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Die Zeit drängt: Soll es mit den Hypercars etwas werden, muss es jetzt schnell gehen
Die Zeit drängt: Soll es mit den Hypercars etwas werden, muss es jetzt schnell gehen © ACO
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Beim Reglement für die LMP1-Nachfolgeklasse baut sich Zeitdruck auf - Soll das erste Hypercar-Rennen im Spätsommer 2020 stattfinden, ist Eile geboten

Mit den neuen Hypercar-Regularien sollen die 24 Stunden von Le Mans in den 2020er-Jahren wieder zukunftsfähig werden. Seit der Verkündung des Konzepts im Juni, das eine Saison in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) mit Budgets von 30 Millionen Euro für zwei Autos machbar werden lassen soll, wurde nicht mehr viel verkündet. Hinter verschlossenen Türen müssen zahlreiche Details geklärt werden - etwa ob jeder mit einem eigenen Hybridsystem fährt oder

Allmählich baut sich Zeitdruck auf. Denn wenn das erste Rennen unter den neuen Regularien im August oder September 2020 (voraussichtlich in Silverstone) über die Bühne gehen soll, dann müssen die Hersteller allerspätestens Anfang 2020 mit den neuen Autos testen. Und selbst das wäre schon eine sehr knappe Timeline. Und für ein komplett neues Fahrzeug von einem weißen Blatt Papier sind eineinhalb Jahre Vorlaufzeit notwendig, womit wir bereits wieder in der Gegenwart wären.

Das Problem: Einen Plan B gibt es nicht, falls die Regeln verschoben werden müssten. Toyota wird kaum noch ein weiteres Übergangsjahr Alleinunterhalter spielen. Das Reglement muss für die WEC-Saison 2020/21 in Form gegossen werden.

Mit jedem Tag, der verstreicht, wird es für die Hersteller anstrengender werden. Das macht es nicht wahrscheinlicher, dass sich welche verpflichten, obschon das Interesse, wie immer wieder von allen betont wird, groß sei. Bislang gibt es eine offizielle Verpflichtung von Glickenhaus, unter den neuen Regularien bei den 24 Stunden von Le Mans antreten zu wollen. Was es braucht, wäre das endgültige Bekenntnis eines weiteren großen Herstellers, dann dürfte auch Toyota schnell nachziehen. Doch solange die Regeln nicht stehen, wird das kaum passieren.

Knackpunkt Hybridsystem

Noch ist man jedenfalls weit von einem endgültigen Reglement entfernt. Insbesondere das Hybrid-System sorgt für Diskussionen. Hybrid-Pionier Toyota will unbedingt ein eigenes System verwenden, um das über Jahre angesammelte Know-how weiter verwenden zu können. Doch kann so das Budget-Ziel überhaupt eingehalten werden? Ein Einheits-Hybridsystem wäre aus Kostensicht gerade für kleinere Teams die bessere Lösung und für den ACO eine mögliche Einnahmequelle. Allerdings wird man sich hüten, Toyota zu verprellen, die die Szene momentan über Wasser halten.

Eine weitere Frage stellt sich bei der angedachten Stückzahl von 20 Homologations-Fahrzeugen. Was für Toyota, Aston Martin und auch Glickenhaus kein Problem sein dürfte und für Dallara, die gerade ihr erstes Straßenfahrzeug fertig haben, auch noch machbar wäre, wäre beispielsweise für ByKolles ein Problem. Rein theoretisch müsste ByKolles nach den angedachten Regeln 20 Enso CLM auf den Markt werfen... Es gilt also noch zahlreiche Punkte zu klären und die Zeit wird immer knapper. Im Dezember tagt der FIA Motorsport-Weltrat. Das Reglement muss also bis November stehen.

Positive Zeichen von Aston Martin

Immerhin ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Aston Martin mit dem Valkyrie engagieren wird. Vom britischen Nobelhersteller kommen äußerst positive Signale. "Wir sind richtig enthusiastisch und werden alles geben, das Richtige für den Sport zu tun", sagt David King, Leiter Sonderprojekte bei Aston Martin, gegenüber 'Sportscar365'. Angesichts der möglichen DTM-Projekts waren zuletzt Zweifel aufgekommen, doch Aston Martin scheint seine Motorsportaktivitäten massiv ausbauen zu wollen.

Doch auch er verweist auf den Zeitdruck, der mit jedem Tag zunimmt: "Meine Sorge ist, dass alles richtig schnell gehen muss, wenn wir die Fahrzeuge pünktlich fertig haben wollen. Das geht schon fast über die Grenze des Machbaren hinaus, wenn man noch kein Budget bereitgestellt und kein Team beisammen hat, das jederzeit mit der Arbeit beginnen kann."

Ob weitere Hersteller kommen werden, hängt vor allem davon ab, ob es ACO und IMSA gelingt, eine gemeinsame Basis für die nächste Prototypen-Generation zu finden. Danach sieht es momentan nicht aus, sonst wäre Ford nicht auf Abstand zu den Gesprächen gegangen. "Das ist momentan ein großes Pokerspiel, wer kommt und wer nicht", verrät King. Holt man die IMSA mit ins Boot, würde man schlagartig für mehrere Hersteller eine Tür öffnen. Allerdings wäre die GTP-Kategorie dann nicht mehr alleine in der WEC die Königsklasse, was dem ACO nicht gefallen dürfte...

© Motorsport-Total.com

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