Großen und Ganzen wurde das Streckendesign fünfmal verändert. Dabei wurde die Streckenlänge von 4.193 Metern (1948 – 1971) auf 4.320 Meter (1999 – heute) erhöht.

Die typische Charakteristik der Strecke resultiert aus der Umgebung. Sie ist direkt in der Dünenlandschaft am Strand der Nordseeküste platziert und gleicht daher eher einem Naturkurs als einem designeten Rennkurs.

Die Strecke wird von mehreren Hügeln geprägt, was zu einem ständigen Auf und Ab führt – die reinste Achterbahnfahrt. Dazu ist der Asphalt immer mit Sand von den Dünen bedeckt, was höchste Ansprüche an die Fahrer und Autos stellt. Dementsprechend ist Zandvoort auch immer eine große Herausforderung an die Reifen.

Circuit Park Zandvoort – Streckenprofil
Das Streckenprofil des Circuit Park Zandvoort © Circuit Zandvoort

Die heutige Streckenführung beinhaltet 13 Kurven, neun Rechts- und vier Linkskurven. Eine der bekanntesten Kurven ist „Tarzan Corner“ direkt nach dem Start. Dies ist eine 180-Grad-Rechts-Kehre, die mit ihrer langen Anfahrt auch die beste Überholmöglichkeit bietet.

Einer Legende nach soll sie nach einem Bewohner Zandvoorts benannt sein, der sein Grundstück für den Bau der Rennstrecke nur bereitstellen wollte, wenn eine Kurve nach ihm benannt wird.

Rekorde in Zandvoort

Die meisten Siege in einem Formel 1-Grand Prix in Zandfoort konnte Jim Clark (1963, 1964, 1965, 1967) feiern. Niki Lauda (1974, 1977, 1985) und Jackie Stewart (1968, 1969, 1973) trugen sich je dreimal in die Siegerliste ein.

Ferrari dominierte mit acht Konstrukteurssiegen (1952, 1953, 1961, 1971, 1974, 1977, 1982, 1983). Lotus war sechsmal erfolgreich (1963, 1964, 1965, 1967, 1970, 1978). Mercedes war im Park Zandvoort nur einmal erfolgreich - 1955 mit Juan Manuel Fangio.

Der erste und einzige Deutsche, der den Grand Prix der Niederlande für sich entscheiden konnte, war Wolfgang von Trips mit Ferrari (1961).

Den Rekord für die schnellste Runde in einem Formel 1-Rennen stellte Nelson Pique mit 1:11:074 min auf (1985).

Beim DTM Zandvoort ist aktuell Mattias Ekström mit vier Siegen der erfolgreichste Fahrer (2002, 2004, 2008, 2014).

Die beste DTM-Marke ist Audi mit zehn Siegen (2002, 2004, 2006, 2007, 2008, 2011, 2012, 2014, 2016, 2018).

Den DTM-Rekord für die schnellste Runde hält der Franzose Loic Duval mit 1:29:168 min (2017).

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