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Schmidt ist niedlich und bedrohlich zugleich

Schmidt ist niedlich und bedrohlich zugleich

Die Trainer beider Teams der Relegation sind sich nicht unähnlich. Im Coaching-Duell führt Schmidt zur Halbzeit - ein Gastbeitrag von DAZN-Moderator Alexander Schlüter.
Frank Schmidt steht mit Heidenheim vor dem bisher wichtigsten Spiel in der Vereinsgeschichte gegen Werder Bremen. Vor der Partie spricht der Coach mit DAZN über Heimatverbundenheit und Motivation.
Nico Seepe
Nico Seepe
von Alexander Schlüter

Natürlich hatte Adi Preisler Recht, als er vor vielen Jahren sagte: "Entscheidend ist auf'm Platz!"

Das, was auf der grünen Wiese passiert, ist beim Fußball immer das Wichtigste. Nur gilt für uns Sportreporter vielleicht noch eine kleine Ergänzung in Richtung: "...auf’m Platz und knapp daneben!" Denn die Interviews am Spielfeldrand sind nunmal ein Hauptteil unseres Berufslebens.

Genau diese Gespräche bieten oft selbst Angriffsfläche für kritische Diskussionen. Mal, weil einer der Spieler nach Abpfiff eine besondere Punchline raushaut, häufiger aber auch, weil sie eben genau dies nicht tun und sich stattdessen lieber aus dem rhetorischen Fertigspeisenregal bedienen.

BREMEN, GERMANY - JULY 02: Milot Rashica of Bremen is challenged by Timo Beermann and Patrick Mainka of Heidenheim during the Bundesliga playoff first leg match between Werder Bremen and 1. FC Heidenheim at Wohninvest Weserstadion on July 02, 2020 in Bremen, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
Bremen's Finnish defender Niklas Moisander (L) and Heidenheim's German forward Denis Thomalla vie for the ball during the German Bundesliga relegation first-leg football match Werder Bremen v 1 FC Heidenheim 1846 on July 2, 2020 in Bremen, northern Germany. (Photo by Carmen JASPERSEN / various sources / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by CARMEN JASPERSEN/AFP via Getty Images)
Die erste Relegation zwischen Bundesliga und Zweiter Liga wurde 1982 gespielt. Damals machte Bayer Leverkusen kurzen Prozess mit den Kickers Offenbach. 1:0 und 2:1 lauteten die Ergebnisse, Arne Larsen Ökland und Peter Szech feiern den Sieg
Ein Jahr später setzte sich dann der Zweitligist durch. Bayer Uerdingen bezwang Schalke 04. Schalkes Wolfram Wuttke scheitert am Krefelder Keeper Werner Vollack
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Kohfeldt und Schmidt ähneln sich

Das macht es für mich nicht immer leicht, obwohl ich durchaus ein gewisses Verständnis für dieses Verhalten habe. Mein Job ist es, von den Akteuren interessante Antworten zu bekommen – wohl wissend, dass der Gegenüber sich in einer wenig komfortablen Position befindet.

Mit 13 Kilometern in den Beinen würde mein Vokabular wohl auf die Wörter 'Wasser', 'Sauerstoff' und 'Muskelkrampf' zusammenschrumpfen. Sogenannte "Post-Match-Interviews" mit Trainern sind nicht wirklich leichter, schließlich sind auch die Coaches gerade eine 90-minütige Emotionsachterbahn gefahren.

Doch natürlich gibt es innerhalb dieses Kosmos Unterschiede. Florian Kohfeldt und Frank Schmidt ähneln sich darin, auffallend anders zu sein.

Interviews mit den beiden sind keinesfalls reibungsfrei, aber auf eine Art doch immer angenehm, weil sowohl Bremens- als auch Heidenheims Cheftrainer allgemeine Floskeln vermeiden und stattdessen klare, ehrliche Worte finden. Wären sie regelmäßig Gäste im CHECK24 Doppelpass, das Phrasenschwein müsste zwangsernährt werden.

