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Nach Wechsel von Lionel Messi zu Paris Saint-Germain - hat der Fußball nichts gelernt?

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Nach Wechsel von Lionel Messi zu Paris Saint-Germain - hat der Fußball nichts gelernt?

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Hat der Fußball nichts gelernt?

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Klubs finanziellen Schaden angerichtet. Trotzdem werfen andere weiter mit Geld um sich. Die Frage ist: Hat der Fußball nichts gelernt?
Lionel Messi wird offiziell bei Paris Saint-Germain vorgestellt. Der Argentinier kann es kaum erwarten, bei seinem neuen Klub loszulegen.
Christopher Mallmann
Christopher Mallmann
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Manch einer wird sich noch erinnern, ganz zurück, an die Anfänge der Corona-Pandemie.

Damals, im Jahr 2020, hieß es aus vielen Mündern: Wir haben gelernt, so wie bisher kann es nicht weitergehen, die Pandemie hat uns demütiger gemacht, alles muss sich ändern.

Im Geschäft Fußball war das vor allem auf die irren Transfer- und Gehaltssummen bezogen, die über die Zeit immer astronomischere Züge angenommen hatten. (Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Neblung: “La Liga ist nahezu handlungsunfähig”

Jetzt, im Jahr 2021, scheint von diesen guten Vorsätzen nicht mehr viel übrig. Beispiele gibt es genug, nicht zuletzt der Transfer von Lionel Messi, der Paris Saint-Germain zwar keinen Cent Ablöse gekostet hat, aber mit horrenden Gehaltszahlungen einhergeht.

Doch woran liegt es, dass aus Demut wieder Prasserei wurde? Ein Teil der Antwort mag sein, dass jene Klubs, die damals ein Umdenken gefordert haben, nicht jene sind, die jetzt mit Geld um sich werfen. Manchester City oder PSG haben auch 2020 schon nicht viel vom Sparen gehalten.

“Im Jahr 2021 gibt es nicht mehr ‘den Fussball’, diese Verallgemeinerung war noch nie weniger zutreffend als nach dieser Pandemie”, sagt auch Spielerberater Jörg Neblung im Gespräch mit SPORT1. “Die Ligen kämpfen mit völlig unterschiedlichen Waffen.”

Der 54-Jährige gibt ein Beispiel: “La Liga ist nahezu handlungsunfähig, während andere investorgesteuerte Ligen über gleichbleibende Möglichkeiten verfügen.”

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Wenn nicht sogar über größere als vor der Pandemie. Die 2.700 Milliardäre, die es auf der Welt gibt, haben ihr Vermögen laut Financial Times zusammengenommen um rund 4,2 Billionen Euro erhöht; das entspricht einer Steigerung um 60 Prozent in nicht einmal zwei Jahren Pandemie.

Es ist nicht schwer zu kombinieren, dass zu diesen Milliardären auch jene Investoren gehören, die die Geschicke von ManCity oder Paris leiten. Woher das Geld kommt, ist also klar - doch warum können sie es trotz Financial Fairplay nach Belieben ausgeben?

Rummenigge fordert “Financial Fairplay 3.0

“Sie verfügen über die finanziellen Mittel und können im Endeffekt machen, was sie wollen”, meint Karl-Heinz Rummenigge in der Sport Bild. “Nur mit Financial Fairplay ist dem entgegenzuwirken. Wir haben nun Financial Fairplay 2.0. Aber ich betone: Wir brauchen die Version 3.0, welche einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet.”

Der Umstand, dass inzwischen eine dritte Version nötig ist, um die Scheichklubs zu bremsen, zeigt das ganze Dilemma auf. So sagt Rummenigge weiter, dass es klare Bestimmungen geben müsse, “die nicht mehr durch irgendwelche Tricks oder Hintertürchen umgangen werden können. Man kann mit einem Prozentsatz arbeiten: Beispielsweise, dass nur 50 Prozent vom Umsatz in Gehälter investiert werden darf.”

Wenn dies nicht geschieht, “wird der deutsche Fußball international auf Sicht abgehängt. Die Schere entwickelt sich nicht zugunsten der traditionell wirtschaftenden Klubs. Der FC Bayern kann sich Transfers in dieser Größenordnung nicht erlauben, da sich die Gehälter trotz Corona nach oben entwickeln.”

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Neblung indes sieht diesen Vorgang etwas anders. So analysiert der Spielerberater, der unter anderem Stefan Ortega von Arminia Bielefeld betreut, dass “Demut und Gehaltseinbußen” durchaus im überwiegenden Teil der internationalen Vereine angekommen seien, sich daraus aber ein “Verkäufermarkt entwickelt habe, den die wenigen finanziell gut gestellten Klubs nun nach Belieben bespielen können”.

Corona beschleunigt Schere zwischen Arm und Reich

Ein gutes Exempel für einen solchen Vorgang ist bei Romelu Lukaku zu finden, der bei Inter Mailand auf Gehalt verzichten soll und nun den Weg zum FC Chelsea sucht. Zugleich würde Inter von den eingespielten Millionen profitieren, um sich finanziell zu rehabilitieren.

Und Neblung sieht in diesen Entwicklungen noch lange kein Ende: “Die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Corona-Profiteuren und -Verlierern wird sowohl im gesellschaftlichen Bereich als auch im Fußball weiter auseinandergehen und massive Folgen haben.”

Doch was kann der Fußball - insbesondere der deutsche - tun, um sich dem entgegenzuwerfen?

“Weiter so seriös wirtschaften wie bisher”, meint Neblung trocken - und schickt einen Appell der Hoffnung nach draußen: “Wir werden uns im Vergleich mit Spanien, Italien und Frankreich weiter behaupten können”.