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Rebellion kommt mit dem von Oreca gebauten R 13 in die LMP1-Klasse
Rebellion kommt mit dem von Oreca gebauten R 13 in die LMP1-Klasse © Oreca
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Innerhalb von nur sieben Monaten von einem Oreca 07 zum Rebellion R 13: So läuft die Entwicklung des neuen LMP1-Autos beim erfolgreichen Hersteller aus Signes

Rebellion kehrt zur WEC-Supersaison 2018/19 in die LMP1-Klasse der Langstrecken-WM zurück. Die Schweizer lassen beim Prototypenhersteller Oreca einen brandneuen Wagen entwickeln. Der Rebellion R 13 soll Ende März erste Kilometer abspulen, bevor am ersten Aprilwochenende der sogenannte Prolog der WEC in Le Castellet auf dem Programm steht. Für die Entwicklung des LMP1-Autos bleiben Oreca insgesamt nur sieben Monate, daher muss das LMP2-Chassis als Basis dienen.

"Das Monocoque ist das gleiche, aber das Auto rundherum wird sich erheblich vom LMP2 unterscheiden", sagt Oreca-Technikchef David Floury im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Man dürfe sich trotz der Anlehnung an bewährtes LMP2-Material auf ein besonderes Auto freuen. "Das Konzept wird ganz anders sein als alles, was wir bisher produziert haben. Die Basis ist aber gleich, weil uns einfach die Zeit fehlt, ein komplett neues Monocoque zu entwickeln, es zu bauen und homologieren zu lassen."

"Wir haben folgende Themen im Fokus: Gewicht, Aerodynamik, Kinematik sowie Motorenintegration inklusive Elektronik und Kühlung. Alle Bereiche also", sagt Floury. Im Heck des Rebellion R 13 wird ein Gibson-V8-Motor arbeiten, der seine Wurzeln im aktuellen Standard-Aggregat der LMP2-Klasse hat. Der Antrieb ist von den Briten umfangreich überarbeitet worden, auch dank neuer Elektronik kann man angeblich rund 680 PS abrufen.

"Das Projekt ist bei uns im September gestartet. Wir haben also nur sieben Monate für das Design und die Produktion. Die Designphase ist nahezu abgeschlossen, einige Elemente werden nun bereits von Zulieferern gebaut", beschreibt Floury den Zeitdruck bei der Entwicklung des neuen Autos für die amtierenden LMP2-Champions. Lachend fügt der Franzose hin zu: "Jedes Mal, wenn wir uns auf einen solch engen Zeitplan einlassen, denke ich, dass wir das in Zukunft nicht mehr tun sollten."

Die große Chance für Private: Le-Mans-Sieg möglich?

"Rebellion wollte unbedingt den Aufstieg in die LMP1-Klasse - und wir lieben Herausforderungen", lautet der Leitsatz für Floury und seine Mannschaft am Standort in Signes - unweit von Le Castellet. Der R 13 wird exklusiv für das Schweizer Team entwickelt und gebaut, weitere Kunden für das neue LMP1-Fahrzeug soll es nicht geben. "Alles, was wir an diesen LMP1-Autos für Kunden tun, ist klar abgegrenzt von Toyota. Wir entwickeln unsere LMP-Autos seit 2009 ganz ohne Windkanal, nutzen nur CFD bei uns im Hause."

Oreca muss - mal wieder - einen Spagat hinlegen. Auf der einen Seite ist man als enger Partner von Toyota an den Einsätzen der Werks-Hybridautos beteiligt, auf der anderen Seite muss man der privaten Konkurrenz der Japaner ein möglichst gutes Auto bauen und umfangreichen Support gewährleisten. "Die neue Situation in der LMP1-Klasse unterstreicht noch einmal deutlich, dass man die Privaten niemals vernachlässigen darf. Wenn man sie braucht, sind sie zur Stelle. Das sieht man jetzt", meint Floury angesichts des Zuwachses an privaten LMP1-Fahrzeugen zur Saison 2018/19.

"Toyota muss eigentlich weiterhin auf einem anderen Level fahren. Sie haben dermaßen viel Aufwand betrieben, dass sie es schlichtweg auch verdienen, schneller als die Privaten zu sein. Sie unterstützen die ganze Serie, bleiben trotz fehlendem Wettbewerb durch andere Hersteller. Das darf man auch nicht vergessen. Die privaten Autos werden näher dran sein, aber Toyota sollte vorn sein", schätzt der Oreca-Technikchef die sportlichen Voraussetzungen im bevorstehenden LMP1-Wettbewerb ein.

"Dennoch: Die Chance für private LMP1-Teams in Le Mans ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Die letzte Gelegenheit dieser Art hatte wahrscheinlich Pescarolo im Jahr 2005. Zehn Jahre davor hätte Courage gewinnen können. In Le Mans gibt es immer solche Zyklen. Irgendwann öffnet sich ein kleines Fenster. Dann haben die Privaten ihre große Chance. Auch jetzt wieder: Wer 2018/19 die Möglichkeiten hat, solch ein Projekt zu stemmen, der muss es einfach machen. Die nächste Chance dieser Art kommt wahrscheinlich erst 2030 wieder", sagt Floury.

Rebellion wird in der WEC-Supersaison 2018/19 zwei neue LMP1-Autos an den Start bringen. In den Cockpits wird bewährtes und prominentes Personal arbeiten. Die Porsche-Werkspiloten Neel Jani und Andre Lotterer stoßen zu den Schweizern, die bisherigen Stammpiloten Mathias Beche und Bruno Senna bleiben an Bord. Frischen Wind sollen die schnellen Youngster Thomas Laurent und Gustavo Menezes ins Team bringen.

© Motorsport-Total.com

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