Robert Lewandowski holt sich nach 2014, 2016 und 2018 zum vierten Mal die Torjäger-Kanone. Der Stürmer des FC Bayern triumphiert vor Paco Alcácer. SPORT1 zeigt die besten Knipser der Bundesliga
TURIN, ITALY - OCTOBER 01:  Kevin Volland of Bayer Leverkusen in action during the UEFA Champions League group D match between Juventus and Bayer Leverkusen at Juventus Arena on October 1, 2019 in Turin, Italy.  (Photo by Pier Marco Tacca/Getty Images)
Moenchengladbach's French forward Marcus Thuram eyes the ball during the German first division Bundesliga football match Eintracht Frankfurt v Borussia Moenchengladbach on May 16, 2020 in Frankfurt, western Germany as the season resumed following a two-month absence due to the novel coronavirus COVID-19 pandemic. (Photo by Michael Probst / POOL / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by MICHAEL PROBST/POOL/AFP via Getty Images)
LEIPZIG, GERMANY - MARCH 10: Patrik Schick of Leipzig runs with the ball during the UEFA Champions League round of 16 second leg match between RB Leipzig and Tottenham Hotspur at Red Bull Arena on March 10, 2020 in Leipzig, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
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Schmidts mutige Taktik geht auf

Kohfeldt fand genau solche Worte nach dem torlosen Remis im Relegations-Hinspiel, als er sichtlich enttäuscht ins DAZN-Mikro erklärte, dass Werder einfach eine sehr schlechte Leistung abgeliefert habe, er sich dabei aber selber mit in die Verantwortung nehme – schließlich habe man ja grundsätzlich nicht geschafft, den Plan, den man sich für das Spiel überlegt hatte, umzusetzen.

Frank Schmidt dagegen hatte sein Team nahezu perfekt auf Werder eingestellt. Dabei zeigte er sich besonders mutig und ließ seine eigentlich perfekt abgemischte Mannschaft in ungewohnter Formation antreten. Heidenheim spielte erst zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren mit einer Dreierkette.

Werder Bremen muss weiter um den Klassenerhalt zittern. Trainer Florian Kohfeldt ist enttäuscht von der schlechten Leistung.
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"Von vorne bis hinten schlecht!" Kohfeldts vernichtendes Werder-Urteil

Das Experiment ging auf. Dafür zollte ihm auch sein Gegenüber anschließend Respekt. Von einem "sehr guten Gegner, der die richtigen Mittel gegen uns gefunden hat," sprach Florian Kohfeldt nach Abpfiff an der Seitenlinie. Werder bekam in den für das eigene Spiel so wichtigen Zwischenräumen keinen Fuß an den Ball. Durch das aggressive, mannorientierte Verteidigen der Heidenheimer gestaltete sich das Bremer Offensivspiel wie das Wetter an diesem Abend - trostlos.

Halbzeit im Coaching-Duell

Die Partie ist vorbei, Kohfeldt hat das Coaching-Duell verloren. Das passiert ihm nicht oft. Aber auch dieses Duell hat eigentlich erst Halbzeitpause.

Der 37-Jährige hatte nun drei Tage, um die konkreten Fehler aus dem Hinspiel und die richtigen Worte für seine Mannschaft zu finden. Währenddessen erklärte sein Kontrahent der versammelten Presse, dass ihm der Matchplan für das Rückspiel während einer entspannten Fahrradtour durch den Wald eingefallen sei.

Das klang niedlich und bedrohlich zugleich - typisch Heidenheim halt. Und so geht das Duell zwischen dem familiären Kleinstadtverein aus dem Süden und dem Traditionsklub aus dem Norden mit großen Erwartungen in die zweite Runde. Auf dem Platz und an der Seitenlinie.

Der Druck ist bei Werder selbstredend größer, doch auch zu diesem Thema fand Florian Kohfeldt besondere Worte: "Es ist trotz allem auch ein Privileg, solche Spiele spielen zu dürfen. Irgendwie sind das ja auch die Tage, an denen Geschichten geschrieben werden."

Das Skript dafür haben beide Trainer bereits entworfen, heute Abend ist es an der Zeit, herausfinden, welche Story es schlussendlich auf die große Leinwand schafft – oder vielleicht besser: "auf’n Platz"...

Alexander Schlüter ist eines der Gesichter bei DAZN. Auch am Montag wird er bei der Relegation, die live auf DAZN übertragen wird, an der Seitenlinie stehen.