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Das waren noch gute Zeiten: Toyota gegen Audi und Porsche in der LMP1-Klasse
Das waren noch gute Zeiten: Toyota gegen Audi und Porsche in der LMP1-Klasse © LAT
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DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck analysiert den LMP1-Herstellerschwund in der WEC: "Preis-Leistungs-Verhältnis hat nicht mehr gestimmt"

Von einst vier Herstellern in der LMP1-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) ist im kommenden Jahr maximal nur noch Toyota übrig. Die Verantwortlichen von ACO und FIA arbeiten derzeit am Regelwerk für die Jahre ab 2020. Das neue Reglement soll wieder Werke in die Topkategorie locken. Bis dorthin gilt es, einen möglichst spannenden Wettbewerb mit Privatteams zu gewährleisten. "Porsche hat die richtige Entscheidung getroffen. Traurig, aber nicht zu ändern", sagt DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck.

Nach Nissan (2015), Audi (2016) hat sich nun auch Porsche aus der LMP1-Kategorie zurückgezogen. "Die Veranstalter hätten mehr auf die Hersteller hören und aus den Erfahrungen ihre Lehren ziehen sollen. Jetzt bekommen sie die Quittung", meint Stuck. "Jetzt bleibt nur noch Toyota. Der Glücksfall ist, dass sie in der Szene bleiben, allein schon, weil nun Alonso kommen wird. Auch wenn sie allein fahren. Wenn Alonso in Le Mans siegt, ist das eine mega Geschichte, die Idee ist nicht schlecht."

"Was man aber verpasst hat, ist, dass man rechtzeitig mit den Serienverantwortlichen dafür gesorgt hat, dass es nicht zu weit geht. Man hätte dafür sorgen müssen, dass es nicht ausufert. Nur dann hätten neue Hersteller kommen können", erklärt der zweimalige Le-Mans-Sieger. Die technologischen Hürden waren zu hoch, die Kosten jenseits der Vernunft. "Am Beispiel Nissan hat man gesehen, wie unheimlich schwierig so etwas ist", sagt Stuck. Die Japaner waren 2015 kläglich gescheitert.

Technologie als Kostentreiber: Rechnet sich nicht mehr

"Einer der Gründe war bestimmt auch, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis in der LMP1-Klasse bei diesen hohen Kosten nicht mehr stimmt. Im Motorsport haben wir das Problem, dass alles immer schneller, höher, weiter gehen muss. Das holt einen irgendwann immer ein", meint der langjährige Repräsentant des Volkswagen-Konzerns. "Das war in der DTM so und in der Formel 1 ebenso. Durch dieses extreme Streben nach immer Höherem, kommt man ans Limit: bei Budgets und bei Ressourcen."

"Nach einigen Jahren in einer Szene stellt man sich in Automobilkonzernen die Frage, ob das, was man dort tut, wirklich richtig ist. Das sind ganz normale Prozesse in solchen Unternehmen. Dem muss man sich stellen", erklärt TMG-Boss Rob Leupen. "Wir haben da in der LMP1, oder vielmehr in der gesamten WEC nicht ausreichend gut zusammengearbeitet. Nach dem Ausstieg von Audi ging das sehr viel besser, aber dann kam nun der Ausstieg von Porsche."

"Aus meiner Sicht ging im Jahr 2015 so etwas die Bodenhaftung verloren. Damals hätte man die Serie nachhaltiger aufstellen müssen", sagt der Niederländer. "Bis dorthin war alles gut, aber 2015 hätte man nicht so weit zielen sollen, sondern vielleicht etwas überschaubare Schritte planen müssen. Es gab plötzlich aus dem Nichts ein weiteres Rennen, es gab Diskussionen um ein drittes Hybridsystem, das zum damaligen Zeitpunkt nicht in unserem Sinne war. Die Kosten sind zu stark nach oben gegangen."

© Motorsport-Total.com

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