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Nick Tandy hätte aus Versehen beinahe einen neuen Streckenrekord gefahren
Nick Tandy hätte aus Versehen beinahe einen neuen Streckenrekord gefahren © Gary Hawkins
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Nick Tandy hätte im Porsche 919 Evo beinahe den Streckenrekord auf der Indy-Variante von Brands Hatch gebrochen - Dabei war es nur ein kleiner Showrun!

Eigentlich sollte Nick Tandy im Rahmen der "Porsche 919 Tribute Tour" auf der kurzen Variante der Rennstrecke Brands Hatch nur einen kleinen Showrun absolvieren. Doch der Le-Mans-Sieger von 2015 hätte aus Versehen im Rahmen des Porsche-Festivals an gleicher Stelle beinahe den Streckenrekord auf der nur 1,929 Kilometer langen Indy-Variante des Kurses verbessert.

Tandy rückte mit dem 1.160 PS starken Porsche 919 Evo, einem aus dem LMP1-Boliden 919 Hybrid abgeleiteten Derivat , zu einer Demofahrt aus, bei der er es richtig krachen ließ. Am Ende stand eine Zeit von 38,16 Sekunden zu Buche. Das reichte nicht ganz, um die 38,032 Sekunden von Scott Mansell zu schlagen, der diese Zeit auf einem Benetton B197 in der Vorläuferserie der BossGP aufstellte. Paul Tracys Allzeitrekord von 37,006 Sekunden aus dem ChampCar-Qualifying 2003 wurde noch auf einer leicht anderen Streckenvariante im Bereich Graham Hill Bend erzielt.

Porsche hatte gar keinen offiziellen Rekordversuch unternommen. Das Hybridsystem des 919 war nicht für die Strecke programmiert und die Reifen waren Altmaterial. Es waren keine Michelin-Techniker vor Ort, die sonst bei Rekordfahrten mit wertvollen Informationen aushelfen. Auch war es Tandys erster Auftritt im Porsche 919 Evo. "Das ist mit das Beste, was ich je gemacht habe!", sprudelt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Das ist das schnellste Auto, das ich jemals gefahren bin. Das war schon cool."

Natürlich stellt sich die Frage: Was wäre mit dem kompletten Vorbereitungspaket möglich gewesen? Tandy prophezeit: "Das Problem ist, dass der Reifen schon nach der Outlap hinüber war. Mit Rennreifen wären wir hier in der 35er-Region gelandet." Das wäre rund drei Sekunden schneller als der bisherige Rekord gewesen - auf einer Strecke, die dreimal kürzer ist als ein aktueller Grand-Prix-Kurs!

Tandy absolvierte drei Showruns am vergangenen Wochenende. Am Ende packte ihn der Ehrgeiz und er begann, ans Limit des nicht für den Kurs abgestimmten Boliden zu gehen. "Wenn der Abtrieb mal abreißt, wird es wirklich haarig", gesteht der 33-Jährige. "Beim letzten Versuch habe ich auch das DRS eingesetzt und habe es früher und früher betätigt. Irgendwann ist mir dann das Heck ausgebrochen." zu einem Unfall kam es dabei nicht, doch die Grenze war erreicht. 38,16 Sekunden mussten reichen.

An Stammtischen und im Internet wird viel diskutiert, wie schnell Autos heutzutage theoretisch werden können. Porsche-Testingenieur Olivier Champenois erklärt, dass mittlerweile der Mensch Grenze des Machbaren darstellt: "Auf der Nordschleife hätten wir mit einem Versuch mehr noch schneller fahren können. Mit jedem weiteren Versuch wären wir schneller geworden, aber irgendwann wäre das Auto vielleicht nicht mehr zurückgekommen. Es steckt noch Potenzial im Auto, wir können das in Simulator-Tests sehen. Aber der Mensch ist jetzt der begrenzende Faktor dabei, wie schnell Autos werden können."

Für den Porsche 919 Evo war es der vorletzte Auftritt. Zum letzten Mal wird der Rekordbrecher bei der Porsche Rennsport Reunion auf dem Laguna Seca Raceway (27. September bis 1. Oktober) haben.

© Motorsport-Total.com

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