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Thierry Neuville tröstet Elfyn Evans nach dem dramatischen Finale
Thierry Neuville tröstet Elfyn Evans nach dem dramatischen Finale © LAT
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Nach einer starken Vorstellung verliert Elfyn Evans auf den letzten Kilometern den Sieg bei der Rallye Frankreich: Thierry Neuville staubt ab

Ein dramatisches Ende hat Thierry Neuville (Hyundai) bei der Rallye Frankreich den ersten Saisonsieg in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) beschert und Elfyn Evans (Ford) ins Tal der Tränen gestürzt. Der M-Sport-Pilot hatte bei der legendären "Tour de Corse" eine der stärksten Leistungen in seiner WRC-Karriere gezeigt und lag vor der abschließenden Powerstage auf Kurs zu seinem zweiten WM-Sieg.

Doch dann platzt der rechte Vorderreifen seines Ford Fiesta WRC - und mit ihm Evans Hoffnungen auf einen wohlverdienten Sieg. Diesen staubte Thierry Neuville ab, während Evans hinter Sebastien Ogier (Citroen) auf Rang drei zurückfiel. Doch feiern konnte Evans auf dem Podium nicht, der Waliser wirkte aus nachvollziehbaren Gründen niedergeschlagen.

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"Es ist schwierig zu akzeptieren, aber sowas kommt vor", sagt Evans. "Etwas ähnliches ist gestern Ott passiert. Das liegt in der Natur des Sports. Ich glaube es ist auf gerade Strecke passiert, irgendein Teil oder ein Stein hat den Reifen aufgeschlitzt. Ich bin weitergefahren, um den Zeitverlust zu begrenzen, aber sechs Kilometer vor dem Ende hat sich die Lauffläche abgelöst. Wenigstens stehen wir auf dem Podium, aber das ist nicht das, was ich wollte."

Evans' starke Leistung wird nicht belohnt

Evans hatte auf Korsika von Anfang an gezeigt, dass im Kampf um den Sieg mit ihm zu rechnen ist. Er gewann gleich die erste Wertungsprüfung (WP), ließ dem drei weitere Bestzeiten folgen und war in der Gesamtwertung bis zur letzten Wertungsprüfungen nie schlechter als auf Rang zwei platziert.

Dabei musste sich der Waliser starker Gegner erwehren. Bis zum Samstagnachmittag rang er in einem packenden Duell mit Ott Tänak (Toyota) um die Spitze, doch dann erlitt der Toyota-Pilot bei der elften WP einen Reifenschaden und fiel zurück. Dafür war plötzlich Neuville zur Stelle, der nach einer klaren Bestzeit bei der zwölften WP als Führender in den Schlusstag ging.

Dann schlug aber Evans zurück. Bei der 31,85 Kilometer langen WP "Eaux de Zilia" nahm er Neuville am Sonntagmorgen 16 Sekunden ab und ging mit 11,5 Sekunden Vorsprung in die Powerstage. Doch dieser sollte angesichts des Reifenschadens nicht reichen.

Neuville fühlt mit gefallenem Rivalen

So kam Neuville etwas unerwartet zu Saisonsieg Nummer eins für ihn und Hyundai. Allerdings fühlte der Belgier mit seinem Rivalen Evans. "Für Elfyn tut es mir wirklich leid, er hat hier einen wirklich tollen Job gemacht", sagt er. "Aber auch wir haben es verdient, denn wir haben ständig angegriffen und nie aufgegeben." Mit insgesamt drei WP-Bestzeiten zeigte Neuville auf Korsika immer wieder sein Tempo auf, bei manchen WP er allerdings nicht in der Lage, das Tempo der Schnellsten mitzugehen.

Für Ogier war Rand zwei am Ende erfolgreiche Schadensbegrenzung. Nachdem der Citroen C3 WRC bisher auf Asphalt immer besonders stark war, hatte Ogier vor dem Wochenende als Top-Favorit gegolten. Doch vom Start weg klagte der Franzose über Untersteuern, welches er seinem Auto im Laufe der Rallye nur zögerlich austreiben konnte. Ein zeitweiliger Ausfall des Anti-Lag-Systems am Samstagnachmittag trug beim sechsmaligen Weltmeister ebenfalls nicht zu guter Laune bei.

Als Vierter komplettierte Dani Sordo ein starkes Teamergebnis von Hyundai. Damit rechtfertigte er seine Nominierung und die "Degradierung" von Andreas Mikkelsen auf die Ersatzbank. Weniger überzeugend war der Auftritt von Sebastien Loeb im dritten Hyundai i20 WRC. Ein Abflug samt Aufhängungsschaden am Freitag, ein Dreher am Samstag und insgesamt für seine Verhältnisse durchschnittliche Zeiten sorgten dafür, dass der WRC-Rekordchampion nicht über Rang acht hinaus kam.

Toyota fällt in der Hersteller-WM zurück

Für Toyota bedeutete die Rallye Frankreich im Kampf um die Herstellerwertung einen Rückschlag. Keiner der drei Yaris WRC kam ohne Probleme durch die Rallye. Tänak büßte mit dem Reifenschafen am Samstag seine Siegchancen ein, Kris Meeke verlor am Freitagnachmittag durch einen Aufhängungsdefekt viel Zeit. Auch Jari-Matti Latvala erlitt einen Reifenschaden, zeigte darüber hinaus aber auch eine allenfalls als durchwachsen zu bezeichnende Leistung.

So standen am Ende die Plätze sechs (Tänak), neun (Meeke) und zehn (Latvala) sowie lediglich zwölf Punkte für die Hersteller-WM zu Buche. Immerhin belohnten sich Meeke und Tänak mit den Plätzen eins und zwei bei der Powerstage und den damit verbundenen fünf beziehungsweise vier Zusatzpunkten.

In der Fahrerwertung hat sich die Spitze nach vier von 14 Rallyes dicht zusammengeschoben. Neuville führt nun mit 82 Punkten vor Ogier (80) und Tänak (77). In der Herstellerwertung liegt nun Hyundai mit 114 Punkten in Führung. Citroen folgt mit 102 Punkten, Toyota (98) fällt von Rang eins auf drei zurück.

Weiter geht es mit der Rallye-WM in vier Wochen (25. bis 28. April) mit der Rallye Argentinien.

© Motorsport-Total.com

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